Huang Po Der Geist Des Zen

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die kleine Weisheitsbibliothek - eine persnliche Textsammlung

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Unterweisungen und Dialogen, aufgezeichnet von P'ei-hsiu whrend seines Aufenthaltes in der Stadt Chn-chou Die Wan-ling-Aufzeichnungen der Lehren des Zenmeisters Huang po - Eine Sammlung von Dialogen, Unterweisungen und Anekdoten, aufgezeichnet von P'ei-hsiu, whrend er Prfekt von Wan-ling war Die Zen-Lehre des chinesischen Meisters Huang-po Vorrede des P'ei-hsiu Inhaltsverzeichnis Der groe Zen-Meister Hsi-yn lebte unter dem Geier-Gipfel des Berges Huang-po im Bezirk Kao. Er war der dritte in direkter Abstammungslinie von Hui-neng, dem Sechsten Patriarchen, und der Schler eines Mitbruders von Huai-hai (Jap.: Hyakujo Ekai). Da er nur die intuitive Methode des Hchsten Fahrzeuges hochschtzte, die nicht mit Worten zu bertragen ist, lehrte er nichts anderes als die Lehre vom Einen Geist. Es gab fr ihn keine andere Unterweisung, da Geist und Substanz in gleicher Weise leer sind und die Kette von Ursache und Wirkung ohne Bewegung ist. Der Geist gleicht der Sonne, die durch den Himmel wandert und ihr herrliches Licht aussendet, ohne von Staub befleckt zu werden. Fr diejenigen, die das Wesen der Wirklichkeit innerlich erfahren haben, ist nichts alt oder neu. Begriffe wie Seichtheit oder Tiefe sind fr sie bedeutungslos. Wer von dieser Wirklichkeit spricht, versucht sie nicht zu erklren, errichtet keine Sekte, macht keine Tren noch Fenster auf. Sie ist das, was du vor der Nase hast. Sobald du ber sie nachzudenken beginnst, verfllst du dem Irrtum. Nur wenn du dies verstanden hast, wirst du deine Einheit mit dem ursprnglichen Buddha-Wesen erfahren. Deshalb waren die Worte des Meisters einfach, sein Denken unmittelbar, sein Lebensweg edel, seine Gewohnheiten denen anderer so unhnlich. Aus allen Himmelsrichtungen kamen die Schler zu ihm und sahen zu ihm auf wie zum Gipfel eines hohen Berges. Durch die Begegnung mit ihm erwachten sie zur Wirklichkeit. Mehr als tausend Schler waren stets zur gleichen Zeit um ihn versammelt. Im zweiten Jahr des Hui-ch'ang (834 n. Chr.) begrte ich ihn, da ich Prfekt von Chung-lin war, als er von seinem Berg in diese Stadt herabkam. Wir wohnten zusammen im Lung-hsing-Kloster. Tag und Nacht befragte ich ihn ber den Weg. Noch einmal hatte ich im zweiten Jahr des T'ai-chung (849 n. Chr.), als ich Prfekt von Wan-ling war, Gelegenheit, ihn feierlich zu begren. Diesmal blieben wir in aller Stille im Kloster K'ai-yuan, in dem ich mich wieder Tag und Nacht unter seiner Leitung schulte. Nachdem ich ihn verlassen hatte, schrieb ich auf, was ich gelernt hatte. Wenn ich auch nur etwa ein Fnftel davon niederschreiben konnte, so halte ich dies doch fr eine unmittelbare Weitergabe der Lehre. Zuerst war ich unsicher, ob ich das Geschriebene verffentlichen sollte. Doch da ich frchtete, diese lebendigen und tiefgrndigen Lehren knnten kommenden Generationen verloren gehen, tat ich es. Ich gab das Manuskript den Mnchen T'ai-chou und Fa-chien mit der Bitte, bei der Rckkehr in das Kuang-t'angKloster auf dem alten Berg die lteren Mnche zu fragen, wie weit es mit dem bereinstimmte, was sie selbst hufig genug gehrt hatten. Geschrieben am achten Tag des zehnten Mondes des elften Jahres von T'ai-chung (858 n. Chr.) der T'angDynastie Die Chn-chou- iederschrift der Lehren des Zen-Meisters Huang po Eine Sammlung von Unterweisungen und Dialogen, aufgezeichnet von P'ei-hsiu whrend seines Aufenthaltes in der Stadt Chn-chou Inhaltsverzeichnis Der Meister sagte zu mir: 1. Alle Buddhas und alle Lebewesen sind nichts als der Eine Geist, neben dem nichts anderes existiert. Dieser Geist, der ohne Anfang ist, ist ungeboren und unzerstrbar. Er ist weder grn noch gelb, hat weder Form noch Erscheinung. Er gehrt nicht zu der Kategorie von Dingen, die existieren oder nicht existieren.

