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Handlungsempfehlungen für den Bodenseekreis zur Prävention des Diabetes mellitus Typ 2 Februar 2015 Gesundheitskonferenz

Author: vuongxuyen

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  • Handlungsempfehlungenfür den Bodenseekreiszur Prävention desDiabetes mellitus Typ 2

    Februar

    2015

    Gesundheitskonferenz

  • 2

    IMPRESSUM

    Herausgeber: Gesundheitskonferenz Bodenseekreis

    Unterarbeitsgruppe: Prävention von Diabetes mellitus Typ 2

    Redaktion: Angela Gotzmer-Groß, Gesundheitsamt Bodenseekreis

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    Inhaltsverzeichnis

    1. Einleitung ............................................................................................................................................. 5

    2. Allgemeine Datenlage in Deutschland ................................................................................................... 5

    3. Ausgangslage im Bodenseekreis ........................................................................................................... 6

    4. Indikatoren und Datenlage zur Diabetes mellitus Typ 2-Prävalenz im Bodenseekreis .............................. 7

    5. Bundesweite und landesweite Präventionsziele bezüglich der Diabetes mellitus Typ 2-Erkrankung ..... 11

    6. Handlungsempfehlungen für den Bodenseekreis ................................................................................ 12 • HandlungsempfehlungenfürKindertagesstättenundSchulen ...................................................... 14 • HandlungsempfehlungenfürBetriebeundBetriebsärzte .............................................................. 15 • HandlungsempfehlungenfürApotheken ..................................................................................... 16 • HandlungsempfehlungenfürÄrzte .............................................................................................. 17 • HandlungsempfehlungenfürKrankenkassen ............................................................................... 18

    7. Zusammenfassung der Handlungsempfehlungen ................................................................................ 20

    8. Literatur ............................................................................................................................................. 21

    Hinweis zum geschlechterbezogenen Sprachgebrauch:

    Im folgenden Text werden aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nicht durchgehend beide Geschlechtsfor-menverwendet(z.B.PatientinnenundPatienten,MitarbeiterinnenundMitarbeiter,SchülerinnenundSchü-ler). Bei Verwendung der männlichen Geschlechtsform ist selbstverständlich die weibliche Geschlechtsform mit gemeint.

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  • 5

    1. Einleitung

    DerDiabetesmellitusisteinederhäufigstenStoffwechselerkrankungenindenindustrialisiertenLändern.

    Die in diesem Bericht vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen sollen dazu dienen, im Bodenseekreis prä-ventiveMaßnahmen inunterschiedlichenLebensweltenaufzuzeigen,ummitvereintenKräftenderEntste-hung dieser Erkrankung entgegenzuwirken.

    Aufgrund der Unterschiede hinsichtlich der Pathophysiologie des Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 beschrän-ken sich die folgenden Empfehlungen ausschließlich auf den Diabetes mellitus Typ 2. Dieser ist neben gene-tischen Faktoren und der demographischen Entwicklung entscheidend durch Lebensbedingungen und den Lebensstilgeprägt.SogehenunterschiedlicheStudiendavonaus,dassdieRisikoreduktionfürdasAuftreteneiner Diabeteserkrankung durch Lebensstiländerung bei 46 % bis 58 % liegt.

    2. Allgemeine Datenlage in Deutschland

    Aufgrund der Zahlen des deutschen Gesundheitsberichts „Diabetes 2014“ liegt die Zahl der Menschen, bei denen ein Diabetes diagnostiziert wurde, bei etwa 6 Millionen. Hiervon sind etwa 95 % an einem Typ 2 Dia-beteserkrankt.LeideristdieDatenlageunzureichend,sodassdieseZahlenzumgroßenTeilaufSchätzungenberuhen.

    Durchunspezifischebzw.nochfehlendeSymptomebleibtderDiabetesmellitusTyp2 imAnfangsstadiummeist unerkannt; die Dunkelziffer wird auf 20 bis 50 % der Gesamtprävalenz geschätzt. „Das bedeutet, dass je nach Untersuchungsmethode (HbA1c, Nüchternglukose, oGTT) weitere 2 bis 5 Mio. Menschen in Deutsch-landanDiabetesmellitusTyp2erkranktsind,abernochkeineärztlicheDiagnoseerhaltenhaben“(sieheS.8,DeutscherGesundheitsberichtDiabetes 2014).Dies ist vonbesonderer Relevanz, da auchder unentdeck-teDiabetesbereitsmiteinererhöhtenSterblichkeitverbundenist.SoweisenzumZeitpunktderDiagnosestellungetwadieHälftederErkranktenbereitsschwereBegleitkomplikationenauf.NachSchätzungvonEx-pertenwirdeinDiabetesmellitusTyp2derzeitmiteinerZeitverzögerungvonimSchnitt10Jahrenerkannt (www.gesundheitsamtbw.de/oegd/Kompetenzzentren/AktivfuerGesundheitBW/AusgewaehlteGesundheitsthemen/Seiten/Diabetes.aspx).

    VergleichtmandieSchätzungenausderStudiezurGesundheitErwachsenerinDeutschland(DEGS1Studie)mitdemmethodengleichenBundesgesundheitssurveyvon1998desRKI,sozeigtsich,dassdieDiabetespräva-lenz innerhalb der letzten Dekade von 5,2 auf 7,2 % angestiegen ist. Auch die folgende Abbildung beschreibt den stetigen Anstieg der Diabetesprävalenz.

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    Jahr

    Behandlungsprävalenz Diabetes in Deutschland

    www.gesundheitsamtbw.de/oegd/Kompetenzzentren/AktivfuerGesundheitBW/AusgewaehlteGesundheitsthemen/Seiten/Diabetes.aspx

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    „DierelativeZunahmederDiabetesprävalenzfielbeidenMännernmit49%stärkerausalsbeidenFrauenmit30 %. Insgesamt sind etwa 14 % der relativen Zunahme auf die demographische Alterung der Bevölkerung zurückzuführen. Der größere Teil des relativen Anstiegs (24 %) ist über die demographische Alterung nicht zu erklärenundmussdahermitverändertenFaktorenderletztenJahreinVerbindungstehen:wieVeränderungendesLebensstils(Ernährung,körperlicheAktivität),desWohnundArbeitsumfelds(z.B.FreizeitundErholungsmöglichkeiten, Verfügbarkeit gesunder Lebensmittel, Arbeitslosigkeit) oder mit anderen Veränderungen derLebensbedingungen(z.B.Umweltschadstoffe).“(DeutscherGesundheitsberichtDiabetes2014,S.9).

    Abdem50.LebensjahrsteigtdieHäufigkeitsteilanundistoftmitÜbergewichtundmangelnderBewegungassoziiert.BesondersdieFolgeerkrankungenwieHerzinfarkt,Schlaganfall,NierenversagenoderAmputationsind schwerwiegend und können die Lebensqualität und Lebenszeit deutlich einschränken.

    „Nach aktuellen Prognoseberechnungen aus dem Deutschen Diabetes-Zentrum von 2012 ergibt sich für das Jahr 2030 inDeutschland allein in derAltersgruppe der 55 bis 74jährigen gegenüber heute einAnstiegum etwa 1,5 Millionen Personen mit Diabetes. Der deutlichste Zuwachs ist mit fast einer Million Personen (+ 79 %) bei Männern zu verzeichnen. Bei Frauen ergibt sich ein Anstieg um etwas mehr als 0,5 Millio-nen (+ 47 %) ... Von den für Deutschland prognostizierten Zuwächsen bis 2030 könnten 210.000 (21 %) Diabetesfälle bei Männern und 160.000 Fälle bei Frauen (31 %) durch Prävention vermieden werden.“(Diabetes Deutschland, www.diabetes-deutschland.de/aktuellesituation.html)

    Experten gehen davon aus, dass die zunehmende Zahl der an Diabetes Erkrankten darauf zurückzuführen ist, dasssiesichfalschernähren,übergewichtigsindundsichzuwenigbewegen.SogeltenspezielleineErhöhungder körperlichen Aktivität, eine gesunde Ernährung und eine Gewichtsreduktion als aussichtsreiche Ziele einer Primärprävention.

