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  • Aus dem Institut fiir Pathologie der Tierarztlichen Hochschule Hannover Direktor: Prof. Dr. L.-Cl. Schulz

    Abteilung fur Immunpathologie Leiter: Prof. Dr. G. Trautwein

    Untersuchungen uber die Pathogenese der Aleutenkrankheit der Nerze')

    I. Veranderungen der Serumproteine

    Von

    G. TRAUTWEIN

    M i t li Abbildungen und 2 Tabellen

    (Eingegangen am 23. D e z r m b r r 196R)

    Als Aleutenkrankheit (A. K.) wird eine ansteckende Krankheit der Farm- nerze bezeichnet, welche in USA seit 1946 und in verschiedenen europaischen Landern seit 1959 beobachtet wird. Kennzeichnende Symptome dieser, meist subakut bis chronisch verlaufenden Krankheit sind zunehmende Storungen des Allgemeinbefindens, Kachexie, Blutungen auf der Mund- und Magenschleim- haut, Polyurie und Polydipsie (HARTSOUGH u. GORHAM, 1956; HELMBOLDT u. JUNGHERR, 195 8; TRAUTWEIN, 1963). Ein pathognomonisches Symptom ist die ausgepragte Hypergammaglobulinamie (HENSON u. Mitarb., 1961, 1962; KENYON u. Mitarb., 1963 a; TRAUTWEIN, 1963). Hierbei ist die Gammaglobu- linfraktion zunachst heterogen und lafit in Einzelfallen chronischer, monate- lang bestehender A. K. einen Obergang in eine homogene Fraktion vom Typ eines monoklonalen Gammaglobulins (1' G) erkennen (PORTER u. Mitarb., 1965 a; TRAUTWEIN, 1963). Das vermehrt gebildete Gammaglobulin besitzt eine Sedimentationskonstante von 7 bzw. 6,4 Svedberg-Einheiten (KENYON u. Mitarb., 1963 a ; PORTER u. Mitarb., 1965 b).

    Das histologische Substrat der Hypergammaglobulinamie ist eine gene- ralisierte, systemgebundene Plasmozytose. Weitere gewebliche Veranderungen sind durch Basalmembranverdickungen, Fibrin- und Amyloidablagerungen in den Nierenglomerula, Gallengangsproliferation in der Leber sowie Periarte- riitis nodosa in verschiedenen Organen charakterisiert (HELMBOLDT u. JUNG- HERR, 1958; HENSON u. Mitarb., 1966; KARSTAD, 1965; LEADER u. Mitarb., 1963; OBEL, 1959; TRAUTWEIN, 1963, 1964).

    Viele Beobachtungen sprechen dafur, dai3 die A. K. durch ein Agens von Virusnatur hervorgerufen wird. Die Krankheit lafit sich durch nichtfiltriertes

    1 ) Der Deutschen Forschungsgemeinschaft danken wir fur die finanzielle Unter- stiitzung.

  • Untersuchungen iiber die Pathogenese der Aleutenkrankheit der Nerze 739

    und filtriertes Organmaterial aleutenkranker Nerze auf Versuchsnerze uber- tragen (HENSON u. Mitarb., 1962; KARSTAD u. PRIDHAM, 1962; RUSSEL, 1962; TRAUTWEIN u. HELMBOLDT, 1962; TRAUTWEIN, 1963). Aui3erdem ist die A. K. durch Harn, Speichel, Blutserum und Serumfraktionen ubertragbar (GORHAM u. Mitarb., 1964; HENSON u. Mitarb., 1966 b; KENYON u. Mitarb., 1963 b). Das Agens der A. K. 1a13t sich in Serienpassagen von Nerz zu Nerz (GORHAM u. Mitarb., 1964; TRAUTWEIN, 1963) vertikal von infizierten Fahen auf die Feten (PADGET u. Mitarb., 1967) sowie in Wechselpassagen von Nerz uber Frettchen ohne Virulenzverlust auf den Nerz ubertragen (KENYON u. Mitarb., 1965). Fernerhin ist das Agens in der Ultrazentrifuge sedimentierbar (HENSON, 1963). Seine Groi3e wird auf 10-50 mp (GRAY, 1964; KARSTAD u. PRIDHAM, 1962) bzw. kleiner als 1Omp (BUKO u. KENYON, 1967) geschatzt. Es ist in einem weiten pH-Bereich relativ hitze- und formalinresistent (BURGER u. Mit- arb., 1965; GRAY, 1964). Verschiedene Versuche, das Agens der A. K. in vitro zu zuchten, waren bislang erfolglos; nur BASRUR und Mitarbeiter (1963) be- richten, dai3 das Agens in Nerzhodenzellkulturen degenerative Veranderungen hervorrufen soll.