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Auch kann man nicht mit Ausdrcken wie alt oder neu von ihm denken. Er ist weder lang noch kurz, weder gro noch klein, denn er berschreitet alle Grenzen, Mae, Namen, Zeichen und Vergleiche. Du siehst ihn stets vor dir, doch sobald du ber ihn nachdenkst, verfllst du dem Irrtum. Er gleicht der unbegrenzten Leere, die weder zu ergrnden noch zu bemessen ist. Der Eine Geist allein ist Buddha, und es gibt keinen Unterschied zwischen Buddha und den Lebewesen, nur dass diese an Formen festhalten und im Auen die Buddhaschaft suchen. Durch eben dieses Suchen aber verlieren sie sie. Denn sie benutzen Buddha, um Buddha zu suchen, und benutzen den Geist, um den Geist zu erfassen. Selbst wenn sie ein on lang ihr uerstes leisten wrden, sie knnten die Buddhaschaft doch nicht erreichen. Sie wissen nicht, dass ihnen in dem Augenblick, in dem sie das begriffliche Denken aufgeben und ihre Unruhe vergessen, Buddha erscheinen wird; denn dieser Geist ist Buddha, und Buddha ist alle Lebewesen. Er ist nicht kleiner, wenn er sich in gewhnlichen Dingen, noch grer, wenn er sich als Buddha manifestiert. 2. Da du im Grunde in jeder Hinsicht vollkommen bist, solltest du nicht versuchen, diese Vollkommenheit noch durch das ben der sechs Paramitas und von unzhligen hnlichen bungen sowie das Sammeln von Verdiensten unzhlig wie die Sandkrner des Ganges zu ergnzen. Wenn Gelegenheit fr bungen vorhanden ist, fhre diese aus; wenn die Gelegenheit vorber ist, gib Ruhe. Wenn du nicht vollkommen berzeugt bist, dass der Geist Buddha ist, sondern noch an Formen, bungen und verdienstvollen Taten hngst, ist deine Art zu denken falsch und vllig unvereinbar mit dem Weg. Der Geist ist Buddha. Es gibt keine anderen Buddhas oder irgendeinen anderen Geist. Er ist strahlend und fleckenlos wie die Leere und hat berhaupt keine Form noch Erscheinung. Den Geist fr begriffliches Denken zu benutzen, bedeutet die Substanz lassen und sich an Formen binden. Der Ewig-Seiende-Buddha hat keine Gestalt und ist kein Gegenstand der Bindung. Die bung der sechs Paramitas und Myriaden hnlicher bungen, die dazu fhren sollen, ein Buddha zu werden, bedeutet ein stufenweises Voranschreiten. Der Ewig-Seiende-Buddha aber ist kein Buddha der Stufen. Erwachst du blo zum Einen Geist, so gibt es nichts anderes mehr zu verwirklichen. Dies ist der wirkliche Buddha. Der Buddha und alle lebenden Wesen sind der Eine Geist und nichts anderes. 3. Der Geist gleicht der Leere, in der es keine Verwirrung und kein Bses gibt, wenn die Sonne sie durchkreist und die vier Himmelsrichtungen erhellt. Denn wenn die Sonne aufsteigt und die ganze Welt erleuchtet, nimmt die Leere nicht an Glanz zu, und wenn sie niedergeht, wird die Leere nicht dunkler. Die Erscheinungen von Licht und Dunkel wechseln ab, das Wesen der Leere aber bleibt unverndert. Das gleiche gilt fr den Geist des Buddha und der Lebewesen. Wenn du Buddha fr eine reine, strahlende oder erleuchtete Erscheinung hltst, die Lebewesen aber fr ble, dunkle und todgeweihte Gestalten, so werden dich diese Vorstellungen, die deinem Haften an Formen entstammen, von der hchsten Erkenntnis fernhalten, auch dann noch, wenn du so viele onen durchschritten hast, wie es Sandkrner am Ganges gibt. Es existiert nur der Eine Geist und kein Teilchen von irgendetwas anderem, an das man sich klammern knnte. Denn dieser Geist ist Buddha. Wenn ihr Schler auf dem Weg nicht zu dieser Geistsubstanz erwacht, werdet ihr den Geist mit begrifflichem Denken berlagern, den Buddha auerhalb von euch selbst suchen und gebunden bleiben an Formen, fromme bungen und