    3. Ausgangslage im Bodenseekreis

    AufgrunddesBeschlussesimAusschussfürSozialesundGesundheitvom06.07.2011tagteinmaljährlichdiekommunale Gesundheitskonferenz im Bodenseekreis, die auf Basis der Empfehlungen aus der Gesundheits-strategieBadenWürttembergeingerichtetwurde.

    Ziel ist es, auf regionaler Ebene in allen Lebensphasen und Lebenswelten und unter Beteiligung aller für die Vernetzung in Betracht kommenden Akteure, eine gesundheitsfördernde kommunale Gesamtpolitik zu etab-lieren. Neben Fragen der Gesundheitsförderung/Prävention werden ebenso auch Fragen der gesundheitlichen bzw. medizinischen Versorgung berücksichtigt.

    In Anlehnung an die Gesundheitsziele BadenWürttembergs wurde auf der konstituierenden Sitzung am24. Oktober 2011 beschlossen, das Gesundheitsziel

    Diabetes mellitus Typ 2:Risiko senken und Folgen reduzieren

    im Bodenseekreis zu verfolgen.

    Gründe für den Beschluss waren:1. Es bestehen bereits Präventionsstrategien

    2. LautWHOSchätzungsindrunddieHälfteallerDiabetesfälledurchPräventionundGesundheitsförderung vermeidbar.

    3. DievolkswirtschaftlicheBedeutungderBehandlungsundFolgekosten(jährlich):• 6,34Mrd.EuroBehandlungDiabetes• ca.20Mrd.EuroBehandlunginkl.Folgekrankheiten• ca.60Mrd.EuroBehandlunginkl.allerFolgekosten(AU,Frühberentung)

  • 7

    Es wurde beschlossen, einen Arbeitskreis unter der Moderation des Gesundheitsamtes einzurichten. Diese Arbeitsgruppe tagt seit dem 26.03.2012 in regelmäßigen Abständen und besteht aus Vertretern der stati-onärenundambulantengesundheitlichenVersorgung,derSelbsthilfe,dergesetzlichenKrankenkassen,derArbeitsmedizin und der Politik. Aufgrund der ernüchternden Erfahrungen bezüglich erfolgreicher gesunder Lebensstiländerungen bei Erwach-senenwurdebeschlossen,zunächstprimärpräventiveProjekte,vorrangigimfrühenKindesalter,umzusetzen.SowurdedasProjekt„Sei clever - TrinkWasser - schulfrei für zuckerhaltige Getränke“ entwickelt und an vielenSchulenimBodenseekreisetabliert.

    UmweitereAkteurefürdasGesundheitsziel„DiabetesmellitusTyp2RisikosenkenundFolgenreduzieren“ zu gewinnen, wurde im Frühjahr 2014 beschlossen, Handlungsempfehlungen für den Bodenseekreis zu entwickeln, um diese auf der Gesundheitskonferenz im November 2014 vorzutragen. Dieser Bericht ist das Ergebnis der Beratungen der Gesundheitskonferenz.

    4. Indikatoren und Datenlage zur Diabetes mellitus Typ 2-Prävalenzim Bodenseekreis

    Indikatoren dienen dazu, den Ist-Zustand der gesundheitlichen Bedeutung einer Erkrankung zu beschreiben und Veränderungen sowie Trends aufzuzeigen. Leider existiert bezüglich des Diabetes mellitus Typ 2 nur eine sehrbegrenzteZahlvonIndikatorenmitsehreingeschränkterAussagekraft.EinnochgrößeresDefizitbestehtan regionalen Daten.

    Diabetes mellitus Typ 2-Prävalenz im BodenseekreisBislang ist es nicht möglich, präzise Aussagen über die regionale Prävalenz von Erkrankungen zu machen, um siemitüberregionalenZahlenzuvergleichen.AufgrundderVorarbeitenimLandkreisReutlingenistesgelungen,regionaleDatenvonderAOKBodenseeOberschwabenzuerhalten.

    DafürgebührtderAOKBodenseeOberschwabenherzlichenDank.

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    AOK Bodensee-Oberschwaben

    Prävalenz der Diabeteserkrankungim Landkreis Bodenseekreis bezogen auf AOK-Versicherte:

    Anzahl derVersicherten

    Diabetes Typ I Diabetes Typ II Verhältnis

    49.068 102 3.248 6,83%(0,21 %) (6,62 %)

    PrävalenzderDiabeteserkrankungimLandkreisBodenseekreisbezogenaufAOKVersicherte,Datenbasisjahr2011

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    Anzahl derBevölkerung

    Diabetes Typ I Diabetes Typ II Verhältnis

    204.483 ca. 429 ca. 13.537 ca. 6,83 %(Bevölkerungsanteil:

    0,21 %)(Bevölkerungsanteil:

    6,62 %)

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    AOK Bodensee-Oberschwaben

    Prävalenz der Diabeteserkrankungim Landkreis Bodenseekreis:

    Anzahl derBevölkerung

    Diabetes Typ I Diabetes Typ II Verhältnis

    204.483 ca. 429 ca. 13.537 ca. 6,83 %(Bevölkerungsanteil:

    0,21 %)(Bevölkerungsanteil:

    6,62 %)

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    AOK Bodensee-Oberschwaben

    Prävalenz der Diabeteserkrankungim Landkreis Bodenseekreis:

    Hochrechnung der Prävalenz der Diabeteserkrankung im Landkreis Bodenseekreis, Datenbasisjahr 2011

    VersorgungslageDieHäufigkeitstationärerBehandlungenwegenDiabetesgiltalseinIndikatorfürdieInanspruchnahmeundQualität der ambulanten Versorgungsstrukturen. Die Disease-Management-Programme für die Diabetes mel-litusTyp2Erkrankungsehenvor,dassdiePatienteninersterLinievonihremHausarzt,beiKomplikationenoderBegleiterkrankungenvonniedergelassenenFachärztenundnur imNotfall imKrankenhausbehandeltwerden.SokanneinehöhereInanspruchnahmevonstationärenBehandlungenineinerRegionalsAusdruckvon InsuffizienzenaufderambulantenVersorgungsebenegesehenwerden (aus: FaktencheckGesundheit,Bertelsmann 2012).

    KrankenhausfällewegenDiabetesmellitusVergleichderFallzahlIndicesimBodenseekreismitdemBundesdurchschnitt.EinFallzahlIndexwertkleinereinsbedeutet,dassKrankenhausfällewegenDiabetesindiesemLandkreisseltenersindalsimBundesdurchschnitt(0,5=halbsooft).EinFallzahlIndexwertgrößereinsbedeutet,dassKrankenhausfällewegenDiabetesindiesemLandkreishäufigersind als im Bundesdurchschnitt (2 = doppelt so oft).Quelle:FaktencheckGesundheit,Bertelsmann2012

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    DierelativgeringenRatenfürKrankenhausbehandlungenimBodenseekreislassenvermuten,dassdiemedizinischeVersorgungderErkrankungDiabetesmellitusTyp2überwiegendambulantstattfindetundstationäreBehandlungeneherseltennotwendigsind(GesundheitimBodenseekreis,September2013).

    Disease-Management-Programm DMP DerAnteilderimJahr2011amDMPteilnehmendenAOKVersichertenmitderErkrankungDiabetesmellitusTyp 2 betrug 89,66 %.

