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  • 3 Abdomen

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    C3.1 Krperliche Untersuchung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2353.2 Anamnese wichtiger Leitsymptome . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 257

    Hermann S. Fel

    3.1 Krperliche Untersuchung 3.1 Krperliche Untersuchung3.1.1 Anatomie und Physiologie 3.1.1 Anatomie und Physiologie

    Fr die Beschreibung und Dokumentation von Befunden wird das Abdomen bli-cherweise durch zwei gedachte Linien, die im Nabel senkrecht zueinander stehen,in vier Quadranten eingeteilt (Abb. C-3.1a). Die klassischen Bezeichnungen der neunRegionen, wie sie durch je zwei senkrechte und zwei waagrechte gedachte Linienentstehen, ermglichen eine weitere Differenzierung der Lokalisation von Befunden(Abb. C-3.1b). Anfnger in der klinischen Untersuchung vergessen oft, dass die wich-tigsten Organe der Bauchhhle vom knchernen Thorax umschlossen werden (zu-mindest in Exspiration). Die Projektion der Organe des Abdomens zu den vier Qua-dranten und in Relation zum Rippenbogen zeigt Abb. C-3.2.

    C-3.1 Einteilung des Abdomens in Quadranten

    rechter obererQuadrant (ROQ)

    rechter untererQuadrant (RUQ)

    linker obererQuadrant (LOQ)

    linker untererQuadrant (LUQ)

    Periumbilikal-region

    a

    Epigastrium 1 4

    2 5

    36

    Mesogastrium

    Hypogastrium

    Oberbauch

    1 Regio epigastr.2 Regio umbilicalis3 Regio pubica4 Regio hypo- chondrica5 Regio lumbalis (dextra, sinistra)6 Regio inguinalis (dextra, sinistra)

    Mittelbauch

    Unterbauch

    b

    C-3.2 Projektion der Organe zu den vier Quadranten

    a b c

    Fr die Beschreibung und Dokumentation vonBefunden wird das Abdomen i. d. R. in 4 Qua-dranten und 9 Regionen eingeteilt(Abb. C-3.1a und Abb. C-3.1b). Die klassi-schen Bezeichnungen ermglichen eine wei-tere Differenzierung der Lokalisation von Be-funden. Die Projektion der Organe zu den4 Quadranten und in Relation zum Rippenbo-gen zeigt Abb. C-3.2.

    aus: Fel u.a., Duale Reihe - Anamnese und Klinische Untersuchung (ISBN 9783131268853) 2014 Georg Thieme Verlag KG

  • Fr die klinische Befunddokumentation begngt man sich gerne mit einer schema-tischen Darstellung, dem sog. Sechseck des Abdomens. Es wird kranial von denbeiden Rippenbgen, lateral von den Flanken und kaudal von den beiden Leisten-bndern begrenzt, in seinem Zentrum befindet sich der Nabel (Abb. C-3.3).

    Aufgabe. Aufgabe.

    a) Zeichnen Sie die 4 wichtigsten Linien mit einem abwaschbaren Stift auf denBauch eines(r) Kollegen(in) und benennen Sie die dabei entstehenden 9 Regionendes Abdomens.b) Zeichnen Sie den McBurney- und den Lanz-Punkt auf dem Bauch ein!

    3.1.2 Vorbereitung zur Untersuchung3.1.2 Vorbereitung zur Untersuchung

    Anforderungen an den UntersucherAnforderungen an den Untersucher

    Vermitteln Sie dem Patienten das Gefhl, Sie seien jetzt nur fr ihn da. Sauberkeitder Hnde versteht sich von selbst! Gerade fr die Untersuchung des Abdomens, beider manchmal tief palpiert werden muss, sollten Sie auf kurz geschnittene Finger-ngel achten, um dem Patienten nicht weh zu tun. Setzen Sie sich auf die Bettkanteoder die Untersuchungsliege, damit Sie eine entspannte Krperhaltung haben. Un-tersuchen Sie mglichst mit warmen Hnden (evtl. durch Reiben anwrmen!).

