zauberwort cleantech . la formule magique: cleantech

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  • forum Juli . Juillet 2012 2ZauberWort CleanteCh . la formule magique: CleanteCh

    FachFrauen UmweltProfessionnelles En Environnement

    Sw

    isso

    lar

  • Editorial

    liebe faChfrauen

    Chres Professionnelles

    Cleantech scheint die Lsung fr viele Umweltprobleme zu sein:

    Der Klimawandel knne damit gestoppt werden, die Ressourcen

    effizienter eingesetzt und Umweltverschmutzungen reduziert

    werden, so wird versprochen. Diese saubere Technologien sind

    das moderne perpetuum mobile: Sie bringen uns Menschen eine

    Leistung, ohne aber die Umwelt zu schdigen. Cleantech will nur

    erneuerbare Ressourcen einsetzen und gleichzeitig den Ausstoss

    an treibhausrelevanten Gasen reduzieren. Der Anspruch ist hoch.

    Die Entwicklung muss in diese Richtung gehen, die Endlichkeit

    vieler Ressourcen und der Klimawandel zwingen uns dazu. Trotz

    dieser neuen sauberen Technologie werden sich wohl sptere

    Generationen mit dem Beseitigen von Schden beschftigen ms-

    sen, die wir jetzt noch nicht sehen knnen oder wollen.

    In diesem FORUM findet Ihr verschiedene Artikel von FachFrauen,

    die sich mit Cleantech beschftigen. Sie haben fr Euch einzelne

    Aspekte in der grossen Cleantech-Welt mit einem kritischen Auge

    betrachtet.

    Claudia frick

    neue fachfrauennouvelles Professionnelles

    Carole Adolf, BernEsther Brtschi, Zrich

    Annina Battaglia, WinterthurElke Bergius, Bern

    Denise Camenisch, HorgenCorinne Chatelanat Corbat, Grand-Lancy

    Josephine Cueni, ZwingenEsther Delli Santi, Regensdorf

    Anne Dubuis, LausanneAnna Eichholzer, Bern

    Lea Eymann, ZrichAnnick Fardel, Ropraz

    Daniela Flck, NiederwangenJudith Gasser, Bern

    Louise Gilbert, GenvePierrette Griessen, Courfaivre

    Brigitt Hausammann, BernKarin Hilfiker, Zofingen

    Eva Hirsiger, ZrichNathalie Hubaux, Zurich

    Doris Kelpe, KyburgKatharina Lindenmann, Basel

    Clia Marcon, OrbeLorenza Marconi, Semione

    Diana Marti, ZrichDaniela Meyer, Bern

    Daniela Mller Brodmann, RheinfeldenSina Rall, Zrich

    Charlotte Salzmann, ZrichKarin Sartori, Zrich

    Charlotte Schlpfer, BernAnnemarie Schneider, Grosshchstetten

    Natascha Torres, LuzernEva Tschumi, Au

    Stephanie Tuggener, ZrichNomi Uehlinger, Marthalen

    Carine Vergeylen Gottraux, GenveAndrea von Allmen, ZugBarbara Wegmann, Basel

    herzlich willkommen bei den ffubienvenue chez les Pee

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    und fhren bis heute zu vielen Grundsatz-diskussionen.

    Die Intensitt des Anbaus beispiels-weise von Raps oder Zuckerrohr verrt, wieso im biogenen Treibstoff nicht nur Natur drin ist. Der Anbau der Kulturen mit Dnger und Pflanzschutzmitteln, der Einsatz von Maschinen sowie die weiteren Verarbeitungen wiegen die Vorteile des Die-sel- oder Benzinersatzes schnell einmal auf. ber die gesamte Produktionskette sum-mieren sich Emissionen und Ressourcenver-brauch. Wenn neben der CO2-Bilanz weitere Umweltwirkungen wie die Schadstoffein-trge in Bden oder die berdngung von Gewssern betrachtet werden, ergibt sich nur fr die Verwertung von biogenen Ab-fllen ein durchwegs positives Bild. Zu-dem zeigt die Konkurrenzsituation mit der

