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  • der Tagfalter (Insecta: Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Thüringens

    Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Maculinea nausithous, im geplanten NSG „Am Schwertstein – Himmelsgrund“ bei Bad Klosterlausnitz, 31.07.2010. (Aufn. F. BurgolD)

    Rote Liste

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    Durch die extensive Ziegen- und Schafbeweidung auf den Muschelkalktrockenhängen des Biensteinfelsens im Jonastal (Ilm-Kreis) werden Ver- buschung und Wiederbewaldung der Tagfalterhabitate verhindert, Arnstadt, Jonastal, 14.06.2010. (Aufn. K. Menge)

    Tagfalter sind die wohl am besten bekannten Insekten. Zur Vielfalt der Lebensweise der Tag- falter (Ausbreitungsstrategien, Futterpflanzen, Einflüsse von Geologie und Klima, Phänologie und interessante Einzelheiten der Lebensweise wie die Abhängigkeit von Ameisen usw.) liegen umfangreiche aktuelle und artbezogene Dar- stellungen und Beschreibungen vor (z. B. thust et al. 2006, settele et al. 2005 und reinharDt et al. 2007).

    In der Insektenordnung der Schmetterlinge (Lepidoptera) sind die Tagfalter und die üb- rigen so genannten „Großschmetterlinge“ in

    Thüringen sehr gut erforscht. Über die histo- rische Verbreitung sind wir durch BergMann (1940, 1951, 1952, 1955) umfassend informiert.

    Zur Thüringenfauna zählen derzeit 127 Arten (thust et al. 2000, 2001, 2006). Insgesamt 12 Thüringer Tagfalterarten sind ausgestorben oder gelten als verschollen. Veränderungen zur letzten Roten Liste (thust et al. 2001) in der Kategorie 0 gab es bei vier Arten. Bei Coeno- nympha hero – letzte Meldung 1993, Plebeius optilete – letzte Meldung 1988 fand die Umbe- wertung statt, weil das Erlöschen der Vorkom- men bisher nicht durch intensives Nachsuchen

    Einleitung

    Rote Liste der Tagfalter (Insecta: Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Thüringens

    4. Fassung, Stand: 02/2011

    gerD kuna Im Gedenken an rolF-Peter roMMel (1945-2009)

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    überprüft worden ist. Cupido argiades wurde 2010 in Südthüringen gefunden (kuna & hellner 2010) und Pyrgus armoricanus (oBerthür, 1910) konnte ab 2007 in Südthüringen nachgewie- sen werden (kuna 2008). Dabei erfolgte der Raumgewinn von Pyrgus armoricanus in den letzten 4 Jahren derart dynamisch (17 Mess- tischblatt-Quadranten), dass die Art in der vor- liegenden Roten Liste nicht mehr aufgeführt werden muss. 57 von 115 derzeit in Thüringen vorkommen- den Arten sind gefährdet, das sind 49,5 %. 2001 waren es noch 55 %. Einige Species, wie Aporia crataegi, Lycaena tityrus, Melitaea diamina und Melitaea britomartis, zeigen eine erfreuliche Ausbreitungstendenz, die aber weniger durch verbesserte Biotopbedingungen als durch kli- matische Veränderungen zu erklären ist. Bei den übrigen Arten, die nicht mehr in der Ro- ten Liste aufgeführt werden, wie zum Beispiel Maculinea nausithous, hat sich durch intensive Nachsuche der Kenntnisstand über die Verbrei- tung verbessert.

    Die derzeitige Situation wird von mehreren Faktoren geprägt. Da die Tagfalter auf Ver- änderungen ihrer Lebensbedingungen sehr empfindlich reagieren, wirkte sich die Aufgabe der traditionellen Land- und Forstwirtschaft im vorigen Jahrhundert sehr negativ auf die Dichte der Populationen aus. Durch die fast völlige Einstellung der Hüteschafhaltung nach 1990 unterliegen die damals tagfalterreichen Keuper-, Kalk- und Gipshügel des Thüringer Be- ckens einer fortschreitenden starken Sukzessi- on. Das Resultat der fehlenden Beweidung ist das Verschwinden charakteristischer Arten des xerothermen Offenlandes, wie Scolitantides ba- ton und Chazara briseis.

