highway to hainan ladies and ladies cj nelson the highway to hainan surfing china ladies and ladies

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  • HIGHWAY TO HAINAN SURFING CHINA

    LADIES AND LADIES IN SRI LANKA

    CJ NELSON

    THE CRITICAL SLIDE SOCIETY

    BRIAN BENT HOT ROD CHURCH FOR SINNERS

    JAN WAAGE

    VISUAL MOODS (NANN NAUKE JASCHINSKI)

  • Während ich diese Zeilen schreibe, peitscht der Westwind den Regen an die Fenster. Der Kamin

    kämpft tapfer gegen die Kälte im Wohnzimmer an. Ich schmeiß mir ’ne Wolldecke über und setze

    noch einen Friesentee auf.

    Seien wir mal ehrlich - Die Ausbeute des letzten spätwinterlichen Sturmtiefs war absolut mies: Kei-

    ne einzige Schatztruhe, nicht mal ’ne Flaschenpost und surfbare Wellen sowieso nicht. Stattdessen

    Plastik. In allen Formen und Farben. Dazu schietbrauner Seetang und russische Coladosen. Wie war

    das noch mal? Leave only footprints?

    Der Blanke Hans spendierte jedenfalls ordentlich Strandgut, forderte aber auch seinen Tribut. Die

    gefräßigen Fluten zersägten den ein oder anderen Strandabschnitt und ließen wieder Einiges an

    Land mitgehen (RIP Hörnum Odde?) Die Nordsee zeigte sich im Winter also gewohnt launisch und

    trieb einige Inselkinder in weite Ferne.

    Wir feiern das fünfjährige Jubiläum des SBS Journals also mit Tagträumereien – Bildern von fernen

    Ländern, schrägen Leuten und guten Zeiten. Geborgte Erinnerungen. Von den Jungs aus Wenning-

    stedt auf ihrer Suche nach dem flüssigen Glück im Land des Lächelns. Von Julz und den Ladies aus

    ihrer tropischen Auszeit auf Sri Lanka. Von lokal Matador und Fototalent Nann Nauke Jaschinski,

    der auf der Insel die Stellung hielt und das Ganze fotographisch verdammt eindrucksvoll einfing.

    Und wie gewohnt holen wir auch dieses Mal eine handverlesene Auswahl interessanter Individu-

    alisten auf die Sandbank. Allen voran Brian Bent: Surfer, Maler, Musiker, Tüftler und für geraume

    Zeit sogar Pastor. Dazu Style-Kapitän CJ Nelson, Asphalt-Surfer Jan Waage und die Critical Slide

    Society.

    Für mich gibt’s nichts Schöneres als druckfrische Inspiration in den Händen zu halten. In diesem

    Sinne Cheers an Alle, die es möglich gemacht haben diese Portion analoges Fernweh zu Papier zu

    bringen. Und euch wie immer viel Spaß beim Lesen/Stöbern/Blättern.

    One

    Stay Stoked

    Jan Blaffert

    Footprints?

    4-5 HIGHWAY TO HAINAN SURFING CHINA

    6-7 LADIES AND LADIES IN SRI LANKA

    8-9 CJ NELSON

    10-11 THE CRITICAL SLIDE SOCIETY

    15-19 BRIAN BENT HOT ROD CHURCH FOR SINNERS

    20-21 JAN WAAGE

    22-23 VISUAL MOODS (NANN NAUKE JASCHINSKI)

    Sand Bank Sylt JOURNAL 2016

    Herausgeber André Möller und Till Miklitz

    Sand Bank Sylt Surfshop Hafenstr. 10 25980 Rantum/ Sylt WWW.SAND BANK SYLT .DE

    Autoren Jan Blaffert, Julz Petersen, Ken Hake, André Möller, Brian Bent,Markus Mager TCSS Archiv (Sam Coombes)

    Druck: MZ Druckereigesellschaft mbh, Fiete-Schulze-Straße 3, 06112 Halle(Saale)