anderes, was schdlich und keineswegs der Weg zur hchsten Erkenntnis ist. 4. Alle Opfer, die den Buddhas des Weltalls gebracht wrden, glichen nicht dem Opfer, das jenem gebracht wird, der dem Weg folgt und das begriffliche Denken aufgegeben hat. Warum? Weil dieser keinerlei Begriffe mehr formt. Die Substanz des Absoluten gleicht im Innern Holz oder Stein, da sie nmlich unbewegt ist. uerlich gleicht sie der Leere, da sie ohne Grenzen und Hemmungen ist. Sie ist weder objektiv noch subjektiv, hat keinen bestimmten Ort, ist ohne Form und kann nicht verschwinden. Wen es zu Ihr hinzieht, der wagt nicht, in sie einzugehen, da er Angst hat, in die Leere hinabgeschleudert zu werden, ohne sich an etwas klammern zu knnen oder vorm Fallen bewahrt zu werden. So starren sie auf den Abgrund und ziehen sich zurck. Dies bezieht sich auf alle, die solches Ziel durch berlegung zu erreichen suchen. Es sind dies die Vielen, whrend nur wenige die intuitive Erkenntnis des Weges

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erlangen. 5. Manjushri verkrpert das grundlegende Gesetz, Samantabhadra die Ttigkeit. Ersteres bedeutet das Gesetz der wirklichen und unbegrenzten Leere, letzteres die unerschpflichen Ttigkeiten jenseits der Sphre der Formen. Avalokiteshvara reprsentiert grenzenloses Erbarmen; Mahasthama grenzenlose Weisheit; Vimalakirti den fleckenlosen Namen. Fleckenlos bezieht sich auf das Wahre-Wesen der Dinge, whrend Name Form bedeutet. Die Form aber ist in Wirklichkeit eins mit dem Wahren-Wesen. Daher die Verbindung "fleckenloser Name". Alle Eigenschaften, die von den groen Bodhisattvas verkrpert werden, wohnen dem Menschen inne und sind nicht von dem Einen Geist zu trennen. Erwache zu ihm, und sie sind da. Ihr Schler des Weges, die ihr nicht m eurem eigenen Bewusstsein zu diesem Geist erwacht und die ihr an ueren Erscheinungen hngt oder etwas Objektives auerhalb eures eigenen Geistes sucht, ihr alle habt dem Weg den Rcken gekehrt. Sandkrner des Ganges! Von diesen sagte Buddha: "Wrden alle Buddhas und Bodhisattvas zusammen mit Indra und allen Gttern ber ihn schreiten, der Sand wrde sich nicht freuen. Wenn Ochsen, Schafe, Reptilien und Insekten auf ihn treten, der Sand empfindet keinen rger. Er sehnt sich nicht nach Schmuck und Wohlgerchen und hat auch kein Verlangen nach dem Gestank von Urin und Mist." 6. Dieser Geist ist nicht an begriffliches Denken gebunden und vllig frei von jeder Form. So unterscheiden sich Buddhas und Lebewesen in keiner Weise. Knntet ihr euch nur frei machen von begrifflichem Denken, dann httet ihr alles erreicht. Aber wenn ihr Schler auf dem Weg euch nicht blitzartig von dem begrifflichen Denken lst, werdet ihr niemals Vollkommenheit erlangen, auch wenn ihr von on zu on danach strebt. Verstrickt in die verdienstvollen bungen der drei Fahrzeuge werdet ihr niemals imstande sein, Erleuchtung zu erlangen. Die innere Erfahrung des Einen Geistes kann aber nach einer krzeren oder lngeren Periode eintreten. Es gibt solche, die nach dem Vernehmen dieser Lehre in einem Augenblick sich vom begrifflichen Denken befreien, andere, nachdem sie den Zehn Glaubensformeln, den Zehn Stufen, den Zehn Ttigkeiten und den Zehn Verdienstbringenden Gaben gefolgt sind. Andere erlangen Befreiung, nachdem sie die Zehn Stufen einer Bodhisattva-Entwicklung durchschritten haben. Aber ob sie das begriffliche Denken auf einem lngeren oder krzeren Weg berschreiten, das Ergebnis ist ein Zustand des Seins. Es gibt keine fromme bung oder Handlung, die zu innerer Erfahrung fhrt. Dass es nichts gibt, was zu erreichen wre, ist keine leere Rede. Es ist die Wahrheit. Auch