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    Universitt zu Kln Institut fr Berufs- Wirtschafts- und Sozialpdagogik Institut fr Berufs-, Wirtschafs- und Sozialpdagogik

    Didaktische Jahresplanung was, wozu, wie und wie viel davon fr wen?

    Prof. Dr. Detlef Buschfeld

    Kln, im Februar 2014

    Diskussionen um neue Lehrplne in der schulisch-beruflichen Bildung fhrten in den letzten 15

    Jahren nach relativ kurzer Dauer zum Stichwort Didaktische Jahresplanungen (DJP). Vielfach liegt dies

    an der Frage, wie aus Lernfeldern ber Lernsituationen nun konkreter Unterricht in der Berufsschule

    wird, neuerlich erweitert auch, was kompetenzorientierte Lehrplne in den schulisch-beruflichen

    Bildungsgngen in der Umsetzung ausmacht. DJP sind in diesen Jahren Teil der Praxis an beruflichen

    Schulen geworden. Im Internet finden sich fderal geprgte Handreichungen zu ihrer Erstellung,

    zahlreiche Beispiele ihrer Ausformung und Software zu ihrer Darstellung.1

    Im Zuge der Diskussion um die neuen kompetenzorientierten Bildungsplne in NRW (Schrder 2013,

    S. 22) aber auch schon vorher (Ettmann & Wierichs 2011, S. 6) taucht dabei die Frage auf, warum an

    jeder Schule das Rad der DJP neu erfunden werden msste. Auf Moderatorenschulungen steht die

    Frage der einheitlichen Formatierung fr knftige Qualittsanalysen im Vordergrund. Alles Fragen,

    die mich als Beobachter ein wenig ins Grbeln brachten. Auerdem motiviert mich die pointierte

    Stellungnahme von Rainer Dollase zum guten Unterricht. Denn Rainer Dollase trifft einen Reizpunkt

    der Diskussion, der meiner Einschtzung nach unter Lehrerinnen und Lehrern viel Zustimmung

    erfhrt, wenn er offen anspricht, dass Lehrerinnen und Lehrer sich mehr auf das Unterrichten

    konzentrieren knnen sollten denn auf Konferenzen (Dollase 2004, S. 24). DJP hat aber mit

    Konferenzen, Sitzungen, Zusammenarbeit der Kolleginnen und Kollegen zu tun. Und damit stellt sich

    die Frage, wozu und wie viel DJP brauchen Lehrerinnen und Lehrer, die sie von eigenen individuellen

    Unterrichtsvorbereitungen ablenken, die Zeit stehlen fr Korrekturen und Rckmeldungen,

    Ausgestaltung der individuellen Frderung und anderen tglichen Anforderungen. Sind DJP das

    Papier wert, wenn sie denn mal vorlufig fertig erstellt, ausgedruckt abgestellt und gelegentlich

    gelesen wurden? Es ist also eine Vergewisserung, ob ich die Vermittlung von Wissen um und ber

    DJP verantworten kann, ob ich die Verbreitung des Gedankens rechtfertigen kann, DJP sollte Teil der

    Praxis an schulisch-beruflichen Bildungsgngen sein. Und da DJP die Organisationseinheit

    Bildungsgang im objektiven Sinne eigentlich mit konstituiert, stellt sich die Frage nach der

    Begrndung der Bildungsgangarbeit vor Ort berhaupt. Die Fragewrter im Titel weisen auf die

    allgemein-didaktischen Leitfragen hin. Sie gliedern den Beitrag, der damit einem Muster einer

    didaktischen Reflexion als Zusammenhang folgt.

    1 Prominent sind vertraut man der Google-Platzierung bei der Recherche im Internet bei den

    Handreichungen die aus NRW (MSW-NRW 2009) und die aus Bayern (ISB-ALP 2012), auch an der Zahl der im Internet zugnglichen Darstellungen von DJP lassen sich Berufskollegs aus NRW als Vorreiter feststellen. Zudem gibt es Untersttzung durch den Didaktischen Wizard (ein Content-Management-System, entwickelt durch das Berufskolleg Uerdingen (www.bkukr.de/index.php?id=16)), zahlreiche Excel Versionen (beispielsweise www.youtube.com/watch?v=3TxS8Z12zls) und eine technisch angestaubte Office-Lsung (DoBiS, unter anderem mit entwickelt durch den Autor (Buschfeld, Dilger & Lilienthal 2010; http://www.berufsbildung.nrw.de/cms/bildungsganguebergreifende-themen/didaktische-jahresplanung/dobis.html).

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    Was meint Didaktische Jahresplanung? Zwei Antworten und Hinweise auf vieles andere

    DJP sind schulinterne Curricula, lautet eine Antwort (Sloane 2003; Sloane, Dilger 2009, S. 58ff.;

    Wilbers 2012, S. 289). DJP sind Gelegenheiten zu quatschen, lautet die andere. Beide Antworten

    bedingen einander. Und beide Antworten prgen eine spezifisch berufliche Form die Idee des

    beruflichen Bildungsgangs als organisatorische Einheit (Buschfeld 2002a).

    Mit der Antwort schulinterne Curricula oder auch schulinterne Lehrplne sind vier Punkte

    adressiert.

