licht und schatten der magie

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  • Leah Levine

    Licht und Schatten

    der Magie

    Wege fr ein magisches Leben

    Smaragd Verlag

  • Dem Leser zum Geleit: Dem Leser wird auffallen, da ich hufig die mnnliche Personenform whle. Zum einen zerstrt ein der/die Magier(in) die flssige Optik, zum anderen sehe ich den Beruf des Magiers nicht geschlechtsgebunden. Gerade in der Magie, wo wir versuchen, unsere Grenzen zu erweitern, versuchen wir Licht und Schatten, Mnnlichkeit und Weiblichkeit, Oben und Unten miteinander zu verschmelzen. Das hermaphroditische Prinzip ist nicht umsonst ein Teil der Magie; ist hier doch die Einheit beider polarer Elemente in hchster Vollendung erreicht. Die These, nur ein Mann kann ein Magier, nur eine Frau eine Hexe sein, ist finsterster Aberglaube. Magier und Hexen unterscheiden sich in ihrem Handeln, nicht in geschlechtlichen Rollenklischees. Smaragd Verlag, Neuwied Erstauflage Februar 1999 Covergestaltung nach einem Bild von Odilon Redon XPresentation, Boppard Satz: DTP-Service-Studio, Bad Hnningen Druck: Kossuth Printing, Budapest ISBN 3-926374-65-9 99 00 01 02/04 03 02 01

  • Dem Leser zum Geleit: ............................................................. 3 Was fr ein Geist, der mich da treibt? ...................................... 6 Magie, Mystik und Religion ................................................... 18 Magie und Kommerz .............................................................. 22 Die unendliche Vielfalt der magisch/esoterischen Welt ......... 28 Magisches Zubehr, was kann man damit anfangen?............. 41 Hexen und Magier und ihre Tiere ........................................... 46 Magie und Drogen .................................................................. 50 Die Geschichte der Magie....................................................... 54 Das magische Tagebuch.......................................................... 62 Die Grundlagen der Schutzmagie ........................................... 65 Schutz und Ritual .................................................................... 77 Kleine Zauber fr den Alltag .................................................. 81 Talismane, Amulette und Fetische.......................................... 94 Der magische Spiegel.............................................................. 97 Der Magier ist Herr seines Universums Was heit das? ... 103 Meditation als Grundlage der Magie .................................... 108 Schwarze und Weie Magie ................................................. 114 Die fnf magischen Praktiken............................................... 120 Die Ausstattung des Tempels................................................ 134 Die magischen Welten der Hexen......................................... 138 DIE JAHRESFESTE............................................................. 146 Die Gtter der Hexen ............................................................ 149 Das Grundritual der Hexen ................................................... 152 Der Magier und die Medien .................................................. 160 Zusammensein will gelernt sein............................................ 164 Das einzig Bestndige ist der Wandel................................... 169

  • Die Tabula Smaragdina von Hermes Trismegistos.

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  • Was fr ein Geist, der mich da treibt?

    Der Regen fllt unaufhrlich. Dunkle Wolken schieben sich schwerfllig ber den Nachthimmel. Der Vollmond ist die einzige Lichtquelle, die den Waldweg von Zeit zu Zeit erhellt. Den Neugierigen treibt es weiter. Es mu hier irgendwo sein. Da, ein kleiner Feuerschein zwischen den Bumen, jetzt sind es nur noch ein paar Meter. Ein Kuzchen schreit.

    Der einsame Sucher hat entdeckt, wonach er strebt. Die Waldlichtung ist erhellt von einem groen Lagerfeuer. Um das Feuer haben sie sich versammelt. Etwa zwanzig bis fnfundzwanzig Menschen kann er ausmachen, die sich alle in lange schwarze Roben mit Kapuze gewandet haben und so fr niemanden zu erkennen sind. Anonymitt ist Pflicht und zugleich Schutz.

    Jetzt hrt er die Stimmen. Sie singen. Seltsame Texte in fremden Sprachen. Da, pltzlich tut sich einer hervor, er steht an einem Fels, der mit allerlei Gegenstnden belegt ist. Das mu der Altar sein. Die dunkle Gestalt hlt einen Dolch in den Hnden. Sie reit die Arme hoch und beginnt mit durchdringender Stimme zu rufen:

    Wir rufen und beschwren Dich, oh ASRAEL, Herr ber Leben und Tod, wir rufen und beschwren Dich, hier vor uns zu erscheinen und dies Fest mit uns zu feiern.

    Der Boden beginnt zu vibrieren, ein eisiger Wind streicht durch die Bume und es wird unendlich kalt. Da, wo eben noch der Altar gestanden hat, steigt dichter Nebel aus dem Boden. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, da er Gestalt annimmt. Ein wildes Kreischen geht durch die Menge.

    Da, wo eben noch kalter Fels am Boden lag, steht jetzt eine Gestalt. Gro und schn, die Augen leuchten wie brennende Kohlen. Als die Gestalt ihre Stimme erhebt, scheint die Luft zu vibrieren. Hier bin ich nun, ihr habt mich gerufen, was ist Euer Begehr? Die Teilnehmer des nchtlichen Rituals

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  • scheinen nicht berrascht, sie bringen ihre Wnsche und Anliegen vor und gehen dann dazu ber, das Fest weiter mit Tanz und Gesang zu zelebrieren. Der stille Beobachter kann es nicht fassen. Da ist ein Wesen aus dem Nichts erschienen, da wurden Wunder vollbracht und die Naturgesetze auer Kraft gesetzt. Als der Morgen graut, kehrt er zurck in seinen Alltag. Nichts ist mehr so, wie es vorher war.