    Anzahl derVersicherten

    Teilnehmende Versicherte

    Diabetes Typ I

    Teilnehmende Versicherte

    Diabetes Typ II

    Verhältnis

    49.068 76 2.912 6,09%(74,51 %) (89,66 %)

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    AOK Bodensee-Oberschwaben

    Teilnehmende Versicherte an den DMP-Programmender AOK Baden-Württemberg im Landkreis Bodenseekreis:

    TeilnehmendeVersicherteandenDMPProgrammenderAOKBadenWürttembergimLandkreisBodenseekreis,Datenbasisjahr2011

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    AOK Bodensee-Oberschwaben

    Teilnehmende Versicherte an den DMP-Programmenim Landkreis Bodenseekreis (nach Altersstufen):

    Altersgruppe Anzahl Versicherte Altersgruppe Anzahl Versicherteunter 20 15 unter 20 0

    20-24 7 20-24 125-29 6 25-29 430-34 7 30-34 1035-39 5 35-39 1840-44 5 40-44 4045-49 8 45-49 9050-54 6 50-54 17755-59 6 55-59 23860-64 4 60-64 31965-69 3 65-69 36670-74 2 70-74 45875-79 1 75-79 56180-84 1 80-84 36685-89 0 85-89 19390-94 0 90-94 6195-99 0 95-99 10

    100-104 0 100-104 0Gesamt 76 Gesamt 2.912

    Diabetes Typ I Diabetes Typ II

    Teilnehmende Versicherte an den DMP-Programmen im Landkreis Bodenseekreis (nach Altersstufen), Datenbasisjahr 2011

    Diesbedeutet,dassvondenPatienten,diebeiderAOKBodenseeOberschwabenversichertsind,immerhin74,51%derMenschenmitTyp1Diabetesund89%mitDiabetesmellitusTyp2imRahmendesDiseaseManagementProgrammsderKrankenkassenstrukturiert4ximJahrentwederhausärztlichoderfachärztlichuntersuchtundberatenwerden.DieswirdlangfristigdenKrankheitsverlaufbeidenErkranktenpositivbeeinflussen.

    TodesursachenstatistikDerDiabetesstehtinengemZusammenhangmitHerzKreislaufErkrankungenoderanderenFolgeerkrankungen,welchealsTodesursachedokumentiertwerdenundnurdiesedannindieStatistikeinfließen.HierdurcherscheinendieSterberatenanDiabetesrelativgeringbzw.gebennureinunvollständigesBildüberdietatsächlicheSterblichkeitanDiabetesalsGrunderkrankungwieder.AusdiesemGrundwirddieTodesursachenstatistik für diese Handlungsempfehlungen nicht herangezogen.

    ZusammenfassungTrotz unzureichender Zahlen ist davon auszugehen, dass im Bodenseekreis ein Großteil der an einem Diabetes mellitusTyp2erkranktenPersonenimambulantenSektorversorgtwird.DarüberhinausistdieTeilnahmeanDisease-Management-Programmen erfreulich hoch.

  • 11

    5. Bundesweite und landesweite Präventionsziele bezüglich derDiabetes mellitus Typ 2-Erkrankung

    Gesundheitsziele stellen eine Empfehlung für alle im Bereich Gesundheit aktiven und verantwortlichen Ak-teure dar und sollen eine abgestimmte Vorgehensweise bei der konkreten weiteren Umsetzung unterstützen.

    Bundesweites Präventionsziel zum Diabetes mellitus Typ 2UnterBeteiligungvonBund,LändernundAkteuren(derSelbstverwaltung)desGesundheitswesenswurdeninsgesamt sieben nationale Gesundheitsziele entwickelt, sie sind veröffentlicht unter gesundheitsziele.de. Ei-nes dieser Ziele befasst sich mit dem Thema Diabetes mellitus Typ 2 und wurde 2003 verabschiedet. Es lautet wiefolgt:

    Diabetes mellitus Typ 2:Erkrankungsrisiko senken, Erkrankte früh erkennen und behandeln

    Folgende Ziele sollen verfolgt werden:

    • AuftretendesmetabolischenSyndromsunddieInzidenzdesDiabetesmellitusTyp2sindreduziert(Aktionsfeld Primärprävention)

    • FrüheDiagnosedesDiabetesmellitusTyp2ineinemKrankheitsstadium,indemnochkeineFolgeschädenaufgetretensind(AktionsfeldSekundärpräventionundForschung)

    • LebensqualitätvonTyp2Diabetikernisterhöht;FolgeproblemeundKomplikationensindnachweislichverringert(AktionsfeldKrankenbehandlungundRehabilitation)

    Zur Erreichung dieser Ziele werden folgende Startermaßnahmen empfohlen:

    • Bevölkerungsweite,lebensstilorientiertePräventionskampagnefüreinegesundeLebensweise

    • ProgrammzurRisikofrüherkennungundInterventionbeigesundenRisikoträgernzurPräventionvonDiabetes:ImplementationinModellregionen

    • EinsatzeinesDiabetesMobilszurFrühdiagnostik

    • UntersuchungvonPatientenmitdefiniertenRisikokonstellationenaufDiabetesanlässlichanderweitigveranlasster ambulanter Arztkontakte

    (zitiert nach gesundheitsziele.de)

    Landesweites Präventionsziel zum Diabetes mellitus Typ 2: DasentsprechendfürBadenWürttembergbeschlosseneGesundheitsziellautetganzähnlich:

    Diabetes mellitus Typ 2:Risiko senken und Folgen reduzieren

    DiesesZielwurdemitOberundTeilzielenspezifiziert:

    Folgende Oberziele werden vorgeschlagen:

    1. Erkrankungsrisiko senken.

    2. Risikogruppenidentifizierenunderreichen.

    3. Menschen mit Zuckerkrankheit früh erkennen und behandeln.

  • 12

    Folgende Teilziele werden vorgeschlagen:

    1. Krankheitfrüherkennen,InanspruchnahmeundQualitätssicherungvonFrüherkennungfördern,dieDunkelziffer reduzieren.

    2. SelbstmanagementvonErkranktenverbessern,angemesseneVersorgungausbauenundgewährleistensowie psychosoziale Aspekte einbeziehen.

    3. Bewusstsein,MotivationundVerhaltenverbessernsowiegesundheitsförderndeStrukturenverbessern.

    (zitiertnachGesundheitsforumBadenWürttemberg,BerichtProjektgruppeGesundheitsziele,Stand2011,S.13)

    Präventionsziel zum Diabetes mellitus Typ 2 im Bodenseekreis:InAnlehnungandieGesundheitszieleBadenWürttembergswurdeaufderkonstituierendenSitzungderkommunalen Gesundheitskonferenz am 24. Oktober 2011 beschlossen, das Gesundheitsziel

    Diabetes mellitus Typ 2:Risiko senken und Folgen reduzieren

    im Bodenseekreis zu verfolgen. Entscheidend für die Empfehlung dieses Gesundheitszieles und dessen wei-tererUmsetzungwarvorrangigdieTatsache,dasssicheinDiabetesmellitusTyp2inderRegeldurcheinengeeignetenLebensstilpositivbeeinflussenlässt,wennPräventionsangebotefrühzeitigbeginnenundnachhaltig wahrgenommen werden. Bei der zukünftigen Umsetzung des Zieles steht insbesondere die Prävention im Vordergrund.

    6. Handlungsempfehlungen für den Bodenseekreis

    Aufgrund der Zunahme der Prävalenz des diagnostizierten Diabetes mellitus Typ 2 und aufgrund der Einschät-zungen zur Prävalenz des unerkannten Diabetes mellitus Typ 2 und des Prädiabetes kann ein Handlungsbedarf aufunterschiedlichenEbenengesehenwerden.Soistessinnvoll,MaßnahmenzurFrüherkennungzufördernwie auch primärpräventive Elemente auszubauen, die vorrangig die Förderung eines gesunden Lebensstils imBlickhaben.HierbeigiltesinsbesonderedenRisikofaktorÜbergewichtzureduzieren.Esistzielführend,konkreteHandlungsempfehlungenzuentwickeln,diesowohlKinderundJugendlichealsauchErwachseneinihrenunterschiedlichenSettings(Lebenswelten)erreichen.AlldieseMaßnahmenrichtensichsowohlaufdasVerhalten der Menschen (Verhältnisprävention) als auch auf die Verhältnisse, welche Menschen gesundheits-relevante Entscheidungen ermöglichen (Verhältnisprävention).

