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  • Hinweise zum christlichen undmuslimischen Kalender

    am Beginn eines christlichen Jahrtausends

    Muslime feiern nach dem Mond und Christen?

    Superintendent Rainer Kunick, Wetzlar, zum Geburtstag

    Aus der Arbeit des Christlich-Islamischen Arbeitskreises desKirchenkreises Braunfels

    Horst Kannemann

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    Inhalt

    1. Nach einem besonderen christlichen Jahr 2000

    2. Die Himmelskrper und die Religionen Mond-, Sonnen- und Sternenjahre

    3. Wann ist Ostern julianisch, gregorianisch, melitianisch?3.1. gyptische Weisheit kommt nach Rom Iulius Caesar

    3.2. Sabbat und Sonntag Geheiligte Tage und Bezeichnungen

    3.3. Pessach und Ostern Jdischer Kalender und das christliche Fest

    3.4. Richtige Osterfeier durch ein Konzil? Nkaia 325

    3.5. Die groe Chance des kleinen Dionysius Dionysius Exiguus

    3.6. Der ehrwrdige Beda schreibt Geschichte Beda Venerabilis

    3.7. Wann genau war die Mitte der Zeit? Johannes Kepler

    3.8. Zurck zur Sonne und hin zur neuen Zeit Papst Gregor XIII.

    3.9. Zum weltweiten Kalender? Das Ende des Osmanischen Reiches

    3.10. Welche ist die wahre Kirche? Orientalisch-orthodoxe und orthodoxe Kirchen

    3.11. Ist Einheit mglich? Osterdiskussionen seit 1923

    4. Jesu Weg feiern mit Sonne und Mond Christliche Feste

    5. Sorgsam nach dem Mond aber wann beginnt der Monat? Der islamische Kalender

    6. Abrahams Weg nachgehen Das Opferfest

    7. Mensch, Mitgeschpf und Feier auch in Deutschland Halal-Schchten

    8. Gott verehren statt der Sonne Die Zeiten des islamischen Pflichtgebets

    9. Islamische Kultur in Begegnung mit dem Sonnenjahr Osmanisches Reich und Iran

    10. Neue Jahre mit Sonne und Mond Ausblick

    Literatur zu den Hinweisen zum christlichen und muslimischen Kalender

    1. Quellen und Hilfsmittel

    2. Aufstze und Monographien

    3. Internetseiten

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    1. Nach einem besonderen christlichenJahr

    Das Jahr 2000 war in vieler Hinsicht ein be-sonderes Jahr. In Verffentlichungen zu Fragenvon Zeit und Kalendern schlgt sich diesnieder. Das zweite Jahrtausend ist im erstenweltweit in Kraft befindlichen Kalender abge-schlossen. Zwei Jahrtausende nach ChristiGeburt sind angesichts der Bedeutung, die inder geschichtlichen Wirksamkeit der Bibel(ausdrcklich mit Psalm 90, 4 und Apokalypse/ Offenbarung 20, 1-101) ein Jahrtausendhatte und hat, ein Anlass der Besinnung frchristliche Glubige. Sofern sie es wagen kn-nen, konkrete, an Israel gerichtete Gebote derHebrischen Bibel auf sich anzuwenden, werdensie bedenken, dass 2000 der Zahl von vierzigJobel oder Jubilen (Erlassjahren) nachLeviticus / 3. Mose 25, 11 entspricht.

    Der 1582 eingefhrte Gregorianische Kalen-der, der heute der meistverwendete ist, hat einewiederkehrende Periode von 400 Jahren. Mitdem Jahr 2000 endete bei Betrachtung vollerJahrhunderte die erste Periode dieses Kalen-ders. Es war das erste Jahrhundertjahr mit 366Tagen seit 16002.