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  • Hannover, ein kalter Januarmorgen. Maren hatte schlecht geschlafen und war noch immer in Gedanken bei ihren Trumen. Sie mute sich unbedingt noch heute ein Plverchen gegen Alptrume holen. In ihrer kleinen magischen Kruterhandlung gab es fr jedes Problem die richtigen Ritualzutaten. Man mute nur die Pulver verbrennen oder die richtige Kerze anznden, und schon war man alle Sorgen los.

    Als Maren das Haus verlie, traf sie im Treppenhaus Frau Seichert. Sie haben ja mal wieder krftig gefeiert am Wochenende, hat man Ihnen nicht mitgeteilt, da das hier unerwnscht und nicht erlaubt ist? Ich mu doch darum bitten, da Sie sich an die Hausordnung halten, und lassen Sie nicht immer Ihr Fahrrad im Flur stehen und ... Maren lie sie weiterreden und eilte die Treppe hinab. Jetzt reicht's! Wo sie schon mal dabei war, Zauberkruter zu kaufen, lie sie sich auch gleich ein Ritualset Bad Neighbour einpacken und beschlo, die Sorgen mit Frau Seichert auf ganz einfache Weise aufzulsen. In der nchsten Neumondnacht wurde eine Puppe hergestellt, die etwas hnlichkeit mit der verhaten Nachbarin hatte. Die Puppe wurde mit magischen len bestrichen und beim Murmeln schwer verstndlicher Texte wurden fnf lange Nadeln in den Puppenleib getrieben.

    Als Maren am nchsten Nachmittag nach Haus kam, stand der Notarztwagen vor der Tr. Als sie ihre Post aus dem Kasten holte, kam der Rettungsdienstler die Treppe herunter und sie hrte, wie er zu seinem Kollegen sagte, da man da nichts mehr htte tun knnen. Die Frau wre wohl schon in den frhen Morgenstunden einem Herzinfarkt erlegen.

    Nun, das ging ja schnell, dachte sich Maren. Glcklich stieg sie die Treppe hoch und dachte an ihren nchsten Zauber. Da war doch dieser nette Studienrat, verheiratet zwar, aber was machte das schon?

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  • Nun, diese Beispiele mgen reichen, um aufzufhren, was Magie nicht ist. Sicher haben beide Beispiele Elemente aus der magischen Wirklichkeit, doch ganz so einfach und phantastisch ist die Magie nicht.

    Leider wird aber genau das von der Magie immer wieder erwartet. Zum einen hat sich ein Hollywood-Denken festgesetzt, bei dem der Magier nur mit dem Finger zu schnippen braucht, und die wildesten Gtter und Dmonen erscheinen leibhaftig im magischen Kreis, um nichts anderes zu tun, als dem Magier seine Wnsche von den Augen abzulesen. Zum anderen erwarten viele von den magischen Produkten und Formeln, die heutzutage leicht erhltlich sind, da sie unmittelbar wirken, ohne Vorkenntnisse anzuwenden und vor allem, da sie jeden ohne Verantwortungsgefhl alles erreichen lassen.

    Aber zum Glck schtzt die Magie sich selbst. In der Praxis sieht es so aus, da der Motor, sich mit Magie

    zu beschftigen, oft in Frustration, mangelndem Selbstbewutsein, oder Zorn begrndet liegt.

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  • Frustration als Antrieb findet man bei den Menschen, die glauben, ihr Schicksal nicht durch eigene Kraft in den Griff zu bekommen. Sie suchen nach Lsungen, um nur nicht selbst aktiv werden zu mssen oder Verantwortung zu tragen. Sie leben in dem Irrglauben, die Aktivitt, ein Ritual zu vollziehen, das auf einen Schlag all ihre Probleme fr alle Zeit lst, sei weniger aufwendig, als bei sich selbst zu schauen, was die Probleme eigentlich verursacht hat, und wie man sie durch Vernderung des eigenen Lebensplanes lsen kann. Diese Menschen erwarten von der Magie wahre Wunderdinge. In ihrer Vorstellung murmelt man in einer dunklen Nacht nur einige Formeln, entzndet etwas Weihrauch, und schon steht der entlaufende Ehemann wieder vor der Tr, die Prfung schreibt sich von selbst, oder ein steter Geldsegen sucht sie heim.

    Fr eine andere Kategorie von Frustrierten ist das Leben einfach nicht bunt genug. Das tglich immer wieder gleich abgespulte Programm ist de und langweilig. In ihren Gedanken ffnet die Magie die Tr zu einer anderen Wirklichkeit. Tut sie auch, aber die andere Wirklichkeit ist oft nur so bunt, wie man selbst. Zu glauben, die magischen Welten htten etwas vom Zauberreich von OZ, ist naiv. Wer Magie als Wirklichkeitsflucht benutzt, wird schnell enttuscht umkehren und sie hufig dann auch noch ungerechtfertigterweise verfluchen.

    Der Faktor mangelndes Selbstbewutsein erklrt sich in dem

    Glauben, wenn man Magie praktiziert, gehre man unmittelbar einer geheimen Elite

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