    In neuen eigenen Untersuchungen wurde versucht, die Pathogenese der A. K. durch eine Kombination immunologischer, biochemischer, zytologischer, histologischer, immunhistologischer sowie elektronenmikroskopischer Unter- suchungen weiter aufzuklaren. Im ersten Teil der eigenen Untersuchungen werden die nach experimenteller Infektion mit dem Agens der A. K. auf- tretenden Veranderungen der Serumproteine dargestellt.

    Material und Methode Fur die Infektionsversuche fanden Farmnerze, wie Pastell, Palomino,

    Perlweii3 sowie einzelne Saphirnerze, die fur das Aleutengen heterozygot sind, Verwendung. Von A. K. freie Versuchsnerze stammten aus der Nerzfarm T. in LJRheinland, welche in den vergangenen funf Jahren im Rahmen des Pelz- tiergesundheitsdienstes tierarztlich uberwacht wird2). Bei den jahrlich durchge- fuhrten Untersuchungen auf A. K. sind Anzeichen dieser Krankheit weder klinisch noch pathologisch-anatomisch festgestellt worden. Von den 1966 und 1967 in den Versuchstierstall des Institutes verbrachten Nerzen starben vor Be- ginn der Versuche insgesamt sieben Tiere, wahrscheinlich infolge der Futterum- stellung.

    Bei allen Nerzen wurden vor der Infektion durch Herzpunktion zwei Blutproben fur die elektrophoretische Untersuchung und Gewinnung von Serumfraktionen in Abstanden von zwei bis drei Monaten entnommen. Insge- samt sechs Nerze starben an den Folgen der Narkose bzw. der Herzpunktion. Die Organe dieser Nerze erwiesen sich bei der histologischen Untersuchung frei von Veranderungen der A. K. Die bei allen Versuchsnerzen im Blutserum er- mittelten Werte fur y-Globulin lagen im Bereich der Norm, d. h. unter 20 rel.O/o. Somit konnte das Vorhandensein latenter A. K. praktisch ausgeschlossen und die Nerze als geeignetes Versuchstiermaterial angesehen werden.

    Samtliche Nerze wurden einzeln in getrennten Gehegen gehalten mit Separierung der nicht infizierten Kontrolltiere in einem zweiten Nerzschuppen.

    Als Futter erhielten die Versuchsnerze eine Futtermischung aus 50 O/o Pel- sifood-Futtermehl der Fa. Trouw (Leuth, Ndrh.), 40 O / o Schlachtabfalle und 10 O / o Pelsivit-Trouw (Supplement aus Zerealien und Wirkstofien) sowie Wasser ad libidum.

    *) Herrn Dr. H.-J. BIENICK, VeterinHruntersuchungsamt Krefeld, danke ich fur die Vermittlung der Versuchsnerze.

  • 740 G. TRAUTWEIN

    Zahl der Nerze IGesamtzahl: 511

    In fektionsversuche Agens der Aleutenkuankheit. Das fur die Infektionsversuche benutzte Or-

    ganmaterial (Stamm SK/66) stammte von Nerzen aus einer rnit A. K. ver- seucliten Nerzfarm S. K. in M., Westfalen.

    Anlafllich der Abpelzung wurden von vier aleutenkranken Nerzen Leber, Niere und Milz unter sterilen Bedingungen entnommen und bis zum Beginn des ersten Ubertragungsversuches drei Monate bei - 20' C tiefgefroren. Nach Wiederauftauen wurden die Organe der vier Nerze mit einem Homogenisator (Ultra-Turrax, Fa. Janke u. Kunkel, Staufen) homogenisiert und mit phos- phatgepuff erter phys. NaCl zu einer 10 O/oigen Suspension verarbeitet. Die Organsuspension wurde 15 Minuten Lei 15 000 U und 4' C zentrifugiert und der Oberstand anschlieflend an die Versuchsnerze intraperitoneal verimpft.