    Das christliche Jahr 2000 war auch darin einaufflliges Jahr, dass hohe Feste der drei ver-breitetsten monotheistischen Religionen ausdem Nahen Osten fast zusammenfielen, nm-

    1 Verschiedene alte jdische und christliche Entwrferechneten mit einer Dauer dieser Weltzeit von sechs-tausend Jahren oder sechs Weltaltern, so der babylo-

    nische Talmud II. VIII. Der Trak-tat . Vom Neujahrsfeste IV iv 31a (Siestreiten ber die Lehre R. , denn R. sagte: Sechstausend Jahre werde die Welt bestehenund ein[tausend] zerstrt sein, denn es heit: und derHerr wird allein an jenem Tage erhaben sein. Abajjeaber sagte, zweitausend werde sie zerstrt sein, dennes heit: er wird uns nach zwei Tagen beleben) unddas letzte Kapitel von Aurelius Augustinus (354-430), De civitate Dei (XXII 30), in dem sich derAutor im sechsten Weltalter sah, dem als siebtesunser Sabbat folgt, dessen Ende kein Abend ist,sondern der Tag des Herrn, gleichsam der achteewige, der durch Christi Auferstehung seine Weiheempfangen hat und die ewige Ruhe vorbildet, nichtnur des Geistes, sondern auch des Leibes! (berset-zung von Kurt Flasch).2 Papst Gregor XIII. hat 1582 vorausschauend underfolgreich erlassen: Anno vero MM, more consuetodies bissextus intercaletur, Februario dies XXIX con-tinente (Gregorius episcopus, Inter Gravissimas 9,nach Rodolphe Audette) dass aber im Jahre 2000nach dem Herkommen ein Schalttag eingefgt wird,so dass der Februar 29 Tage enthlt.

    lich das jdische Tempelweihfest Chanukka3

    das christliche Weihnachtsfest4 und das mus-limische Fastenbrechen ( 5). Das Fas-tenbrechen ereignete sich am 1. 14206 sowie 1421 H. zweimal innerhalb deschristlichen Jahres 2000.2. Die Himmelskrper und die Religionen

    Die Entwicklung von Kalendern zur Bestim-mung und Benennung von Stationen in derZeit gehrt zum Geschick der Menschen, wenndiese glauben, dass sie als einzige Lebewesendie Zeit erkennen, aber dabei erfassen: siemuten Zeit stets durch Zeichen wahrnehmenund darstellen, die ihrerseits der Deutungbedurften und verschieden gedeutet werdenkonnten7.

    Es berrascht dabei nicht, dass Kalender einehohe religise Bedeutung haben. Nach GottesWeisung werden Tage, Feste und Riten (z.B.Fasten und Wallfahrten bzw. Pilgerfahrten)beachtet. nderungen von Kalendern knnenvernderte Deutungen und Bewertungen derZeichen, Weisungen und Regelungen ausdr-cken. Sie fhren verstndlicherweise zu Kon-flikten 8.

    3 24./25. - 4. Tewet 5761 / 21./22.-30. De-zember 2000.4 24./25. Dezember 2000. In den Kirchen genanntChristfest. In Deutschland wird der 26. Dezemberals 2. Christtag und Teil des Festes im engsten Sinnebegangen so wie auch jdische und muslimischeHauptfeste ber mehrere Tage begangen werden unddie jdischen Hauptfeste auerhalb Israels einen Taglnger dauern als im Land Israel. Betreffs dermuslimischen Feste gibt das Prsidium fr ReligiseAngelegenheiten der Trkischen Republik die Dauerdes Opferfestes mit vier Tagen und die des Fas-tenbrechens mit drei Tagen Dauer an.5 1.-3. 1421 / 27.-29. Dezember 2000.6 8. Januar 2000.7 Arno Borst, 10.8 Aristophanes (etwa 450 - etwa 388 v. Chr.) spot-tete in den Wolken, 615-626, dass sich seit der An-gleichung des Mondkalenders an das Sonnenjahr dieTage der Athener nicht mehr nach den Festen derGtter richteten (Daten zur antiken Chronologie undGeschichte, 9-10). Vielleicht hat sich die Gruppe derEssener vom jdischen Hauptstrom bei der damali-gen, bis heute nachwirkenden Reform des jdischenKalenders getrennt (Hartmut Stegemann). Etwa zurZeit Moshe ben Maimons waren rabbinischesJudentum und Karer im Festkalender getrennt(Maurice-Ruben Hayoun, 41f). Bis heute knnenauch in jdischen Gruppen Diskussionen um denKalender gefhrt werden (siehe z.B. die Beitrge vonCharles J. Voss), ebenso wie um die richtigeBeachtung des islamischen Kalenders gestritten wird(siehe Kapitel 5). Der gregorianische Kalender war