    Die folgenden Handlungsempfehlungen richten sich an Akteure, die im primär-, sekundär- und ter-tiärpräventiven Bereich tätig sind. Es ist vorgesehen, sie im Laufe der kommenden Jahre fortzu-schreiben bzw. mit weiteren Settings zu ergänzen.

    Ziele zum Aktionsfeld PrimärpräventionBei der Primärprävention wird das Ziel verfolgt, bei dem nicht betroffenen Teil der Bevölkerung die Gesund-heitsrisiken zu vermeiden, die die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2 begünstigen. Hierzu zählen insbe-sondereeineungesundeErnährungsweise,BewegungsmangelundÜbergewicht.

    Gesundheitsziele.de formuliert hierzu das Oberziel, dass das Bewusstsein in der gesamten Bevölkerung über ernährungs- und verhaltensbedingte Gesundheitsrisiken zu schärfen ist und Lebensbedingungen geschaffen werdensollten,dieeingesundheitsförderndesVerhaltenerleichtern(z.B.verbesserteSportundEssensangeboteinGemeinden,Kindergärten,Schulen,BetriebenundVereinen).

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    Ziele zum Aktionsfeld Sekundärprävention: ZielderSekundärprävention istes,dieanDiabetesmellitusTyp2erkranktenPersonenineinemmöglichstfrühenStadiumderErkrankungzuidentifizierenundsiesofrühzeitigwiemöglicheineroptimalenTherapiezuzuführen,umKomplikationenundSpätschädenzuverhindern.Wiebereits eingangserwähnt, liegenzwischenErkrankungsbeginnundDiagnosestellungbis zu10 Jahre.DarüberhinausexistierenRisikofaktoren,diebereitsvorErkrankungsbeginnbestehen.DieseRisikofaktorenfrühzeitigzuidentifizierenundzubehandelnkanneineDiabetesmellitusTyp2Erkrankungverhindernbzw.hinauszögern.

    ZurIdentifikationvonRisikopersonenundPatientenimFrühstadiumeinerDiabetesmellitusTyp2ErkrankungstelltderGesundheitsCheckDIABETESFINDRISKeineguteMöglichkeitderFrüherkennungdar.MithilfedesFragebogens,derinverschiedenenSprachenzurVerfügungsteht,kanndaspersönlicheRisikoanhandeinessogenannten„RisikoScores“,quantifiziertundbewertetwerden.DieserScoreerlaubteineVoraussagebe-züglich der Erkrankungswahrscheinlichkeit. DarüberhinausseiauchaufdeninderGKVVerordnungin§23SGBVstehendenVorsorgecheckabdem35.Lebensjahr hingewiesen.ZurFrüherkennungundIdentifizierungvonRisikopersonenbietensichprimärEinrichtungendesGesundheits-wesens(niedergelasseneÄrzte,ApothekenundKrankenkassen)an.Darüber hinaus besteht auch am Arbeitsplatz über die betriebsärztliche Begleitung von Arbeitnehmern die Möglichkeit,PersonenfrühzeitigbezüglicheinesRisikoszuerkennen.Um diese Früherkennungsmaßnahmen nutzen zu können, ist es wichtig, dass das Bewusstsein der Bevöl-kerung zur Inanspruchnahme vorhandener Screeningmöglichkeiten vorhanden ist.Nebender allgemeinenBevölkerungisthierzuderFokusinsbesondereaufPersonenüber45Jahrezusetzen.

    Ziele zum Aktionsfeld Krankenbehandlung/Rehabilitation: Flächendeckend sollen die an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankten Personen und diagnostizierten Menschen regelmäßig in einem koordinierten und optimierten Behandlungsprozess betreut werden.AufgrundderzuvorerwähntenRisikoundbeeinflussbarenLebensstilfaktorenistfüreineumfassendeVersor-gunganDiabeteserkrankterMenschendieEigenverantwortlichkeitunddieSelbstbeobachtungderPatientenzustärkenunddiesemitgeeignetenMaßnahmenzu„ExpertenihrereigenenKrankheit“zuschulen.Dazuistes vorteilhaft Patienten zu einer gesunden Lebensführung zu motivieren, nicht selten ist eine Gewichtsredu-zierung notwendig. Aus diesem Grund sollten sich Maßnahmen zur Diabetesbehandlung nicht nur im engeren SinneaufdenDiabetesmellituskonzentrieren,sondernaufMaßnahmen,wiedieMotivationzuLebensstiländerungen, wie Ernährungsumstellung und gesteigerte körperliche Aktivität. Dies gilt auch schon für die Vorstadien einer Diabetes-Erkrankung.BeieinemanDiabetesmellitusTyp2erkranktenPatientenfindetdiemedizinischeVersorgungüberwiegendambulantstatt.Stoffwechselentgleisungen,beideneneinestationäreBehandlungnotwendigwird,sindeherselten. Aus diesem Grund ist die ambulante Versorgung bezüglich einer umfassenden Begleitung der an DiabetesmellitusErkranktenzustärken.Da insbesonderedasÜbergewicht infolgefalscherErnährungundBewegungsmangelalseingravierenderRisikofaktorzuwertenist,solltengemäßderInterdisziplinärenLeitliniederQualitätS3„PräventionundTherapiederAdipositas“Version2.0(April2014)Gewichtsreduktionspro-gramme zurVerfügung stehen, „die dieKomponenten Ernährungs, Bewegungs undVerhaltenstherapieumfassen“(sieheS.43,LeitlinienAdipositas).SoistnebendenniedergelassenenbehandelndenÄrzteneinNetzwerk aus Ernährungsfachkräften, Psychotherapeuten und Berufsgruppen mit einer sportmedizinischen Qualifikationnotwendig. Darüber hinaus kommt neben dieser Versorgung der Selbsthilfe als eine komplementäre Ergänzung einebesondereBedeutungzu.InDeutschlandsindca.0,6%allerDiabetikerinderSelbsthilfeorganisiert.Selbst-hilfegruppenunterstützenPatienteninihremSelbstmanagementverhaltenaberauchganzentscheidendbeiderKrankheitsbewältigung.

    DieÜbergängezwischenPrimär,SekundärundTertiärpräventiongestaltensichfließend.„IdealerweisesinddieverschiedenenEbenenderPräventionaufeinanderabgestimmtundergänzeneinander,dieRedundanzsoll zum Erfolg beitragen“ (Kompetenznetz Adipositas, Positionspapier, S. 2). Die folgendenHandlungsempfehlungen richten sich an verschiedene Adressaten mit jeweils unterschiedlichen Akzentuierungen der Präven tionsbereiche.

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    Handlungsempfehlungen für Kindertagesstätten und Schulen:

    Präventionsprogramme, die gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung als Erziehungs-und Gesundheitsförderkonzept in den Alltag von Kindertagesstätten, Kindergärten undSchulen integrieren, werden in möglichst vielen Einrichtungen im Bodenseekreis umgesetzt. Desweiteren soll sich die Kita und Schulverpflegung an den DGEQualitätsstandardsorientieren und als Element von Ernährungs- und Verbraucherbildung gesehen werden.

