tatort betrieb - stress und psychische belastungen .9.2 gruppenarbeit 79 9.3 altersgerechte...

Download Tatort Betrieb - Stress und psychische Belastungen .9.2 Gruppenarbeit 79 9.3 Altersgerechte Arbeitsbedingungen

Post on 17-Sep-2018

213 views

Category:

Documents

0 download

Embed Size (px)

TRANSCRIPT

  • Eine Information der IG Metall in Baden-Wrttemberg

    TTatorator t Betrieb t Betrieb StrStress und psychischeess und psychische

    BelastungenBelastungen Der Stress und seine Folgen

    Psychische Belastungen und ihre Ursachen Mobbing Psychische Belastungen von Betriebsrten

    Erfahrungen eines Schwerbehinderten Kampagne gegen psychische Belastungen

    Initiativen in der Praxis Was kann getan werden Literatur

    1

    T A T R T B E T R I E BEine Aktion der IG Metall

    Erstellt von

    Diplom Psychologe Rolf SatzerEichendorff Str. 33, 50825 Kln

    IG Metall Bezirk Baden-Wrttemberg, Bezirksleitung StuttgartHlzelweg 2, 70191 Stuttgart, Telefon (0711) 165810, Fax (0711) 1658130

    E-Mail bzl.stuttgart@igmetall.de, http://www.bw.igm.deVerffentlichungsrechte: IG Metall Bezirk Baden-Wrttemberg

    P s y c h i s c h e

    B e l a s t u n g e n

    Terror fr die Seele

  • Vorwort 4

    Einleitung 6

    1. Beispiele aus Betrieben 81.1 Man kann nicht den ganzen Tag

    hundertprozentig konzentriert sein 81.2 Wenn die Verantwortung den Schlaf raubt 10

    2. Psychische Belastungen - Womit wir es zu tun haben 11

    2.1 Was ist Stress?2.2 Wie wirkt Stress? 122.3 Die Folgen 142.4 Stressfolgen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen 142.5 Stressfolgen: Rckenerkrankungen 152.6 Stressfolgen: Suchtverhalten 162.7 Stressfolgen: Schwchung des Immunsystems 162.8 Weitere Stressfolgen 172.9 Stressverarbeitung und -bewltigung 17

    3. Hintergrund und Ursachen 203.1 Psychische Belastungen nehmen zu 203.2 Technikeinsatz, neue Arbeitsformen, Arbeitszeiten

    und Produktionskonzepte 213.3 Seien Sie profitabel - werden Sie Ihr eigener Unternehmer! 233.4 Gruppenarbeit macht krank? 243.5 Das Abstreifen der Verantwortung 273.6 Frustriert, unzufrieden, sprachlos:

    Auf dem Weg in die innere Kndigung 293.7 Mit 55 arbeiten wie mit 25 303.8 Mobbing 32

    4. Psychische Belastungen von Betriebsrten 35

    5. Erfahrungsbericht aus der Arbeit mit Schwerbehinderten (Manfred Rdebusch) 38

    6. Tatort Betrieb: Die Kampagne gegen psychische Belastungen 41

    6.1 Die Ausgangssituation 416.2 Der Einstieg 42

    7. Praxisbeispiele 447.1 Gefhrdungsbeurteilung: Eine Initiative des Betriebsrats 447.2 Eine Angestelltenkampagne zu Arbeitszeiten ohne Ende 507.3 Eine Belegschaftsbefragung und ihre Folgen 54

    2

    Inha

    lts

    Inha

    lts v

    erver z

    eich

    nis

    zeic

    hnis

  • 8. Handlungsmglichkeiten im Betrieb 578.1 Wo stehen wir heute? 578.2 Wo wollen wir hin? 588.3 Gefhrdungsbeurteilung Schritt 1:

    Psychische Belastungen ermitteln 598.4 Gefhrdungsbeurteilung Schritt 2:

    Beurteilung der ermittelten Daten 628.5 Gefhrdungsbeurteilung Schritt 3:

    Schutzmanahmen gegen psychische Belastungen 658.6 Eckpunkte fr eine Betriebsvereinbarung 70

    9. Weitere Ursachen psychischer Belastungen und Handlungsmglichkeiten 73

    9.1 Qualifizierung 749.2 Gruppenarbeit 799.3 Altersgerechte Arbeitsbedingungen 81

    10. Standpunkte 84

    Literaturhinweise 89

    3

  • VVoror worwor tt

    Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    psychische Belastungen im Arbeits-leben ist sicher kein leichtes Thema,welches wir uns im Rahmen unsererKampagne "Tatort Betrieb" vorge-nommen haben.