    Ganz anders stellt sich die Situation in Südthü- ringen dar. Hier findet neben der oben beschrie- benen Nutzungsaufgabe regional eine äußerst intensive Beweidung mit Rindern und Schafen statt, die ebenfalls zu einer Verringerung des Artenspektrums führt. Positiv zu bemerken ist, dass sich in Südthüringen teilweise eine bäuer- liche Nebenerwerbsbewirtschaftung erhalten hat. So trifft man noch auf bunte Mosaike aus Bauernwäldern mit lockeren Mantelstrukturen,

    Der Sonnenröschen-Würfel-Dickkopffalter, Pyrgus alveus, ist eine Leitart versäumter Halbtrockenrasen und wird in Thüringen aus- schließlich im Arnstädter Muschelkalk gefunden, Holzhausen, Wach- senburg, 31.07.2010. (Aufn. M. hellner)

    Komma-Dickkopffalter, Hesperia comma, in Paarung auf einem Halb- trockenrasen im Oberstadter Grund, Hildburghausen, 10.08.2010. (Aufn. r. BrettFelD)

    Streuobstwiesen, Klee- und Luzernefeldern und extensiv genutzten Magerrasen mit einer großen Artenvielfalt. Äußerst drastische Veränderungen sind im so genannten „Grünen Band“ zu beobachten. Der ehemalige Grenzstreifen zu Bayern und Hessen hatte durch seine extensive 45-jährige Nutzung praktisch die Verhältnisse aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts konserviert. Dadurch konnten hier seit Anfang der 1990er-Jahre mehrere verschollene und stark gefährdete Tagfalterarten, wie Melitaea phoebe, Maculinea teleius, Plebeius idas, Plebeius argyrognomon, Pyrgus carthami, Boloria eunomia und Parnas- sius mnemosyne, nachgewiesen werden. Heute stellt sich der Grenzverlauf als „Grüner Flicken- teppich“ aus landwirtschaftlicher Nutzfläche, Intensivweiden, Wald- und Vorwaldstadien, aber auch kleinflächig durch Vertragsnatur- schutz hervorragend gepflegten Flächen dar. Seine ökologische Bedeutung für Thüringen

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    Der Randring-Perlmutterfalter, Boloria eunomia, lebt an Wiesen- Knöterich und hat sein Hauptverbreitungsgebiet in der Rhön, Fran- kenheim, 12.06.2004. (Aufn. g. roeDer)

    Die Vorkommen des Blaukernauges, Minois dryas, sind in Thürin- gen auf die Südabfälle des Kyffhäusergebirges beschränkt, Bad Frankenhausen, Kosakenberg, 26.07.2009. (Aufn M. hellner)

    wird aber immer geringer, da schon seit Jahren ein ständiger Rückgang der genannten Arten zu beobachten ist. Langfristig ist das Überleben der in Thüringen gefährdeten Arten nur durch einen angemessenen Vertragsnaturschutz zu realisieren. Dabei ist besonders auf ausreichen- de Größe der Flächen und ihre Vernetzung un- tereinander zu achten. Die naturschutzinternen Zielkonflikte von Botanikern, Ornithologen, Entomologen und anderen lassen sich meist durch kleinflächig unterschiedliche Pflegere- gime, die an eine traditionelle bäuerliche Nut- zung anlehnen, überwinden. Priorität hat hier aber auch die Eindämmung der Sukzession.

    Für das Mittlere Saaletal um Jena, den Kyffhäu- ser, die Hutungen der Thüringer Rhön und das Jonastal bei Arnstadt haben Naturschutzmaß- nahmen und Naturschutzgroßprojekte bereits deutliche Verbesserungen bewirkt.