    Ausgangslage und BedarfFalscheErnährung,fehlendeBewegungundÜbergewichtzählenzudenHauptrisikofaktorenbeiderEntstehung eines Diabetes mellitus Typ 2. Aufgrund der Tatsache, dass Lebens- und Verhaltensgewohnheiten bereits imKindesaltergeprägtundhäufigimVerlaufedesLebensnichtmehrentscheidendverändertwerden,sollteder Fokus auf der Entwicklung gesunder Verhaltensweisen (insbesondere das Bewegungs- und Ernährungs-verhalten),vorrangigimKindesalter,gelegtwerden.DieDatenausdembundesweitenKinderundJugendsurvey(KiGGS)zeigen,dassesbeiden7bis10jährigenKindernimVergleichzudenVorschulkindernzueinembesondersstarkenAnstiegdesÜbergewichteskommt.Diesbelegenauch2014veröffentlichteZahlendesKinderturnTestesallerFriedrichshafenerGrundschulkinder. Aufgrund der Berechnungen des „Body-Mass-Index“ (BMI) leiden 26 % aller Friedrichshafener GrundschüleranÜbergewicht.VergleichtmandieseZahlenmitDaten,dieausderVorschuluntersuchungimBodenseekreisgewonnenwerden,sozeigtsicheinAnstiegdesÜbergewichtesvon6bis7%imAltervonca.5Jahrenauf26%inderGrundschulzeit.Diesverdeutlicht,dassPräventionsstrategienvorallembereitsimfrühenKindesalter,vorrangigimVorschulalter,und/oderindenerstenSchuljahrenansetzensollten.IndenobengenanntenUntersuchungenwirddeutlich,dasseinebesondereBetroffenheitbeiKindernmitMigrationshintergrund,ganzbesondersbeiKindernmittürkischenWurzeln,besteht.DaKinderundJugendlicheimmermehrZeitinKindergartenundSchuleverbringen,istdieQualitätderVerpflegunginkl.derangebotenenGetränkeundderenAkzeptanzzunehmendwichtig.Der„DGEQualitätsstandardfürdieSchulverpflegung“undder„DGEQualitätsstandardfürdieVerpflegunginTageseinrichtungenfürKinder“bieteneineguteGrundlageeinergesundenVerpflegungvonKindernundJugendlichen.HierzuzähltinsbesonderedenKonsumvonzuckerhaltigenGetränkenzureduzierenbzw.zuvermeiden,dadieserinFachkreisenalsRisikofaktorbeiderEntstehungvonÜbergewichtgewertetwird. BewegunghatsowohlinSchulenwieauchinKindergärtenmeisteinenhohenStellenwert(vgl.ErgebnissederKindergartenbefragungFriedrichshafen,Februar2013durchTamaraGaschler,S.44,undvgl.Schulleiterbefragung 2009/2010 durch Christine Topcu), in einzelnen Einrichtungen könnte die Bewegungsförderung jedoch noch intensiviert werden.

    UmsetzungsempfehlungenDamitSchulenüberMöglichkeitenderImplementierungvonPräventionsprogrammeninformiertsind,arbeitenverschiedeneInstitutionenzusammen.HierzuzählendasLandwirtschaftsamt(LandesinitiativenBeKiundBlickpunktErnährung),dasGesundheitsamt,dasStaatlicheSchulamtMarkdorf,diePräventionsbeauftragtendesSchulamtes(stark.stärker.WIR),dieKrankenkassen,SportvereineundweitereProgrammträger(z.B.dieBadenWürttembergStiftung).SieberatenundunterstützenSchulen,qualitätsgeprüfteAngeboteumzusetzen.Die bestehende Arbeitsgruppe „Bildung & Gesundheit“ (seit 2008), mit den Untergruppen Ernährung und Bewegung, arbeitet zu diesen Themenfeldern weiter zusammen. Die Zusammenarbeit erstreckt sich neben derBeratungderSchulenauchaufdieAuszeichnungderSchulenmitdemSiegel„GesundeSchule“fürErnährung und Bewegung.

    DesWeiterenorientierensichdieTrägerderSchulenundKindertagesstättenandem„DGEQualitätsstandardfürdieSchulverpflegung“unddem„DGEQualitätsstandardfürdieVerpflegunginTageseinrichtungenfürKinder“.DiesschließteineFörderungderkostenfreienAbgabevonTrinkwasseranKinderundJugendlicheein,zumBeispielüberdieInstallationvonTrinkbrunnen.DieAuszeichnungvonKindertagesstättenmitdem

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    BeKiZertifikatbieteteineguteMöglichkeit,ausgewogeneErnährungundErnährungsbildungimAlltagderEinrichtungensowieindenpädagogischenProfilenzuetablieren.EinBestandteildesBeKiZertifikatsistauchdieGewinnungvonKooperationspartnern,u.a.vonSportvereinen.FüralleFragenrundumEssenundTrinkenindenKindertageseinrichtungenstehtdieVernetzungsstelleKitaundSchulverpflegungmitihrenverschiedenen Beratungsleistungen zur Verfügung (www.dge-bw.de).

    DarüberhinauswerdenSchulenmotiviert,BewegungalsTeildesSchulprogrammsdurchdieAusgestaltungentsprechenderSchulprofilezufördern.Soisteswünschenswert,dassvieleSchulenimBodenseekreisnachdemVorbildder„GrundschulenmitsportundbewegungserzieherischemSchwerpunkt“ihreBewegungszeitenausweiten.Hierzubietetessichan,auchdieKooperationderSportvereinemitSchulenundKindertagesstättenauszubauen.BewegungsförderungindenKindertagesstättenkannüberFortbildungenderMitarbeiterinnen und ebenso über die konzeptionelle Verankerung von Bewegungsförderung verstärkt umgesetzt werden.

    Handlungsempfehlungen für Betriebe und Betriebsärzte:

    ArbeitgeberimBodenseekreisunterstützenRahmenbedingungen,dieeinengesundheitsförderlichenLebensstil in der gesamten Belegschaft schaffen und insbesondere Risikopersonen sensibilisieren.Dies schließt die betriebsärztliche Beratungskompetenz zur Bewertung und Umsetzung gesundheits-förderlicher Angebote und Früherkennungsmaßnahmen mit ein.ZurIdentifikationvonRisikopersonenundPatientenimFrühstadiumeinerDiabetesmellitusTyp2Erkrankungwirdempfohlen,denGesundheitsCheckDIABETESFINDRISKanzuwenden.Darüber hinaus bieten Betriebe im Bodenseekreis ein Essensangebot nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. in den Betriebskantinen an.

    Ausgangslage und BedarfDurchArbeitsunfähigkeit und Frühberentung entstehenArbeitgebern laut KoDiMStudie (Kosten desDiabetesmellitus)erheblicheKosten. InsbesondereunterdemAspekt,dasseinDiabetesmellitusTyp2durchPräventionsmaßnahmen vermieden werden kann bzw. dass durch eine frühzeitige Diagnostik die Folgen der Erkrankungdeutlichreduziertwerdenkönnen,kommtdemBetriebalsStätte,indenenArbeitnehmerindenmeisten Fällen regelmäßig anzutreffen sind, eine besondere Bedeutung zu. Hier bieten sich u. a. Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) an. Laut Angaben des Instituts für Betriebliche Gesund-heitsförderung setzen bisher nur 20 % aller Betriebe Maßnahmen zur Gesundheitsförderung um.(www.bgf-institut.de/startseite.98.html)

    Neben diesen Maßnahmen nehmen Betriebsärzte bei der frühzeitigen Erkennung chronischer Erkrankungen eineSchlüsselpositionein,dasienichtnurfürPatienten,sondernüberwiegendfürGesundetätigsind,dieansonsten nicht zum Arzt gehen würden. Die gegenwärtige arbeitsmedizinische Vorsorge ist jedoch noch stark auf die Verhütung arbeitsbedingter Erkrankungen und Berufskrankheiten ausgerichtet. Zunehmend entwickeltsicheinKonsens,diearbeitsmedizinischePräventionundGesundheitsförderungalswichtigebetriebsärztliche Aufgabenstellungen zu sehen, die u. a. auch die Früherkennung und Prävention chronischer ErkrankungenzumwesentlichenInhalthat.ÜberdieImplementierungvonFragebögenwiedemFINDRISKimbetrieblichenSettingkönntebeieinemerhöhtenScoreaufdieweitereDiagnostikbeimHausarztverwiesenwerden.DarüberhinauskannfürdenGesundheitsCheckup35imRahmenderbetriebsmedizinischenBetreuung geworben werden. Des weiteren können Betriebsärzte - im Umfang angepasst an die Möglichkeiten in den von ihnen betreuten Betrieben - selbst eine Basisdiagnostik (z. B. Bestimmung des Blutzuckers) und eine entsprechende Beratung für Mitarbeiter anbieten.