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    In alten, am Naturkreislauf orientierten Kultu-ren ist der Kalender zyklisch, auch Jahresbe-zeichnungen kehren also wieder (z. B. die deschinesischen Tierkreises). Die Religionen, diesich revolutionierend zu diesem Kreislauf stel-len (Buddhismus, Judentum, Christentum, Is-lam) haben einen linearen Kalender mit offe-nem Ausgang eingefhrt. Wo der eine Gottvon Glaubenden bekannt wird, weist dieserKalender hin auf die Einmaligkeit des mensch-lichen Lebens von der Geburt bis zum Tod, denoffenen Charakter der Zukunft und die erwar-tete Vollendung der Welt durch Gott. Zugleichbleiben viele Elemente zyklischer Wiederkehrin Lebenserfahrung und Kalender prgend.Wenn der Glaube an den einen Gott mit einemuniversalen Verstndnis der einen Welt ver-bunden ist, kann dies den Wunsch nach einemeinheitlichen, vielen bekannten und nachvoll-ziehbaren System der Zeitbestimmung frdern.

    Zeitmessung geschieht geeigneterweise durchdie vielen Menschen zugngliche Beobachtungsich wiederholender Vorgnge. Nach dem tg-lich sich wiederholenden Rhythmus des Son-nenstandes zwischen Licht und Finsternis istvor allem der Wechsel der Mondphasen einenicht zu bersehende und leicht zu beobach-tende Erscheinung, die zweifellos auch derMenschheit Rtsel aufgab.

    Die Mondphasen ergeben sich durch den wech-selnd groen Anteil der Mondoberflche, der,von der Erde aus gesehen, durch die Sonnebeleuchtet wird, d.h. durch den Winkel, in demSonne und Mond von der Erde aus zueinanderstehen. Bei einem entsprechenden Winkel von0 (dem ekliptischen Lngengrad 0) ist Neu-mond, bei einem Winkel von 180 Vollmond.So gilt fr die Wahrnehmung der meisten Orteauf der Erde, dass der (nicht sichtbare) Neu-mond tagsber am Himmel steht. Der Neu-mond geht mit dem Sonnenaufgang auf undmit dem Sonnenuntergang unter. Mit zuneh-mendem Mondalter geht der Mond im Verhlt-nis zur Sonne immer spter auf und unter.Entsprechend ist auch der zunehmende Mondin der ersten Nachthlfte sichtbar, der abneh-mende in der zweiten9. Ebenso ergibt sich, dass und ist seit ber 400 Jahren unter Kirchen umstritten.In Griechenland, Rumnien, Russland und anderenLndern spalteten sich anlsslich der Kalenderum-stellung Altkalendrier ab. Diese mssen durchausnicht wie Altglubige aus frheren Konflikten inschwer zugnglichen sibirischen Siedlungen gesuchtwerden, sondern stellen sich auf amerikanischenInternetseiten vor. ber den Ostertermin besteht bisheute in der Christenheit noch keine Einheit, wiediese Hinweise zeigen.9 Dieses Verhltnis, in dem Auf- und Untergang vonSonne und Mond zueinander stehen, spielt eine Rolle

    eine Sonnenfinsternis (bei der derMondschatten auf die Erde fllt), nur bei Neu-mond auftreten kann und eine Mondfinsternis(bei der Mond in den Erdschatten tritt) nur beiVollmond.

    Beruhend auf solchen Wahrnehmungen werdenMondkalender, die sich am Umlauf des Mon-des um die Erde ausri