    Die Nomenklatur der vorliegenden 4. Fassung der Roten Liste folgt settele et al. (2005). Die Ge- samtverbreitung der Arten und die daraus re- sultierenden Arealränder wurden kuDrna (2002) entnommen.

    An dieser Stelle sei den zahlreichen Kollegen gedankt, die durch ihre Fundmeldungen zum heutigen Kenntnisstand beigetragen haben. Besonderer Dank gilt den Herren h. aDloFF, U. Fischer, M. hellner, a. heuer, r.-P. roMMel (†), W. schäFer, H. strutzBerg, M. taeger und r. thust für ihre kontinuierliche Mitarbeit.

    Großer Eisvogel, Limenitis populi. (Aufn. F. leo, fokus-natur)

    Der Baumweißling, Aporia crataegi, hat in Thüringen wieder zu- genommen. In Ostthüringen haben jedoch vermutlich immer au- tochthone Populationen existiert, FND „Rote Pfütze“, 20.06.2006. (Aufn. D. seiFert)

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    Segelfalter, Iphiclides podalirius, NSG „Windknollen“ bei Jena/ Cospeda. (Aufn. h. DittMAnn)

    Eier des Kreuzenzian-Ameisenbläulings, Maculinea rebeli, an sei- ner Futterpflanze. Der gefährdete Bläuling ist außer seinem Haupt- verbreitungsgebiet an der Werra in Südthüringen nur punktuell in Mittelthüringen zu finden, Belrieth, Halsberg, 30.06.2006. (Aufn. g. roeDer)

    Rote Liste

    Art Gefährdung Bemerkungen

    Apatura ilia ([Denis & schiFFerMüller], 1775) Kleiner Schillerfalter 2 §

    Apatura iris (linnaeus, 1758) Großer Schillerfalter 3 §

    Argynnis niobe (linnaeus, 1758) Mittlerer Perlmutterfalter 0 §, 1946

    Boloria aquilonaris stichel, 1908 Hochmoor-Perlmutterfalter 1 §

    Boloria dia (linnaeus, 1767) Magerrasen-Perlmutterfalter 3 §

    Boloria eunomia (esPer, 1799) Randring-Perlmutterfalter 1 §

    Boloria euphrosyne (linnaeus, 1758) Silberfleck-Perlmutterfalter 3 §

    Boloria selene ([Denis & schiFFerMüller], 1775)

    Braunscheckiger Perlmutterfalter 3 §

    Carcharodus alceae (esPer, 1780) Malven-Dickkopffalter 1 §

    Chazara briseis (linnaeus, 1764) Berghexe 1 § A

    Coenonympha glycerion (Borkhausen, 1788) Rostbraunes Wiesenvögelchen 3 §

    Coenonympha hero (linnaeus, 1761) Wald-Wiesenvögelchen 1 §§ EU

    Coenonympha tullia (o. F. Müller, 1764) Großes Wiesenvögelchen 0 § 1976

    Colias alfacariensis riBBe, 1905 Hufeisenklee-Gelbling 3 §

    Colias palaeno (linnaeus, 1761) Hochmoor-Gelbling 0 § (1880)

    Cupido argiades (Pallas, 1771) Kurzschwänziger Bläuling R

    Erebia aethiops (esPer, 1777) Waldteufel 3 §

    Erebia ligea (linnaeus, 1758) Weißbindiger Mohrenfalter 3 §

    Erebia meolans (De Prunner, 1798) Gelbbindiger Mohrenfalter 0 § 1969

    Euphydryas aurinia (rotteMBurg, 1775) Goldener Scheckenfalter 2 § EU

    Euphydryas maturna (linnaeus, 1758) Maivogel 0 §§ EU 1978

    Glaucopsyche alexis (PoDa, 1761) Großpunkt-Bläuling 1 §

    Hesperia comma (linnaeus, 1758) Komma-Dickkopffalter 3

    Heteropterus morpheus (Pallas, 1771) Spiegelfleck-Dickkopffalter R 1994

    Hipparchia f

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