    DamitbietetdasbetrieblicheSettingnahezuidealeBedingungen,umRisikopersonenimAltervon35bis55Jahrenzuerreichen,dieansonstennichtzumArztgehenwürden,sowohlfüreinRisikoScreeningalsauchfürdie Durchführung von Interventionen.

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    BezüglichderKantinenverpflegungbestehenmittlerweileanerkannteundwissenschaftlichfundierteQualitätsstandards,diedieDeutscheGesellschaftfürErnährunge.V.imRahmenvonINFORMerarbeitethat.DieseEmpfehlungen werden noch nicht in allen Betrieben umgesetzt.

    Besteht ein Lebensraum, der sowohl eine gesunde Ernährung im Blick hat, als auch für eine ausreichende Bewegung wirbt und diese unterstützt, kann sich ein gesunder Lebensstil festigen.

    UmsetzungÜber Informationsmaterialien werden Betriebe sowohl auf die landesweite Aktion „Xund in BaWü“(www.xundinbawue.de)wieauchaufdieneueInternetplattform„INFORMimJob“(www.inform.de/job)und„JOB&FIT“(www.jobundfit.de)hingewiesen.ÜberdieseInternetadressenkönnenBetriebeAnregungenundInformationzufolgendenThemenerhalten:ErnährungundBewegungimBetrieb,ausgezeichnetePraxisbeispiele des betrieblichen Gesundheitsmanagements und Möglichkeiten der Umsetzung einer Betriebsver-pflegungnachdenQualitätsstandardsderDeutschenGesellschaftfürErnährung.ÜberdieBroschüre„DGEQualitätsstandardfürdieBetriebsverpflegung“könnenBetriebeübereinegesundeVerpflegung informiertwerden.DesWeiterenwird bei Betrieben und Betriebsärzten im Bodenseekreis dafür geworben, den FragebogenFINDRISKeinzusetzen.KrankenkassenberatenundunterstützenBetriebebeiderUmsetzungdesbetrieblichenGesundheitsmanagements.

    Handlungsempfehlungen für Apotheken:

    ApothekenimBodenseekreiskennendenFragebogenDIABETESFINDRISKundmotivierenihreKunden,diesenFragebogenauszufüllen.Sieempfehlen,beieinemerhöhtenScoredenHausarztaufzusuchen.DarüberhinausberatenSieüberSymptome,dieaufeinenDiabetesmellitushinweisenkönnen.

    Ausgangslage und BedarfApotheker sind die Leistungserbringer im Gesundheitswesen, die am schnellsten und unmittelbar erreich-barsind,undKundenniederschwelligansprechenkönnen.DarüberhinaushabenApothekeneineflächendeckend hohe Präsenz. WesentlicheBausteinederDiabetespräventionsinddieAufklärung,dieFrüherkennungdurchScreeningsowiedie langfristigeUnterstützunggefährdeter Personen. So kanneine frühzeitige Identifikation von PersonenimprädiabetischenStadiumoderbereitsbeimanifestErkranktendenweiterenKrankheitsverlaufnachweislichbeeinflussenundsomitFolgekostenenormreduzieren.DerFragebogenFINDRISKbieteteineguteMöglichkeit,diesePersonenzuerkennen.Apothekensindidealgeeignet,RisikopersonenanzusprechenundaufdenFINDRISKaufmerksamzumachen,zuberatensowiefürdenGesundheitsCheckup35zuwerbenundgegebenenfalls an den Arzt zu verweisen. Darüber hinaus bieten Apotheken auch die Bestimmung des Blut-glukosewertes an. Dies stellt ein sehr „niederschwelliges“ und auch zeitlich kurzes Angebot dar. Bei auffälli-genWertenwirdselbstverständlichdaraufverwiesen,denArztaufzusuchen.

    UmsetzungApotheken im Bodenseekreis werden über den Fragebogen FINDRISK informiert undmotiviert, ihn ihrenKunden auszuhändigen und Patienten dahingehend zu beraten, bei einem erhöhten Score den Hausarztaufzusuchen. Darüber hinaus erhalten Apotheken Informationsmaterialien, die Patienten sensibilisieren, auf Körpersignalezuachten,dieHinweiseaufeinenDiabetesgebenkönnen.Die InformationsweitergabeundMotivation erfolgt über den Arbeitskreis zur Prävention von Diabetes Typ 2 im Bodenseekreis unter der Mit-hilfe des Gesundheitsamtes.

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    Handlungsempfehlungen für Ärzte:

    In der ambulanten Versorgung wird während eines beliebigen Arztbesuches auf das Thema Diabe-tesaufmerksamgemachtundfürdenGesundheitsCheckup35geworben.AlsweiteresScreeningInstrumentwirdderFINDRISKFragebogeneingesetzt.Darüber hinaus wird möglichst der Gesundheits-Pass Diabetes als Instrument zur besseren medi-zinischenVersorgungundKommunikationgenutzt.PatientenmiteinemdiagnostiziertenDiabetesmellitusTyp2werdensowohlüberPatientenschulungenalsauchüberdieSelbsthilfeinformiertundfürdieTeilnahmedaranmotiviert.SelbsthilfegruppensolleningeeigneterWeisevonFachkräftenimKreisunterstütztwerden.Bei bestehendem Übergewicht werden Patienten über Präventionsprogramme informiert, die dieKomponentenErnährungs,BewegungsundVerhaltenstherapieumfassen.

    Ausgangslage und BedarfDie Zeitspanne zwischen Erkrankungsbeginn und Diagnosestellung eines Diabetes mellitus Typ 2 beträgt bis zu10Jahre.UmRisikopersonenundPatientenimFrühstadiumeinerDiabetesmellitusTyp2Erkrankungfrühzeitigerzudiagnostizieren,stelltsowohldieVorsorgeuntersuchungGesundheitsCheckup35(gemäߧ25SozialgesetzbuchV,welcheabdem36.LebensjahrallezweiJahreinAnspruchgenommenwerdenkann)alsauchderFragebogenFINDRISKeineguteMöglichkeitderFrüherkennungdar.DerFragebogenFINDRISKwirdderzeitignochweniginderambulantenVersorgungangewendet.

    Den Gesundheits-Check-up 35 nehmen nur 19 % der Männer und 46 % der Frauen mindestens einmal in Anspruch(sieheDeutscherGesundheitsberichtDiabetes2014,S.20).DieserCheckupbeinhaltetu.a.dieBestimmung der Blutglukose. Die„AGDiabetes“inSchleswigHolsteinhatbezüglichdesweiterenProzederesfolgendeEmpfehlunganihreKollegenherausgegeben:„LiegtdieNüchternglukoseimBereich100bis120mg/dl,definitionsgemäßVorliegeneiner„abnormen“Nüchternglukose,empfehlenwirergänzendeineBestimmungdesHbA1cWertes.IstdasErgebnisdesHbA1cWertesbei6,5%oderhöher,dannistdieDiagnosemanifesterDiabetesmellitusgesichert.LiegtderHbA1cWertimBereich5,7bis6,4%,sollteeinoralerGlukosetoleranztestmit75Gramm(75-g-oGTT) erfolgen.“(www.aerzteblattsh.de/system/files/printarchiv/einzel/shae_20131152_hohe_praevalenz_unbekannter_diabetesfaelle.pdf)

    EinweitererAspekt,derfüreinfrühzeitigesErkennenvonRisikopatientenspricht,istdieTatsache,dassaufgrundderErgebnissederLookAHEADStudie,ProgrammezurLebensstiländerungbesondersdanneffektivsind,wenneinDiabetesmellitusTyp2erstganzkurzbesteht (siehehierzu:DeutscherGesundheitsberichtDiabetes2014,S.60).AufgrundderHäufungenderErkrankungbeisozialbenachteiligtenBevölkerungsgruppen, sind Früherkennungsmaßnahmen verstärkt auf diese Gruppe zu richten.