    Fotografen Helge Tscharn, Jan Blaffert, Julz Petersen, JJ Wessels ,Luther David ,Ken Hake, Justin Bowers,Nann Nauke Jaschinski, TCSS Archiv (Sam Coombes), Cecil Arp Rüdiger Thomsen

    Inhalt:

    Cover Foto: JJ Wessels

    AZ_Sand Bank Sylt_fritz-kola_320x225mm.indd 1 18.01.16 11:04

    Foto : Nann Nauke Jaschinski

    3SBS · 2016

  • Das China der Moderne ist eine rasante, vom Individualis-

    mus geprägte Gesellschaft. Wer trödelt, wird gnadenlos

    übergangen. Diese Lektion wurde uns in den ersten Tagen

    bereits mehrfach eindrucksvoll erteilt. Folglich machen

    Matz und ich uns voller Erwartungen auf den Weg, während

    unsere Kumpane schnarchend zurückgelassen werden. Kal-

    te Luft schlägt uns entgegen. Ein gutes Zeichen, denn Riyue

    Bay kennt genau zwei Stufen: heiß und flat oder kalt und

    perfekt. Vor dem hoffentlich wellenreichen Erstkontakt mit

    dem Südchinesischen Meer steuern wir zunächst das Ho-

    tel-Restaurant an: ,,Breakfast included – very chinese!‘‘, hieß

    es auf der Website. Auf halbem Weg schneidet uns plötz-

    lich ein lindgrüner Reisebus mit der verheißungsvollen Auf-

    schrift ,,Talentgroup‘‘ den Weg ab.

     Die Pforten öffnen sich quietschend und eine Horde aus-

    gehungerter chinesischer All- Inclusive-Touris galoppiert

    an uns vorbei. Die Wucht mit der das Buffet auseinander-

    genommen wird, verschlägt uns die Sprache. Ungläubig

    bestaunen wir das Schauspiel: Die apokalyptischen Reiter

    mit Schirmmütze und Badelatschen ramponieren rigoros

    die gesamte Anlage. In stillem Einverständnis verlegen wir

    die Stärkung auf später und machen uns, die Mägen voller

    Vorfreude, auf zum Spot- Check.

     Tags zuvor hatten wir in der Bergstadt Xinlong zwei

    Sicherheitsrisiken mit Schaltgetriebe erstanden, mit viel

    Optimismus auch ,,Motorrad‘‘ genannt. Es war die erst-

    beste und wahrscheinlich einzige Chance für selbstständi-

    ge Fortbewegung auf Hainan, und nach 4 Tagen auf Planet

    China war uns bereits klar, dass man hier besser nicht nach-

    fragt, sondern einfach mitschwimmt. Wie Konfuzius bereits

    sagte: You can’t fight the waves, but you can learn to surf!

     Ein Blick aufs Wasser genügt und wir peitschen unsere

    Mopeds auf Hochtouren zurück, um die Bretter zu holen:

    Nach einer sechsunddreißigstündigen Anreise-Odyssee,

    die in Sachen Tragikomik kaum zu übertreffen war,

    mit unfreiwilligen Flughafenzwischenstopps

    in Wenzhou, widerspenstigen ein-

    sprachigen Ticketautomaten,

    einem nächtlichen Spazier-

    gang auf einer vierspurigen

    6 Uhr morgens. Widerstand ist zwecklos. Die steinharte Matratze hat gewonnen. Draußen heult eine Offshore-Symphonie durch die Häuserschlucht des Nanhai Beachfront Hotels – einem ehemaligen russischen Nobelhotel-Klotz, der mangels entsprechender Kundschaft dem Surfclub Hainan überlassen wurde. Ich liefere mir einen Jetlag-bedingten Showdown mit einer Fliege und verfolge ihre hek- tischen Bahnen im Halbdunkel, als der erste Lichtstrahl sich mühsam durch die Palmenblätter quält – unser Startschuss

    Oben: Patriotismus, Palmen und Bananenshakes. Benni hängt sich rein. Links: Ohne Helm, Ohne Nummernschild, dafür mit Vollgas zum Spotcheck.