    CleanteCh-fehlurteileWas naturnah ist, ist auch Cleantech. Dies scheint die landlufige Meinung zu sein. Doch um zu

    wissen, was wirklich umweltschonend ist, sind kobilanzen ntig. Deren Einsatz zeigt, dass bei der

    Planung von Massnahmen hufig die Prioritten falsch gesetzt werden. Conny Stettler

    Das Thema Umwelt hat in der Bevlkerung und der Industrie eine steigende Akzeptanz und Relevanz. Entsprechend wchst auch das Angebot von Cleantech-Produkten und -Dienstleistungen. Wie wirksam diese sind, lsst sich nicht so ohne weiteres beantwor-ten. Im Fokus stehen meist gut sichtbare Aspekte, wie der ablesbare Energiever-brauch oder die anfallende Abfallmenge. Ist jedoch mit deren Reduktion ein wesent-licher Schritt zur Optimierung der Umwelt-bilanz getan? Kann ausgeschlossen werden, dass eine Verbesserung einzelner Grssen, beispielsweise die CO2-Bilanz, nicht zu an-deren Umweltschden fhrt?

    Meine Erfahrungen mit kobilanzen zeigen, dass eine Gesamtbetrachtung mit den vor- und nachgelagerten Prozessen wesentlich ist, um die Relevanz von Clean-

    tech-Massnahmen richtig einschtzen zu knnen. Nur so kann der Hebel dort ange-setzt werden, wo es sich am meisten lohnt. Im Idealfall erfolgt eine entsprechende Analyse in der Planungsphase von Vern-derungen und Optimierungen. Die folgen-den Fehlurteile sollen aufzeigen, weshalb eine Gesamtbetrachtung mit Hilfe einer kobilanzierung dabei sinnvoll ist.

    natrlich ist nicht immer besserMein Bauchgefhl sagt mir: Was die Natur produziert ist gut. Der Einsatz von Bio-energie wre somit sinnvoll und der da-mit erzielte Ersatz von fossilen Treib- und Brennstoffen klingt nach Cleantech-Po-tenzial. Die seit der Pionierphase der Bio-energie erstellten kobilanzen zeigen aber, anders als erwartet, ein weniger klares Bild

    Cleantech

    Rapsl als Treibstoff ist wegen der aufwndigen Produktion nicht unbedingt umweltschonender und damit cleaner als Benzin oder Diesel.

    Co

    lour

    box

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    tungen die so genannte kobilanz hilft, das Optimierungspotenzial von Massnah-men besser zu erfassen und zu beurteilen. Dies erleichtert den Entscheidungsprozess fr Investitionen. hnliche Analysen ha-ben in der Lebensmittelindustrie zu einer Korrektur der Wahrnehmung gefhrt. Zu-nehmend werden ber die Verpackung hi-naus Produktanalysen erstellt und damit Rohstoffe fr den Verpackungsinhalt sowie entsprechende Verluste thematisiert.

    Zauberwort Cleantech?Dank dem Cleantech Einsatz sind bereits ei-nige Erfolge erzielt und damit Emissionen verhindert oder Ressourcen geschont wor-den. Ich freue mich ber diese Entwicklung. Leider folgt eine gewisse Ernchterung bei der Betrachtung der Produktionszahlen. Steigende Absatzzahlen gehren zum wirt-schaftlichen Erfolg. Stagnieren sie, gilt dies bereits als Vorzeichen des Untergangs. Eine Cleantech-Reduktion der Umweltwirkun-gen um zehn Prozent wird aber bei einem Wachstum von drei Prozent bereits nach drei Jahren kompensiert. Neben dem Zau-berwort Cleantech sind deshalb noch einige Zauberformeln fr ein gesundes Konsum-verhalten und Wirtschaftswachstum not-wendig.

    FachFrau Conny Stettler ist Naturwissenschafterin ETH und arbeitet bei der Carbotech AG. Dort ist sie als Projektleiterin zustndig fr kobilanzierungen und Stoffflussanalysen.