    Irzfektiositatstest. In einem orientierenden Versuch mit zwei 9 Monate alten Nerzen wurde die Infektiositat des A. K.-Stammes SK/66 gepruft. Die Nerze erhielten jeweils 2 ml des Oberstandes der Organsuspension intraperi- toneal injiziert. Bei den funf Wochen post infectionem (p. i.) durchgefuhrten Serum- und Organuntersuchungen wurden die Fruhveranderungen der A. K. festgestellt. Nachdem somit die Infektiositat des Stammes AK/66 sichergestellt war, wurde der eigentliche Obertragungsversuch begonnen.

    1. Obertragungsversuch Insgesamt 22, zehn Monate alten Versuchsnerzen (10 Pastell und 12 Palo-

    minos) wurde 2 ml des Oberstandes der Organsuspension SK/66 intraperito- neal injiziert. Acht Kontrollnerze (5 Pastell, 3 Palomino) erhielten 2 ml phos- phatgepuff erte NaCl intraperitoneal injiziert.

    2. Obertragungsversuch Insgesamt 29, sechs Monate alten Versuchsnerzen (6 Pastells, 16 Pearls,

    7 Saphire) wurde 2 ml des Oberstandes der Organsuspension SK/66 intraperi- toneal injiziert. Sechs Kontrollnerze (drei Pastells, drei Pearls) erhielten 2 ml phosphatgepuff erte NaCl intraperitoneal injiziert.

    Blutentnahmen fur elektrophoretische Untersuchungen erfolgten im ersten Monat nach der Infektion in wochentlichen und danach in vierwochentlichen Abstanden.

    Die Zahl der in den einzelnen Phasen der experimentellen A. K. gestor- benen sowie im kranlten bzw. moribunden Zustand getoteten Nerze ist in Ta- belle 1 zusammengestellt. Die Kontrollnerze beider Versuche wurden sechs Monate bzw. 12 Monate p. i. getotet.

    Tabelle 1 Zahl der in einzelnen Phasen der experimentellen A. K. gestorbenen

    bzw. getoteten Versuchsnerze

    Wochen p. i. Monate p. i . 3 4 5 7 9 3 4 5 6 7 8 9 12 5 6 3 1 6 7 8 3 2 5 ' 1 1 5

    1 1 - 1 1 - - - - I I - 1 1 - 5 5 2 1 5 7 7 2 2 5 1 1 3

    Blutentnahme. Zur Gewinnung grofierer Serummengen vor Beginn und bei Beendigung eines Infektionsversuches erfolgte die Blutgewinnung unter Kthernarkose durch Herzpunktion. Bei den 1aufend.en Blutentnahmen wah- rend des Versuchs wurde nach Abschneiden einer Kralle Blut mittels Kapillar- rohrchen gewonnen und das Serum durch kurzes Zentrifugieren in einer

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    Mikrohamatokrit-Zentrifuge (Fa. Hawksley, Lancing, England) abgetrennt. Das so gewonnene Serum wurde anschlieflend zur elektrophoretischen Auf- trennung auf vorbereitete Papierelektrophoresestreifen aufgetragen.

    Papierelektrophorese. Die papierelektrophoretische Untersuchung der Serumproben erfolgte rnit einer LKB-Elektrophoreseapparatur (Fa. LKB Produkter AB, Stockholm, Schweden) unter Verwendung von Filtrierpapier- streifen (Schleicher & Schull, Nr. 2943 B). Als Puffer benutzten wir einen modifizierten TRIS-Puff er, p H 8,6, Ionenstarke 0,l. Die Auftrennung der Serumproteine erfolgte wahrend acht Stunden bei 220 V und 8 mA. Nach Trocknung wurden die Papierstreifen mit Amidoschwarz B gefarbt und in einem Gemisch von Methanol-Eisessig entfarbt. Die Auswertung der Elektro- pherogramme erfolgte mit einem Zeiss-Extinktions- und Integralschreiber.

    Polyacrylamidgel-Elektrophorese. Die elektrophoretische Auf

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