    Doch dieses Thema ist kein Mode-thema, sondern ein ernst zu nehmen-des Problem, das unsere Kolleginnenund Kollegen in den Betrieben mehrund mehr beschftigt.

    Zunehmender Arbeitsdruck, fehlendeQualifizierung, ausufernde Arbeits-zeiten und Arbeitszeitmodelle bela-sten die Beschftigten in allen Be-reichen der Unternehmen.

    Eine Folge sind Erkrankungen der un-terschiedlichsten Art. Die Spannbreitereicht von Herz-Kreislauf-Erkrankun-gen, Darm-Erkrankungen und R-ckenschmerzen bis hin zur Schw-chung des Immunsystems.Diese Erkrankungen knnen Men-schen zwingen, ihre Arbeit aufzuge-ben, und sind teilweise lebensbedro-hend.

    Wir sind als Gewerkschaften angetre-ten, die Arbeitswelt menschlicher zugestalten. Wir wollen, dass die Be-schftigten gesund die Altersgrenzeerreichen und ihren Ruhestand mithoher Lebensqualitt genieen kn-nen.

    Unser tarifpolitischer Beitrag ist unse-re Kampagne gute Arbeit.Die Beschftigten sollen einen An-spruch auf Qualifikation bekommenund die Betriebsrte sollen mit denBeschftigten mitbestimmen drfen,welche Leistung im Betrieb erbrachtwird.

    Mit unserer Aktion Tatort Betrieb -Stress ist Terror fr die Seele wollenwir die Beschftigten zum Themasensibilisieren und Angebote unter-breiten, wie gute Arbeit auch ohneStress mglich ist.

    Ein kleiner Anfang ist die Broschre.Sie ist ein Einstieg in die Problematikund gibt Hinweise zum Umgang mitdem Problem Stress.

    Wir hoffen, diese Broschre regt an,sich an unserer Aktion Tatort Be-trieb zu beteiligen.

    Euer

    Berthold HuberBezirksleiter der IG MetallBaden-Wrttemberg

    4

  • 5

    Richard Sennett, Der flexible Mensch DieKultur des neuen Kapitalismus, Berlin 1998

  • 6

    EinleitungEinleitung

    Psychische Belastungen gehrenfr immer mehr Beschftigteauch in metallverarbeitenden Be-trieben inzwischen zum unangeneh-men Teil des Arbeitsalltags. berfor-derung und Zeitdruck, Leistungs-verdichtung und Stress, schlechtesBetriebsklima oder das Verhalten derVorgesetzten, hohes Arbeitstempound ungnstige bzw. berlange Ar-beitszeiten all diese Faktoren fhrenzu negativen Folgen fr die Gesund-heit. Dies kann sich in vielfltigenSymptomen und Strungen bis hin zuErkrankungen ausdrcken. Wer vonuns kennt nicht die ersten Folgen vonStresssituationen oder berforde-rung, die zu Nervositt, Kopfschmer-zen oder Schlafstrungen fhren oderauch zu dem Gefhl, dass man sicheinfach ausgelaugt, ausgebrannt undkaputt fhlt?

    Viele KollegInnen und Betriebsrtehaben den Eindruck, dass dieseBelastungen und ihre Folgewirkun-gen, der Terror fr die Seele inden letzten Jahren zugenommenhaben und im Betrieb immer mehrzu einem zentralen Problem imArbeits- und Gesundheitsschutzwerden. Dieser Eindruck tuschtnicht, was durch immer mehrUntersuchungen, Befragungen undForschungsergebnisse besttigtwird.

    An den Arbeitspltzen und in denBetrieben besteht dringenderHandlungsbedarf, der bereits zuAktivitten in den Belegschaftengefhrt hat. Betriebsrte haben be-

    gonnen, sich mit dem Thema zubeschftigten, und auf Anregungenund Anfragen aus den Beleg-schaften reagiert.