    EinScreening,mitwelchemfrühzeitigRisikopersonenidentifiziertwerden,istjedochnurdannsinnvoll,wennanschließend die Betroffenen gezielt Interventionsmaßnahmen zugeführt werden können. Hier hat sich in SchleswigHolsteinundauchanderenBundesländerndasProgramm„Prädias“(www.diabetespraevention.de)alserfolgreichherausgestellt.EsisteinSchulungsprogrammmitdemZieleinerLebensstilmodifikationinsbesonderedesEssundBewegungsverhaltens.InzwölfGruppenstundenwerdendasnötigeWissenunddieMotivation vermittelt, um dem Ausbruch eines Diabetes vorzubeugen. Trotz guter Evaluationsergebnisse wurde dieses ProgrammbislangnochnichtdurchdieZentralePrüfstellePrävention(ZPP)zertifiziert,sodassesderzeitnurimRahmenvonPilotprojektenvonKrankenkassenfinanziertwird(sieheweiterimAbschnittHandlungsempfehlungenfürKrankenkassen).

    ImBerichtderArbeitsgruppe„DiabetesmellitusTyp2imLandkreisReutlingen“wirddaraufverwiesen,dassdertatsächliche InformationsstandderDiabetesPatientenüber ihrKrankheitsbildoftgering ist.Außerdemwürden irreführende und auch falsche Informationen bestehen, die die Patienten verunsichern. Darüber hin-aus sei nach Auffassung der Arbeitsgruppe die Bereitschaft der Patienten, Verantwortung für ihre Erkrankung zuübernehmen,geringunddaserforderlicheSelbstmanagementnochzuschwachentwickelt.AusdiesemGrundempfiehltdieArbeitsgruppe inReutlingen,denbereits etablierten„GesundheitsPassDiabetes“ im

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    RahmendermedizinischenVersorgunganzuwenden.Hierdurcherhofftmansich,dasssichderPatientmitHilfe des korrekt geführten Gesundheits-Passes gemeinsam mit dem behandelnden Arzt mit den Inhalten des PassesauseinandersetztundhierdurcheinenÜberblicküberanstehendeVorsorgeuntersuchungenunddieletztenLabordatenerhält.EbensokannderInformationsaustauschzwischendenbehandelndenÄrztenundanderen beteiligten Einrichtungen verbessert werden.

    DasLebenmitDiabetesmellituserfordertvondenPatientengroßeDisziplin,sehrhäufigeineUmstellunginder LebensführungundaktiveMitwirkunganderTherapie.ZurUnterstützungderKrankheitsbewältigungsowiezurInformationsbeschaffung,sindnebenPatientenschulungenauchSelbsthilfegruppenhilfreich.

    „Übergewicht,BluthochdruckundFettstoffwechselstörungeninFolgefalscherErnährungundBewegungsmangelgeltennebendergenetischenVeranlagungunddemAlteralswichtigsteRisikofaktorenfürdieEntwicklungdesTyp2Diabetes“(PositionspapierdesNationalenAktionsforumsDiabetesmellitus,S.1).Lebensstilveränderungen,dieeineReduktiondesKörpergewichteszurFolgehaben,geltenalseinehochwirksameMaßnahmeinderDiabetesprävention.IndiesemZusammenhangbestehtbeidenFachgesellschaftenKonsens,dasseineReduktiondesKörpergewichtsambestenüberdieKombinationvonErnährungs,BewegungsundVerhaltenstherapie möglich ist.

    UmsetzungÄrzteerhalten InformationenzumFragebogenFINDRISKundwerdenmotiviert,nebendemEinsatzdiesesFragebogens den Gesundheits-Check-up 35 durchzuführen. Die kommunaleGesundheitskonferenzhat sich in ihrer Sitzung2014dafür ausgesprochen, dass eswünschenswertwäre,schonbeiVerdachtaufeinenPrädiabetes,dieeinmaligeBestimmungdesHbA1cWertsalsKVLeistunganzubieten.HierzuwirdderVertreterderKassenärztlichenVereinigungfürdenBodenseekreisGesprächemitderKVSüdwürttembergaufnehmen.Für die Begleitung der diagnostizierten Diabetiker erhalten sie ausführliche Informationen zum „Gesundheit-PassDiabetes“alsaucheinInformationsfaltblattüberbestehendeDiabetesSelbsthilfegruppenimBodenseekreis und Informationen zu interdisziplinären Programmen zur Gewichtsreduktion. Die Informationsweiterga-be und Motivation erfolgt über den Arbeitskreis zur Prävention von Diabetes Typ 2 im Bodenseekreis unter der Mithilfe des Gesundheitsamtes. DieUnterstützungderKreisärzteschaft,derSelbsthilfeundderKrankenkassenistbeidieserHandlungsempfehlung notwendig.

    Handlungsempfehlungen für Krankenkassen:

    AlleKrankenkassen imBodenseekreisfinanzierenqualitätsgesichertePräventionsprogramme (§20SGBV)sowieProgrammezurGewichtsabnahme(§43SGBV).NachdemVorbildvonThüringenundSachsenwirdangestrebt,fließendeÜbergängebzgl.dersekundärundtertiärpräventivenLeistungenzuschaffen,umPersonen,dieaufgrunddesFINDRISKFragebogenseinRisiko tragen,zuermöglichen, an einem Präventionsprogramm teilzunehmen.Darüber hinaus unterstützen sie settingbezogene Präventionsprogramme in Kindertagesstätten,SchulenundBetriebenzurFörderungeinesgesundenErnährungsundBewegungsverhaltens.DesWeiterenunterstützensieBetriebedabei,dassbetrieblicheGesundheitsförderungimUnternehmenals Führungsaufgabe wahrgenommen und als Teil eines umfassenden betrieblichen Gesundheitsma-nagements umgesetzt wird.

    Ausgangslage und BedarfDieVerpflichtungdergesetzlichenKrankenkassenzuPräventionundGesundheitsförderungistim§20SGBVfestgeschrieben.Hierbei sollen sichdie LeistungenderKrankenkassen imBereichderprimärenPräventionmöglichstandenGesundheitsförderungsundPräventionszielendesKooperationsverbundes„gesundheitsziele.de“ ausrichten.Wie bereits zuvor erwähnt, ist hierbei das Präventionsziel „Diabetesmellitus Typ 2:Erkrankungsrisiko senken, Erkrankte früh erkennen und behandeln“ aufgeführt.

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    ImRahmendesGKVLeitfadensPrävention,welchergemeinsaminZusammenarbeitmitdenVerbändenderKrankenkassenaufBundesebeneerstelltwurde,werdeninsbesonderepräventiveMaßnahmengefordert,diesichanSettingsorientieren.SolcheSettingssindz.B.Kommunen/Stadtteile,Kindergärten/Kindertagesstätten,Schulen,SenioreneinrichtungenundBetriebe.DarüberhinaussollenaberauchMaßnahmenfinanziertundunterstützt werden, die einen individuellen Ansatz verfolgen und sich an den einzelnen Versicherten richten. Diese versuchen die Versicherten zu befähigen und zu motivieren, Möglichkeiten einer gesunden Lebensfüh-rung auszuschöpfen. DasZielderpräventivenLeistungenderKrankenkassen istdieReduktionderAuftretenswahrscheinlichkeiteinerErkrankungdurchSenkungderihnenzugrundeliegendenRisikofaktoren,zudeneninsbesondereBewe-gungsmangel,FehlundÜberernährunggehören.

