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  • Information

    Klasse(n) Rume fr SchulenEmpfehlungen fr gesundheits- und lernfrdernde Klassenzimmer

    8094

    Januar 2012

    BG/GUV-SI 8094

  • Impressum

    Herausgeber: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV) Mittelstrae 51 10117 Berlin Tel.: 030 288763800 Fax: 030 288763808 E-Mail: info@dguv.de Internet: www.dguv.de

    Fachgruppe "Bildungswesen" der DGUV

    Bildquellen: Titelbild: pressmaster/Fotolia Dr. Elke Frenzel (KUVB) Abb. 2/5/15/22/23abc Dr. Simone Peters (IFA) Abb. 1/7/19 GUV Hannover Abb. 3/4 Stephan Flo Abb. 6/9/10/13bc Walter Schreiber (KUVB) Abb. 18 Layout & Gestaltung: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV), Medienproduktion

    Ausgabe Januar 2012

    BG/GUV-SI 8094 zu beziehen bei Ihrem zustndigen Unfallversicherungstrger oder unter www.dguv.de/publikationen

  • Klasse(n) Rume fr SchulenEmpfehlungen fr gesundheits- und lernfrdernde Klassenzimmer

    BG/GUV-SI 8094 Januar 2012

  • Seite

    Inhaltsverzeichnis

    Vorwort ..................................................................................................................... 5

    Einleitung ................................................................................................................ 7

    Raumgre und flexible Raumnutzung ............................................. 8

    Schulmbel mit dynamisch-aktiven Bewegungselementen 13

    Licht und Beleuchtung ................................................................................... 17

    Raumakustik ......................................................................................................... 21

    Raumklima.............................................................................................................. 25

    Raumgestaltung mit Farben, Pflanzen und Objekten ................ 29

    Anhang A Mae, Grenklassen und Grenkennzeichnungen ......... 32

    Anhang B Anforderungen an die Beleuchtung eines Klassenzimmers ........................................................................................... 33

    Anhang C Anforderungen an die Raumakustik eines Klassenzimmers ........................................................................................... 34

    Anhang D Farben und deren Wirkung .................................................................... 35

    4

  • Vorwort

    Die Frage, wie sich Formen und Farben von Schulgebuden auf das Wohlbefinden und die Leistungsfhigkeit von Schlern1) und Lehrern auswirken, ist erst seit ca. 20 Jahren ein Thema. Eine Ausnahme bildete die technische Sicherheit von Schulgebu-den, die seit der Einfhrung der Schlerunfallversicherung im Jahr 1971 vor allem beim Neubau und bei der Sanierung von Schulen eine Rolle spielte. Im Groen und Ganzen war man jedoch der Meinung, dass das Schulgebude keinen wesentli-chen Einfluss auf den Schulalltag im Allgemeinen und auf den Unterricht im Besonderen habe, dass also gute Schule in einem schlechten Gebude und schlechte Schule in einem guten Ge-bude mglich sei.

    Seit den 1990er Jahren wandelt sich die Schule zunehmend von einer Belehrungsanstalt zu einem Haus des Lernens und Zusam-menlebens. Schulen sollen sich zu Lebensrumen entwickeln, in denen nicht Fcher, sondern Schler unterrichtet und in ihrer individuellen Entwicklung ganzheitlich gefrdert werden. Eine solche Schule bentigt pdagogische Konzepte mit flexiblen Unterrichtsformen und vielfltigen Arbeitsformen. Diese vern-derte Sichtweise auf Schule als Haus des Lernens hat auch zu einer Neuorientierung in Sachen Schularchitektur gefhrt, da der traditionelle Schulbau der neuen Lernkultur und dem vern-derten Verstndnis von Schule nicht gerecht wird.

    Aus der internationalen Schulbauforschung wissen wir, dass der Zustand und die Gestaltung der Lernorte, die Art und Weise, wie diese miteinander in Beziehung stehen, das Ineinanderflieen von Innen und Auen, das richtige Verhltnis zwischen persnli-chen Rumen und Gemeinschaftsrumen, die Anordnung der verschiedenen Lernlandschaften, die farbliche Gestaltung und die Sauberkeit der Rumlichkeiten nicht nur die Bildungs- und Erziehungsprozesse beeinflussen. All dies wirkt sich auch auf das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit der Schler und Lehrer, die wiederum Voraussetzungen fr gelingende Lern-prozesse sind, aus. Den Bauformen und Farben der Schulanla-gen, der Ausstattung und der Raumgestaltung muss daher die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt werden wie der Qualitt z. B. der Methoden, des Schulklimas oder des Leitungshandelns. Die Entwicklung der Schulen lsst sich nicht auf die innere Archi-

    1) Aus Grnden der besseren Lesbarkeit wurden bei den Aussagen, die fr Lehrerinnen und Lehrer sowie Schlerinnen und Schler gemein-sam gelten, umgangssprachliche Bezeichnungen gewhlt.

    tektur beschrnken. Schulentwicklung und vor allem gesund-heitsfrdernde Schulentwicklung muss auch die uere Archi-tektur, die baulich-rumliche Gestaltung und Ausstattung der Schule, in den Blick nehmen.