wird die Vollendung die gleiche sein, ob du dein Ziel in einem einzigen blitzartigen Gedanken oder nach Durchschreiten der Zehn Stufen der BodhisattvaEntwicklung erreichst. Da dieser Zustand des Seins keine Grade kennt, bedeutet die andere Methode nur onen unntiger Leiden und Mhen. 7. Das Ansammeln von Gutem wie von Schlechtem hat beides mit dem Haften an der Form zu tun. Wer Schlechtes tut, weil er der Form verhaftet ist, muss unntigerweise die verschiedensten Inkarnationen durchlaufen. Doch jene, die an der Form haftend Gutes tun, laden sich ebenso nutzlose Mhen und Entsagungen auf. In beiden Fllen ist es besser, pltzliche Selbstverwirklichung zu erlangen und den grundlegenden Dharma zu erfassen. Dieser Dharma ist der Geist; jenseits von ihm besteht kein Dharma. Dieser Geist ist der Dharma; jenseits von diesem besteht kein Geist. Geist an sich ist kein Geist, ebenso wenig ist er Nicht-Geist. Die Aussage, der Geist sei Nicht-Geist, setzt etwas Existierendes voraus. Mgen wir in schweigendem Begreifen verharren - weiter nichts. Fort mit allem Denken und Erklren! Dann ist der Weg der Worte abgeschnitten, die Bewegungen des Geistes sind ausgeschaltet. Dieser Geist ist die reine Buddha-Quelle, die allen Menschen innewohnt. Alle sich bewegenden Wesen, die vom Leben durchpulst sind, alle Buddhas und Bodhisattvas bestehen aus dieser einen Substanz und unterscheiden sich nicht voneinander. Verschiedenheiten entstehen nur durch falsches Denken und bewirken vielfltiges Karma. 8. Unser ursprngliches Buddha-Wesen ist, vom Standpunkt der hchsten Wahrheit, ohne das geringste Teilchen von Gegenstndlichkeit. Es ist leer, allgegenwrtig, still und rein. Es ist herrliche und geheimnisvoll friedvolle Freude - nichts anderes. Dringe tief in es ein, indem du selbst dazu erwachst. Das, was du in jedem Augenblick vor dir hast, ist dieses Buddha-Wesen in all seiner Vollkommenheit - es gibt

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nichts auer ihm. Auch wenn du alle Stufen der Bodhisattva-Entwicklung, eine nach der anderen, zur Buddhaschaft hin durchschreitest - wenn du endlich in einem einzigen Augenblick die vollkommene Verwirklichung erreichst, wirst du nur das Buddha-Wesen erfahren, das alle Zeit bei dir war. Auf allen vorangegangenen Stufen wirst du ihm nichts hinzugefgt haben. Die onen des Wirkens und Ansammelns werden dir dann wie unwirkliche Traumhandlungen erscheinen. Darum sagt der Tathagata: "Durch die vollkommene unbertroffene Erleuchtung habe ich wahrlich nichts dazu gewonnen." Wre irgendetwas zu erreichen gewesen, htte Dipamkara Buddha nicht die prophetischen Worte ber meine Buddhaschaft gesprochen. Auch solches sprach er: "Dieser Dharma ist vllig ohne jede Unterscheidung, weder hoch noch niedrig. Sein Name ist Bodhi." Er ist reiner Geist, die Quelle von allem. Mag er als ein Lebewesen oder als Buddha, in der Gestalt von Flssen und Bergen, als Teil der formhaften Welt oder als Formloses erscheinen oder auch als etwas das gesamte Universum Durchdringendes - er ist vollkommen unterschiedslos. Denn es gibt kein Selbst und kein Anderes. 9. Dieser reine Geist, die Quelle von allem, scheint fr immer und auf alle mit dem Glanz seiner eigenen Vollendung. Aber die Menschen in der Welt werden dessen nicht gewahr, da sie nur das fr Geist halten, was sieht, hrt fhlt und wei. Durch eigenes Sehen, Hren, Fhlen und Wissen geblendet, erkennen sie nicht die geistige Herrlichkeit der Quellsubstanz. Doch wrden sie endlich alles begriffliche Denken in einem Augenblick abwerfen, dann wrde sich diese Quellsubstanz manifestieren, wie die Sonne, die in der Leere aufstei...