    Es geht um Plne, Curricula oder Lehrplne mit Zielen fr Lehrende, die durch Ziele fr die Lernenden

    beschrieben werden. Es geht um intern erstellte Lehr-Lernziele2 und damit um eine begrndbare

    Abweichung (oder Nicht-Abweichungen) von den externen Plnen, also den Lehrplnen oder

    Curricula des Landes (die nun im Folgenden ohne jede dogmatische Absicht Richtlinien genannt

    werden). Abweichung ist dabei als ein Ausdeuten der Richtlinien zu verstehen, beispielsweise eine zu

    treffende Auswahl aus thematischen Mglichkeiten der Richtlinien. Auch ein Gewichten im Rahmen

    der Richtlinien ist denkbar, auch ein Ergnzen i.S. von ber-die-Richtlinien hinausgehend blich. Ein

    Weglassen ist etwas problematischer, aber auch nicht ausgeschlossen, wenn es dafr gute Grnde

    gibt. Ein dabei blicher Grund ist etwa, wegen fehlenden Personals nicht alles oder nicht alles

    vollstndig unterrichten zu knnen. Dieser Grund ist zwar eigentlich kein guter Grund, wird aber

    faktisch doch hufig akzeptiert werden mssen. DJP sind somit untrennbar Folge einer gewhrten

    Autonomie der Schule vor Ort, die in zwei Richtungen gedeutet werden kann: besonderen Chancen

    der Gestaltung vor Ort oder besonderer Erfindungsreichtum in der Not.

    Die gewhrte und gewollte Autonomie der Schule vor Ort verweist in einem zweiten Punkt auf eine

    Besonderheit beruflicher Schulen. Es geht in den beruflichen Schulen bei der DJP immer um mehrere

    Plne im Bildungsgang, nicht um einen Plan in einem Fach. DJP im hier adressierten Sinne ist eine

    Einheit (eine Planung) der Mehrzahl von Plnen (fr definierte Bereiche, unabhngig davon, wie sie

    betitelt sind). Man kann auch sagen, dass eine DJP wieder zusammen fhrt, was vorher aus welchen

    Grnden auch immer getrennt worden ist. Dies unterscheidet DJP in beruflichen Schulen von jenen

    didaktischen Jahresplanungen einzelner Fcher oder dem, was in Handreichungen zu schulinternen

    Curricula in allgemein bildenden Schulen hufig gemeint ist, fachbezogene Plne als Sequenz der

    Themen (z. B. in LI-Bremen 2009). Eine DJP besteht stets mindestens aus mehreren nebeneinander

    gelegten internen Plnen, die als eine Einheit oder als eine Gesamtheit gelesen und bewertet werden

    sollen.3 Damit ist sofern allein die Differenzierung von beruflichem und berufsbergreifendem

    Lernbereich als Regel greift die Komplexitt der Zusammenschau verschiedener Perspektiven

    zwingend (und ggf. lstig). Eine DJP begrndet eine Arbeitsteilung unter Kolleginnen und Kollegen

    (DJP dienen der Koordination) und sie fhrt die aufgeteilte Arbeit wieder in einen Zusammenhang,

    nmlich den, den die Schlerinnen und Schler als Teilnehmer des Bildungsgangs erfahren sollen. Sie

    sind Zielpunkt der Zusammenarbeit unter den Lehrenden (DJP dienen der Kooperation).

    2 Nicht entscheidend ist dabei, um welche Art von Lehr-Lernzielen es sich dabei handelt, aktuell in der Diktion

    von Kompetenzen oder Bildungszielen oder an den amerikanischen Vorbildern der Taxonomien von Verhaltensklassen orientiert. 3 Um an dieser Stelle nicht falsch verstanden werden zu knnen: Eine DJP muss sich nicht an Fchern

    orientieren, sie kann sich an Lernfeldern oder Lernbereichen, Modulen oder anderen curricularen Planungseinheiten orientieren. Falls sich eine DJP aber an Fchern orientiert, sind es mindestens mehrere Fcher, die als Gesamtheit einen didaktischen Sinn ergeben mssen. Siehe dazu auch den Exkurs 1 (Stoffverteilung und andere bergriffe).

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    Die DJP als ein Plan aller in der vorgesehenen Zeit eines Bildungsganges zu erreichenden Lehr-

    Lernziele lsst drittens erkennen, dass es sich um eine Zeit-Ziele Beschreibung handelt. In anderen

    Worten: Eine Beschreibung der Dienstleitung, die sich Schlerinnen und Schler einhandeln, wenn

    sie in den Bildungsgang (der Schule) ein- oder besser dem Bildungsgang (der Schule) beitreten. Die

    DJP beschreibt, was sie mit machen mssen (lernen) und was sie hoffen drfen, nachher zu knnen

    (kompetent sein) oder nachher zu bestehen (eine auf die Ziele passende Prfung bzw. einen

    Abschluss zu erhalten). In der Sprache der Organisationslehre: DJP sind Produktbeschreibungen des

    Bildungsganges (Ebner 2002, S. 79) und damit auch dessen Besonderheiten oder Extras im Sinne der

    Autonomie. Oder eine Antwort auf die Frage, warum dieser Bildungsgang an dieser Schule gewhlt

    werden soll und nicht ein anderer oder dieser an einer anderen Schule. Und weil Ehrlichkeit noch

    zhlt, sind DJP zugleich Bauplan fr die Lehr-Leistung verteilt auf die organisierte Bildungsgang-Zeit.4

    Viertens folgt aus drittens, dass DJP geduldig sind. Sie sind bedrucktes Papier, bunter Bildschirm. Sie

    stellen einen Plan dar, nicht Realitt. Und angesichts der Schnheit der Unbeherrschbarkeit des

    Lernens wird es wahrscheinlich, dass nicht immer alles bei allen so verluft wie geplant.

    Abweichungen wird es geben und sie sind kein Grund, den Bauplan in Frage zu stellen, so lange sie

    vertretbar sind. Weil der Plan eben auch ein Versprechen ist, kann er nicht tglich revidiert werden,

    sondern muss ein mittleres Ma an Verlsslichkeit ausstrahlen. Und Verlsslichkeit im m

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