    Die Trger der gesetzlichen Schlerunfallversicherung engagie-ren sich fr eine gesundheitsfrdernde Schulentwicklung und fr die Realisierung guter gesunder Schulen. Gute gesunde Schulen sind Schulen, die durch gesundheitsbezogene Interven-tionen einerseits die Qualittsdimensionen Unterricht und Erzie-hen, Lehren und Lernen, Fhrung und Management sowie Schul-kultur und Schulklima, andererseits die Gesundheit der Lehrer und Schler sowie die systemische Gesundheit verbessern. Da die Schularchitektur die gut gestaltete und intelligent vorberei-tete Umgebung fr ein ausgeprgtes Wohlbefinden und eine hohe Leistungsfhigkeit und damit fr die Gestaltung guter ge-sunder Schulen eine groe Bedeutung hat, sind Raumgestaltung und Ausstattung von Schulen zentrale Themen der Arbeit von Unfallkassen und Gemeindeunfallversicherungsverbnden. Besondere Aktualitt gewinnen die Themen durch den gravie-renden Sanierungsstau im Schulbau. Viele Schulen sind in ei-nem schlechten baulichen Zustand. Sie mssen dringend sa-niert werden, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden.

    In diesem Leitfaden steht der Klassenraum im Mittelpunkt. Eine gesundheits- und leistungsfrdernde Gestaltung des Klassen-raums ist notwendig, weil fr die uere Schulentwicklung das Gleiche gilt wie fr die innere: Gesundheitsbezogene Bemhun-gen werden letztendlich nur dann einen nachhaltigen Effekt auf die Gesundheit und Leistungsfhigkeit der Schler und Lehrkrf-te haben, wenn es gelingt, die notwendigen Vernderungen und Entwicklungen der Schule bis in den Kernprozess hinein zu fh-ren, sprich: das Lehren und Lernen gesundheitsfrderlich zu gestalten. Und der Ort, wo Lehren und Lernen nach wie vor am hufigsten in der Schule stattfinden, ist der Klassenraum.

    In den folgenden Empfehlungen werden die wichtigsten Aspekte einer gesundheits- und leistungsfrdernden Klassenraumgestal-tung beschrieben. Als praxisnahe Orientierungshilfe fr Lehr-krfte, Schulleiter/innen, Bauplaner/innen und Architekten/innen soll er zur gesundheitsfrdernden Schulentwicklung bei-tragen.

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  • Schulgebude und Klassenzimmer sind nicht nur Orte des Ler-nens, sondern auch Lebensrume. Kinder und Jugendliche ver-bringen hier einen groen Teil ihrer Zeit. Da das Schulgebude mit seinen Rumlichkeiten und den sich daraus ergebenden Bedingungen das Lernumfeld und damit auch die Lernbedingun-gen wesentlich bestimmt, wird es hufig (nach den Schlern und Lehrern selbst) als die "dritte Lehrkraft" oder der "dritte Pd-agoge" bezeichnet.

    Die Raumverhltnisse haben nicht nur Auswirkung auf das Wohl-befinden, sondern auch auf das Verhalten und die Leistungsf-higkeit von Lehrern und Schlern. Rume wirken auf den Men-schen, sie bilden und erziehen. Klassenzimmer drfen daher nicht nur nach rein funktionalen Aspekten geplant werden, son-dern sollen eine freundliche und angenehme Atmosphre erzeu-gen, in der sich leichter lehren und lernen lsst. Rume knnen motivieren oder demotivieren, sie knnen aggressives Verhalten frdern oder mildern. Fhlen sich die Schler in ihrer Schule wohl, fllt ihnen das Lernen leichter. Sie zeigen bessere schuli-sche Leistungen und sind in der Lage schulische Probleme bes-ser zu lsen.

    Zukunftsweisende Konzepte betrachten die ganze Schule als Lernraum und bercksichtigen bei der Gebudegestaltung ins-besondere:

    die Strukturierung von Klassenzimmern und Fluren,

    die Schaffung von zustzlichen Aufenthaltsmglichkeiten und dadurch gute Rckzugsmglichkeiten (z. B. Rume der Stille),

    die freundliche Gestaltung der Klassenzimmer mit Hilfe von Farbe, Licht, Mobiliar und Pflanzen,

    die Beteiligung aller Nutzer und der Eltern bei der Gestaltung des Klassenzimmers.

    Aber selbst in moderner Schularchitektur sind monotone Gnge, graue Wnde, kleine Klassenzimmer ohne Strukturierung oder fehlende Rckzugsmglichkeiten fr Schler bzw. Lehrkrfte keine Seltenheit (Abb. 1 und 2). Derartige rumliche Bedingun-gen frdern Stress, aggressives Verhalten und Vandalismus und beeintrchtigen letztendlich auch die Leistungsfhigkeit. Und: In solchen Klassenzimmern lernt und lehrt niemand gern. Insbe-sondere vor dem Hintergrund der Einfhrung von Ganztagsschu-len gilt es, vermehrt auf die Schaffung einer angenehmen Lernat-mosphre in der Lebenswelt Schule zu achten.

    Doch wann fhlen wir uns in einem Raum wohl und wie kann Raumgestaltung im Klassenzimmer lernfrdernd wirken?

    Die Wirkung eines Raumes wird vor allem von sechs Faktoren beeinflusst:

    Raumgre und Raumnutzung,

    Mobiliar,

    Licht und Beleuchtung,

    Raumakustik,

    Raumklima,

    Raumgestaltung durch Pflanzen, Farben, Stoffe und andere Objekte.

    Diese Faktoren werden in den nachfolgenden Kapiteln behandelt.

    Einleitung

    Abb

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