    Ellenbogen raus und ab durch die Mitte beim Close-Out Roulette.

    Riyue Bay ist der Ruhepol in diesem inselgeworde-

    nen LSD-Trip.

    Rechts: ,,Achtung: Dicke Barrels. Schwimmen verboten!‘‘

    (oder so)

    Autobahn und einer mehrstündigen

    Walkie-Talkie Dschungel Offroad-Tour

    mit zwei chinesischen Piraten, die sich

    gekonnt als Taxifahrer getarnt hatten,

    gab es als Belohnung erstmal drei Tage

    Flaute, inklusive Wokpfannen-Hitze.

    Nun aber feuert die Dünung aus Nor-

    dost ein amtliches Set nach dem ande-

    ren über den felsigen Meeresboden am

    Rande der palmengesäumten Klippen.

    Wo eine Woche zuvor noch die World

    Longboard Championships stattfanden,

    sitzen jetzt zwei Inselkinder im Was-

    ser, teilen sich die ewig langen Linken

    und können ihr Glück kaum fassen. Der

    Turm der WSL-Punkterichter steht ver-

    lassen am Strand, die Anzeigetafel zeigt

    ,,Priority for Red’’, für uns ist jede Wel-

    le eine glatte 10. Nach einer Weile wird

    ein 3-Man-Heat draus, als sich ein etwas

    verdutzter, doch sehr freundlicher chi-

    nesischer Bodyboarder dazu gesellt. Matz

    und ich sind uns trotzdem einig: viel zu voll,

    Zeit das Frühstück nachzuholen.

    Auf halbem Weg zurück, kommen uns

    hektisch gestikulierend Benni und Basti

    entgegen. ,,Beachbreak – Tubes – Perfekt

    – Keiner im Wasser – Schnell!‘‘. Was zuvor

    noch nach garstigem Closeout aussah, hat-

    te sich inzwischen zu einer heftigen Län-

    ge-mal-Breite Barrel gemausert, die uns

    eine geschlagene Stunde einen Satz heißer

    Ohren verpasst.

     Ausgelaugt und glücklich schleppen wir

    uns zum Frühstück in die windschiefe Bara-

    cke, die als Surfclub-Hauptquartier dient. In

    Riyue Bay hat es niemand eilig. Die Surfer

    schlafen gerne lange, und die Köche sind

    eben fertig, wenn sie fertig sind. Wenn man

    dann einen surfenden Koch erwischt, kann

    es schon mal eine Weile dauern.

     Wir nutzen die Wartezeit und lassen die

    Szenerie auf uns wirken: Ein Mitglied der

    Talentgroup posiert pflichtbewusst auf ei-

    nem mongolischen Kamel, während seine

    Mitstreiter rekordverdächtig viele Sel-

    fies knipsen. Eine Horde Hausschweine

    buddelt das Beachvolleyball-Feld um.

    Betelnut- Verkäufer ziehen unermüdlich

    ihre Bahnen entlang der Hauptstraße,

    vorbei an ruinierten Reihenhäusern,

    gestrandeten Fischerbooten und an-

    deren kuriosen Konstruktionen. Unter-

    malt wird das Ganze vom rhythmischen

    Donnern der perfekten Wellen. Idylle

    und Katastrophe liegen in Hainan sehr

    dicht beieinander. Der bedingungslose

    ,,Fortschritt’’ frisst diese wunderschöne

    Insel auf und hinterlässt nichts als Stahl,

    Beton und Abfall.

     So ist die beste Welle der Insel dem

    Bau eines Yachthafens zum Opfer ge-

    fallen. Der Begriff Kulturschock erhält

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