    Anforderungen an den PatientenAnforderungen an den Patienten

    Der Patient sollte die Blase entleert haben. Bitten Sie ihn, sich auf eine Liege zu legenoder entspannt im Bett zu liegen, und lassen Sie ihn den Bauch frei machen. DieLeistenregion sollte entblt sein, Brust und Genitale bleiben zunchst bedeckt. ZurEntspannung der Bauchmuskeln sollte der Patient ein kleines Kissen unter dem Kopfhaben und die Beine anwinkeln. Die Arme sollte er entspannt neben den Oberkrperlegen (nicht unter dem Kopf verschrnkt, da dies die Bauchdecken dehnt und diePalpation erschwert).Sie lassen den Patienten zuerst die Zunge herausstrecken. In wenigen Sekunden ha-ben Sie dann bereits folgende Dinge auerhalb des Abdomens, aber mit enger Ver-bindung dazu wahrgenommen: Zunge feucht/trocken (Exsikkose), borkig/glatt (Sjgren-Syndrom), Papillenatro-phie (pernizise Anmie, Eisenmangel, Leberzirrhose), belegt (lange Nahrungs-karenz, Urmie, Soor)

    Mundgeruch? (Zeichen fr Alkoholgenuss, Ketoazidose, Urmie) (Tab. C-3.1) Zahnstatus? Schleimhute blass oder rosig? (Anmie, z. B. bei chronischer Blutung) Ein- oder beidseitige Parotisvergrerung? (Alkohol, Malnutrition, Tab. C-3.2) Haut- oder Sklerenikterus? (Hepatitis, Gallenwegsobstruktion)

    C-3.3 Sechseck des Abdomens (a) und Druckpunkte (b)

    a

    Rippenbgen

    Praktisch-klinisch wichtige Bezugspunktefr den Druck- und Loslassschmerz bei der akuten Apppendizitis sind:

    McBurney-Punkt: Mitte der Verbindungs-linie zwischen Spina iliaca ant. sup. und Nabel.

    Lanz-Punkt: Grenze zwischen dem rechtenund mittleren Drittel der Verbindungslinie zwischen beiden Spinae iliacae ant. sup.

    Nabel

    Leistenband

    b

    McBurney

    Lanz

    Fr die klinische Befunddokumentation ge-ngt i. d. R. eine schematische Darstellung,das sog. Sechseck des Abdomens(Abb. C-3.3).

    Vermitteln Sie dem Patienten das Gefhl, Sieseien jetzt nur fr ihn da. Kurz geschnitteneFingerngel und warme Hnde sind wichtig.

    Der Patient sollte mit entleerter Blase ent-spannt auf der Liege liegen. Ein kleines Kissenunter dem Kopf, die Beine angewinkelt unddie Arme neben dem Oberkrper entspannendie Bauchdecke.

    Beurteilen Sie zunchst die Zunge, den Zahn-status, die Schleimhute, die Parotis, die Hautund die Skleren. Achten Sie auf Mundgeruch(Tab. C-3.1 und Tab. C-3.2).

    236 C 3 Abdomen

    aus: Fel u.a., Duale Reihe - Anamnese und Klinische Untersuchung (ISBN 9783131268853) 2014 Georg Thieme Verlag KG

  • C-3.1 C-3.1 Foetor ex ore (s. a. S. 284)Ursachen Geruchscharakter

    Alkoholgenuss alkoholisch

    schlechte Mundhygiene, faule Zhne stinkend

    lngere Nahrungskarenz stinkend

    Gastritis suerlich

    ulzerse Gingivitis

    eitrige Tonsillitis, Diphtherie stinkend

    diabetische Ketoazidose fruchtartig

    Coma hepaticum wie frische Leber, slich

    Urmie wie Urin, ammoniakartig

    Ileus Fkalgeruch

    Lungengangrn stinkend

    Zyankalivergiftung Bittermandelgeruch

    C-3.2 C-3.2 Mgliche Bedeutung einer Parotis-Vergrerungbeidseitig einseitig

    alkoholassoziierte Parotitis

    Malnutrition

    schwere Exsikkose (Infektionen,Nierenversagen, Koma)

    Mumps

    Lymphom, Sarkoidose

    Sjgren-Syndrom

    Verlegung des Parotisausfhrungsgangs(Speichelstein)