    BezüglichderbetrieblichenPräventionundGesundheitsförderungheißtes imLeitfaden:„ZielbetrieblicherGesundheitsförderungistdieVerbesserungdergesundheitlichenSituationunddieStärkunggesundheitlicherRessourcenderberufstätigenVersicherten.ZumErreichendiesesZielserhebendieKrankenkassendiegesund-heitlicheSituationderBeschäftigtenineinemBetrieb(einschließlichderRisikenundPotenziale),entwickelnVorschläge zur Verbesserung der Gesundheit und unterstützen die Umsetzung präventiver und gesundheits-förderlicherAnsätzeimBetrieb.“(LeitfadenPrävention,S.61)

    LeidersinddieÜbergängezwischenPräventionsleistungen,dievondenKrankenkassenbeiRisikopatientenfinanziertwerden,undLeistungen,dieaufgrundeinermanifestenErkrankungmit ICD10Diagnose (nachWHOKlassifikation),welcheüberLeistungenderkassenärztlichenVereinigung (KV)beglichenwerden,oftfließend.EsergibtkeinenSinn,gutePräventionsprogrammebeiRisikopersonenanzuwendenundsieindemMoment, in dem sie eine manifeste Erkrankung erhalten, von aktiven Präventionsmaßnahmen auszuschließen. DiesistaberauchheutenochAlltagbeivielenKostenträgern.VereinzeltegroßeKrankenkassenversuchendieVerknüpfungvonVorsorgeundVersorgungumzusetzen.Sokonntez.B.gemeinsammitderAOKPLUSinSachsenerreichtwerden,dassunterdemDachder§§20und43SGBVProgrammezurSekundärpräventionrealisiertwerden(sieheDeutscherGesundheitsberichtDiabetes2014,S.20).

    BeieinerAdipositaserkrankung(BMI>30),alseinentscheidenderRisikofaktorbeiderEntstehungeinesDi-abetesmellitusTyp2,isteineFinanzierungderTherapieundggf.RehabilitationsmaßnahmeauchüberdieKrankenkassenmöglich.DieseMaßnahmensolltensichauseinerKombinationvonErnährungs,BewegungsundVerhaltenstherapiezusammensetzen(sieheInterdisziplinäreLeitliniederQualitätS3zu„PräventionundTherapiederAdipositas“,S.42ff).AlsBeispieleineserfolgreichenProgrammszurGewichtsreduktionseidasProgramm„M.O.B.I.L.I.S.“genannt. Esbegleitetübergewichtige Patientenmit einemBMI>30überdenZeitraumvoneinemJahrmiteinemTeamvonExpertenausdenBereichenBewegung,Ernährung,Psycholo-gie und Medizin - wobei die Bewegung im Mittelpunkt des Programms steht. Es richtet sich an übergewich-tige Erwachsene, die abnehmen wollen und gleichzeitig bereit sind, ihren Lebensstil dauerhaft zu ändern (www.mobilis-programm.de).EinzelneKrankenkassenbietendirektPräventionsleistungenan,dieandieVersichertengerichtetsind,wiez.B.Ernährungsberatung/kurseundBewegungskurse,aberauchProgramme,dieinKindertagestättenundSchulendurchgeführtwerden.

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    7. Zusammenfassung der Handlungsempfehlungen

    Handlungsempfehlung für Kindertagesstätten und Schulen:Präventionsprogramme, die gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung als Erziehungs- und Gesund-heitsförderkonzept indenAlltagvonKindertagesstätten,KindergärtenundSchulen integrieren,werden inmöglichstvielenEinrichtungenimBodenseekreisumgesetzt.DesweiterensollsichdieKitaundSchulverpfle-gung an den DGE-Qualitätsstandards orientieren und als Element von Ernährungs- und Verbraucherbildung gesehen werden.

    Handlungsempfehlungen für Betriebe und Betriebsärzte:ArbeitgeberimBodenseekreisunterstützenRahmenbedingungen,dieeinengesundheitsförderlichenLebens-stilindergesamtenBelegschaftschaffenundinsbesondereRisikopersonensensibilisieren.Diesschließtdiebe-triebsärztliche Beratungskompetenz zur Bewertung und Umsetzung gesundheitsförderlicher Angebote und Früherkennungsmaßnahmenmit ein. Zur Identifikation vonRisikopersonenund Patienten im FrühstadiumeinerDiabetesmellitusTyp2Erkrankungwirdempfohlen,denGesundheitsCheckDIABETESFINDRISKan-zuwenden. Darüber hinaus bieten Betriebe im Bodenseekreis ein Essensangebot nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. in den Betriebskantinen an.

    Handlungsempfehlung für Apotheken:ApothekenimBodenseekreiskennendenFragebogenDIABETESFINDRISKundmotivierenihreKunden,die-senFragebogenauszufüllen.Sieempfehlen,beieinemerhöhtenScoredenHausarztaufzusuchen.DarüberhinausberatenSieüberSymptome,dieaufeinenDiabetesmellitushinweisenkönnen.

    Handlungsempfehlungen für Ärzte:In der ambulanten Versorgung wird während eines beliebigen Arztbesuches auf das Thema Diabetes aufmerk-samgemachtundfürdenGesundheitsCheckup35geworben.AlsweiteresScreeningInstrumentwirdderFINDRISKFragebogeneingesetzt.Darüber hinaus wird möglichst der Gesundheits-Pass Diabetes als Instrument zur besseren medizinischen Ver-sorgung undKommunikation genutzt. Patientenmit einemdiagnostiziertenDiabetesmellitus Typ 2wer-densowohlüberPatientenschulungenalsauchüberdieSelbsthilfeinformiertundfürdieTeilnahmedaranmotiviert. Selbsthilfegruppen sollen ingeeigneterWeise von Fachkräften imKreis unterstütztwerden.BeibestehendemÜbergewichtwerdenPatientenüberPräventionsprogrammeinformiert,diedieKomponentenErnährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie umfassen.

    Handlungsempfehlungen für Krankenkassen:AlleKrankenkassen imBodenseekreis finanzierenqualitätsgesicherte Präventionsprogramme (§20SGBV)sowieProgrammezurGewichtsabnahme(§43SGBV).NachdemVorbildvonThüringenundSachsenwirdangestrebt,fließendeÜbergängebzgl.dersekundärundtertiärpräventivenLeistungenzuschaffen,umPer-sonen,dieaufgrunddesFINDRISKFragebogenseinRisikotragen,zuermöglichen,aneinemPräventionspro-gramm teilzunehmen. DarüberhinausunterstützensiesettingbezogenePräventionsprogrammeinKindertagesstätten,SchulenundBetriebenzurFörderungeinesgesundenErnährungsundBewegungsverhaltens.DesWeiterenunterstützensie Betriebe dabei, dass betriebliche Gesundheitsförderung im Unternehmen als Führungsaufgabe wahrge-nommen und als Teil eines umfassenden betrieblichen Gesundheitsmanagements umgesetzt wird.

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    8. Literatur

    BertelsmannStiftung,FaktencheckGesundheit,https://faktencheckgesundheit.de/faktenzumgesundheitswesen/interaktive-karten-zu-regionalen-unterschieden/krankenhausfaelle-diabetes/

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    INFORMJOB6FIT,DGEQualitätsstandardfürdieBetriebsverpflegung,3.überarbeiteteAuflage,2013http://www.jobundfit.de/service/medien.html?eID=dam_frontend_push&docID=1400

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    LandkreisReutlingen,BerichtderArbeitsgruppe„DiabetesmellitusTyp2imLandkreisReutlingen“Dezember 2012

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    LeitfadenPräventionHandlungsfelderundKriteriendesGKVSpitzenverbandeszurUmsetzungvon§§20und20aSGBVvom21.Juni2000inderFassungvom27.August2010

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