    Die IG Metall im Bezirk Stuttgarthat das Thema Psychische Be-lastungen zum Schwerpunkt ihrerneuen Kampagne Tatort Betriebgemacht, um diese Aktivitten zuuntersttzen bzw. neue Aktionenanzustossen. Ziel ist somit, zu ei-nem Abbau psychischer Arbeits-belastungen und damit zur Ver-besserung der Gesundheitssitua-tion der Beschftigten beizutragen.

    Tausende Beschftigte, Vertrauens-leute und Betriebsrte haben sich inden vergangenen Jahren an den ver-schiedenen Tatort-Betrieb-Kampag-nen in Baden-Wrttemberg beteiligt.Auf die positiven Erfahrungen undErfolge kann bei der Behandlung desThemas psychischer Belastungenaufgebaut werden. Sicherlich geht eshierbei um ein nicht gerade einfach zubehandelndes Gesundheitsthema.Psychische Belastungen wurden lan-ge wie ein Tabu behandelt, ebensowie psychische Strungen oder Pro-bleme generell. Aber anders als dasWort psychisch hier nahelegt, fhrenpsychische Belastungen keineswegsin erster Linie zu psychischen Leidenim engeren Sinn. Vielmehr verursa-chen psychische Arbeitsbelastungenmit das Massengeschehen der weit-verbreiteten Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Rckener-krankungen.Das offizielle Arbeitsschutzsystem hat

  • 7

    die psychischen Belastungen im Ver-gleich zu den klassischen krperli-chen Belastungen lange vernachls-sigt. Whrend es zu Fragen des tech-nischen Arbeitsschutzes ein dichtesRegelwerk gibt, existiert im Bereichder psychischen Belastungen eineRegelungslcke. An diesem Umset-zungsdefizit hat auch das neue Ar-beitsschutzgesetz bislang wenig ge-ndert. Die Tatort-Kampagne wirddaher das Ziel haben, geltende Ge-setze und Schutzregelungen in denBetrieben zur Anwendung zu bringen.Neben den rechtlichen Grundlagenund Handlungsmglichkeiten fr Be-triebsrte und Belegschaften geht esin dieser Broschre darum, auchBasisinformationen zum Thema zuliefern:

    Worum geht es bei psychischenBelastungen an Arbeitspltzen inder Metallindustrie?

    Was sind psychische Belastungenund wie wirken sie?

    Was sind die Ursachen psychi-scher Belastungen und warum ha-ben sie gerade in letzter Zeit zuge-nommen?

    Wie kann je nach betrieblicherSituation ein Vorgehen gegenpsychische Belastungen ausse-hen? Wie knnen wir konkretschrittweise vorgehen und welcheInstrumente knnen wir einsetzen?

  • 1.1 Man kann nicht den ganzenTag hundertprozentig konzen-triert sein

    Herbert K. lehnt sich zurck, legt dieFsse hoch und macht es sich vorseinem PC bequem. Es ist Sonntag-nachmittag und der 52jhrige Dreherwidmet sich zu Hause seinem Hobby.Allerdings geht es im Moment nichtum Computerspiele. Herbert K.schreibt ein Programm fr seineCNC-Werkzeugmaschine, das er amMontag im Betrieb einsetzen will:

    Ich mach zu Hause auchProgramme fr die Arbeit. Ich pro-biere dann Sachen aus, wo ich imBetrieb gar keine Zeit und Ruhefr habe. Das ist was, was ichauch fr mich behalte - ich bin janicht dumm. Das ist mein Hobby,wenn ich Lust und Laune habe,mache ich das. Die Programmier-sprache ist basic, da haben wirschon alle mglichen Programmeselbst geschrieben. Den Com-puter hier hab ich mir vor 14Tagen neu gekauft. Der alte warerst zweieinhalb Jahre alt, denkonntest du vergessen. Fr das,was ich zu Hause fr die Arbeitmache, war der schon veraltet.

    In der Freizeit Programme fr dieArbeit zu schreiben, ist fr Herbert K.,ebenso wie fr die anderen CNC-Spezialisten in seinem Betrieb, nor-

    mal. Fast alle betonen, dass es hiereher um ihr Hobby geht und sie sichmit den zu Hause ausgetftelten Pro-

Recommended

View more >