    Tumorinfiltration der Parotis

    Gliederung der Untersuchung Gliederung der Untersuchung

    Die Untersuchung des Abdomens sollte in einer bestimmten Reihenfolge ablaufen,da z. B. die Palpation die Auskultation beeinflussen knnte. Lassen Sie sich zunchstZeit fr die sorgfltige Inspektion im Liegen, wobei Sie den Patienten unter Umstn-den husten oder pressen lassen. Bei V. a. Hernie sollte die Inspektion auch im Stehenerfolgen. Als Nchstes folgt die Auskultation der Darmgerusche. Danach perkutie-ren Sie das Abdomen und schlieen die Untersuchung mit der Palpation ab.

    3.1.3 Inspektion 3.1.3 Inspektion

    Merke.Merke. Strzen Sie sich nicht sofort mit den Hnden auf das Abdomen, sondernwidmen Sie der Inspektion ausreichend Zeit.

    Narben: Welche Narben hat der Patient, die Hinweise auf eine frhere Operationoder ein Trauma sein knnen (Abb. C-3.4)? Sind diese Narben reizfrei?

    Aufgabe.Aufgabe. Stellen Sie sich vor, Sie wren Chirurg und mssten die Schnittfhrungbei einer Appendektomie, Cholezystektomie, Magenoperation und einer Nieren-operation festlegen. Zeichnen Sie entsprechende Linien mit einem Stift auf denBauch eines Kollegen.

    Vorwlbungen: Spannt der Patient die geraden Bauchmuskeln an (z. B. beim Hinle-gen oder Aufrichten), so weichen bei der sog. Rektusdiastase die beiden Anteile desM. rectus auseinander, und zwischen beiden wlben sich der hervortretende Darmund das Mesenterium vor. Dieses Phnomen beobachtet man vor allem bei Frauen,die mehrere Kinder geboren haben, bei lteren Menschen und bei Personen mit lan-ge bestehendem Aszites (Abb. C-3.5).Achten Sie auf: Ernhrungszustand Dicke des subkutanen Fettgewebes Tonus der Muskulatur Hautturgor.

    Zunchst sollte die Inspektion im Liegen, ggf.auch im Stehen erfolgen, anschlieend dieAuskultation der Darmgerusche. DanachPerkussion und abschlieend Palpation.

    Frhere Operationen oder Trauma(Abb. C-3.4)?

    Vorwlbungen: Bei der Rektusdiastase wei-chen die beiden Anteile des M. rectus aus-einander, dazwischen wlben sich der Darmund das Mesenterium hervor (Abb. C-3.5).

    Achten Sie auf Ernhrungszustand, Dicke dessubkutanen Fettgewebes, Tonus der Muskula-tur und Hautturgor.

    C 3.1 Krperliche Untersuchung 237

    aus: Fel u.a., Duale Reihe - Anamnese und Klinische Untersuchung (ISBN 9783131268853) 2014 Georg Thieme Verlag KG

  • Wenn Vorwlbungen bestehen, so ist die Frage wichtig, ob diese symmetrisch imSinne eines aufgetriebenen Bauches oder lokal umschrieben sind. Mit der Ausnahmevon Tumoren beginnen die wesentlichen Grnde fr Vorwlbungen bzw. ein auf-getriebenes Abdomen mit F: Fett Flssigkeit (z. B. Aszites) Fetus (Schwangerschaft) Fzes Flatus.Fettbauch und der Bauch bei Aszites haben eine unterschiedliche Form: Der Bauchbei Aszites ldt in den Flanken aus (Froschbauch), der Fettbauch steht nach oben(beim liegenden Patienten). Achten Sie auf die Form des Nabels (Abb. C-3.6). Ist ereingezogen, so liegt meist eine Adipositas vor. Bei Aszites ist er flach oder sogar vor-gewlbt, Lage nach kaudal. In der Schwangerschaft wird er dagegen nach kranialverschoben.

    C-3.4 Narben als Hinweise auf frhere Operationen

    a

    Schnitt, Narbe

    1 medianer Oberbauchschnitt2 rechter Subkostalschnitt3 rechter Paramedianschnitt4 Oberbauchquerschnitt5 mediane

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