    Nahrungsmittelproduktion, dass nicht nur Energie, sondern auch Ackerland eine be-grenzte Ressource darstellt, mit der sorgsam umzugehen ist.

    ganzer lebensweg ist entscheidendZu einem hnlichen Fehlurteil wie bei der Bioenergie verleitet der Cleantech-Slogan cradle to cradle fr Naturprodukte, wenn dabei der Aufwand fr den Anbau und die Verarbeitung der Produkte ausgeblendet wird. Mir persnlich gefallen Kleider, Ver-packungen und Geschirr aus natrlichen Rohstoffen und die Vorstellung, dass diese nach Gebrauch biologisch abbaubar sind. Ich bin mir aber bewusst, dass ich alleine damit noch keine Garantie auf ein insge-

    samt kologischeres Produkt erhalte gera-de wegen den Umweltbelastungen, die beim Anbau der Rohstoffe entstehen.

    effiziente massnahmen im fokusWeniger diskutiert aber genauso schwer-wiegend sind Fehlurteile bei der Auswahl von Cleantech-Massnahmen. Ist jede Re-duktion, beispielsweise von Abfllen oder Energiebedarf, ein Erfolg? Grundstzlich halte ich auch kleinere Verminderungen fr begrssenswert, denn viele Tropfen hhlen den Stein. Auffallend oft kreisen die Bem-hungen jedoch um dieselben Themen wie Verpackungen und Abflle, unabhngig da-von wie relevant diese sind. Dies mag am beschrnkten Handlungsspielraum liegen, aber auch an der strkeren Wahrnehmung einzelner Probleme. Vergessen wird dabei oft, dass Geld auch eine endliche Ressource ist, welche gegebenenfalls fr die Realisie-rung von effizienteren Massnahmen fehlt.

    Die Analyse der Umweltwirkungen ei-nes milchverarbeitenden Betriebes zeigt dazu eine Erkenntnis, welche fr viele Betriebe gilt: Die wesentlichen Umweltauswirkun-gen ergeben sich durch die vorgngige Pro-duktion der Rohmaterialien. Entsprechend relevant ist im Betrieb die Vermeidung von Rohstoffverlusten. Die hufig thematisierten Verpackungen und Abflle sind von unter-geordneter Bedeutung (siehe Grafik).

    Die Betrachtung des gesamten Le-bensweges von Produkten oder Dienstleis-

    Cleantech : erreur de jugementAcquise est lide que les pollu-tions environnementales seraient diminues avec lutilisation dune plus grande quantit de matires premires dorigine naturelle. Mais lexemple du bio carburant montre que chaque tape de production doit tre considre, de la culture au produit fini. De tels produits se rvlent en effet tout aussi nfastes que lessence ou le diesel. Afin dop-timiser une production cologique, le cycle de vie doit tre valu. Ceci est possible grce aux cobilans.

    analyse der umweltwirkun-gen einer glacproduktion nach der methode der kologischen Knappheit, kofaktoren 2006 (beitr-ge

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    trotz hoher Kaufkraft in der Schweiz auf Frdermassnahmen angewiesen. Eine Road Map der Schweizerischen Mobilittsakade-mie nennt drei Top-Prioritten, die die Ver-breitung erleichtern wrden:

    Der Aufbau einer landesweiten Ladeinfrastruktur.

    Die Elektrifizierung betrieblicher Fahrzeugflotten.

    Die Ausweitung des E-Fahrzeug- angebotes.

    Vorteil energieeffizienzDer energetische Vorteil des Elektromotors liegt auf der Hand. Der Elektromotor setzt 90 bis 98 Prozent der eingesetzten Ener-gie in Antriebsenergie um, beim Verbren-nungsmotor verpuffen etwa zwei Drittel der eingesetzten Energie als Wrme. Eigentlich kutschieren wir mit unseren heutigen Autos kleine Heizfen in der Gegend herum. Die Elektromobilitt ble