Studieren 2.0: Digital Natives in Zeiten von Bologna

Download Studieren 2.0: Digital Natives in Zeiten von Bologna

Post on 07-Apr-2018

219 views

Category:

Documents

0 download

Embed Size (px)

TRANSCRIPT

<ul><li><p>8/4/2019 Studieren 2.0: Digital Natives in Zeiten von Bologna</p><p> 1/15</p><p>Arbeitsbericht Vernetztes Lernen September 2011</p><p>http://elearning.tugraz.at - Technische Universitt Graz 1</p><p>Martin EBNER1[, Walther NAGLER] (Graz)</p><p>Studieren 2.0:Digital Natives in Zeiten von Bologna</p><p>Zusammenfassung</p><p>Kernthemen der Bologna Follow-up Group sind die Aktionslinien LebenslangesLernen, Mobilitt und Studierendenzentriertes Lernen. Die Abteilung VernetztesLernen der Technischen Universitt Graz ist der Frage nachgegangen, in wieweitdie Bologna-Ziele auch den Wnschen und Anliegen der Studierenden undLehrenden fr den Teilbereich E-Learning entsprechen? Basis der Diskussion sinddrei unabhngige Untersuchungen: die Erstsemestrigen-Befragung, die Umfrage</p><p>Studieren 2020 und die Zukunftswerksttten 2010 des Vereins Forum neueMedien Austria mit der Thematik Studieren und Lehren 2020. Das Ergebnis zeigt,dass die Auswirkungen des Bologna-Prozesses wohl in den Curricula zu findensind; im Geschehen im Hrsaal spiegeln sich Vernderungen nur rudimentr wider,werden aber sehr gefordert!</p><p>Schlsselwrter</p><p>Digital Natives E-Learning 2020 Web 2.0 Technische Universitt Graz FNM-Austria</p><p>Study 2.0:</p><p>Digital Natives in Times of Bologna</p><p>Abstract</p><p>Focuses of the Bologna Follow-up Group amongst others are the topics Life longlearning, Mobility and Student-centred learning. The Department for SocialLearning at Graz University of Technology addresses the issue how far theBologna process meets the requirements and requests of students and teachers in</p><p>the field of e-learning? On base of three stand-alone investigations the subject isdiscussed: the freshmen survey, the poll Study 2020 and the futur-labs 2010 ofthe Forum neue Medien Austria called Study and Teaching in 2020. The resultsexpress that Bologna has been realized within the curricula at least but hasrudimentarily reached the classroom so far and is yet strongly requested!</p><p>1 e-Mail: martin.ebner@tugraz.at</p></li><li><p>8/4/2019 Studieren 2.0: Digital Natives in Zeiten von Bologna</p><p> 2/15</p><p>Arbeitsbericht Vernetztes Lernen September 2011</p><p>http://elearning.tugraz.at - Technische Universitt Graz 2</p><p>Keywords</p><p>Digital natives E-learning 2020 Web 2.0 Graz University of Technology FNM-Austria</p><p>1 Einleitung</p><p>Der tertire sterreichische Bildungssektor ist seit dem Beginn der EU-Initiativezur Harmonisierung des europischen Hochschulraumes in den 1990ger Jahren imwahrscheinlich strksten Umbau seiner bisherigen Geschichte. Mit der BolognaErklrung im Juni 1999 wurde dazu nicht nur der offizielle Startschuss gegeben,sondern auch die Richtlinien und deren Umsetzung bis 2010 festgelegt. Nach einerReihe von Anpassungen der Bologna-Erklrung (Prag-, Berlin-, Bergen- undLondon-Kommuniqu) kam es im Mai 2009 in Leuven zu einer vorlufigenPriorittensetzung fr den Zeitraum 2010 bis 2020 durch die Bologna Follow-upGroup. Unter den Prioritten finden sich Schlagwrter wie Lebenslanges Lernenund Mobilitt, Studierendenzentriertes Lernen sowie Lehrziel (teaching mission)der Hochschulbildung.</p><p>Praktisch zeitgleich mit dieser Entwicklung kam es auch in der digitalenGesellschaft zu mageblichen Vernderungen, die schlielich im Begriff des Web2.0 (OReilly, 2004) mndeten, welcher als Synonym eines neuen Umgangs mitInformationen und Kommunikationsstrukturen verstanden werden will. DieErrungenschaften moderner mobiler Endgerte, die Bildung weltweiter, riesigerber das Internet vernetzter Systeme von realen Menschen (z.B. Facebook) und die</p><p>Macht des ffentlichen Journalismus (z.B. Twitter ), der durch diese Systemeermglicht wird, sind nur ein paar der sprbaren gesellschaftsrelevantenAuswirkungen. Damit einhergehend haben sich auch die Mglichkeiten undMethoden computeruntersttzten Lehren und Lernens stark gewandelt.</p><p>Am Beispiel der Technischen Universitt Graz (TU Graz) soll aufgezeigt werden,wie diese beiden Prozesse zusammenwirken und welchem enormen Wandel eineklassische Prsenzuniversitt in den letzten Jahren einerseits durch das digitaleZeitalter andererseits durch den Bologna-Prozess unterworfen ist. Die Bologna-Ziele wurden an der TU Graz zeitgerecht und in allen Punkten vollstndigumgesetzt bzw. laufend verbessert. Strukturelle Manahmen, die komplette</p><p>Neugestaltung der Curricula, die Umstellung auf das ECTS-System, die Schaffungvon Doctoral Schools sowie die strkere Verknpfung mit der Wirtschaft (z.B.Frank Stronach Institute ) sind nur die Kernstcke dieses Wandels. Es hat sichgezeigt, dass sich dabei beide Prozesse einander in sinnvoller Weise ergnzen undzur beiderseitigen Zielfhrung positiv beeinflussen. Dies konnte nur durch Bildungneuer strategischer Posten in der Organisationsstruktur der TU Graz erreichtwerden, welche die Anforderungen an die Lehre (und Forschung) unter Bolognawesentlich untersttzen sollten.</p><p>Die TU Graz kann auf eine langjhrige erfolgreiche Umsetzung voncomputergesttzten Lehren und Lernen zurckblicken (Ebner et al, 2010). Das in</p><p>den spten Neunzigerjahren an der TU Graz entwickelte Verwaltungsprogramm fr</p></li><li><p>8/4/2019 Studieren 2.0: Digital Natives in Zeiten von Bologna</p><p> 3/15</p><p>Arbeitsbericht Vernetztes Lernen September 2011</p><p>http://elearning.tugraz.at - Technische Universitt Graz 3</p><p>Universitten CAMPUSonline wird mittlerweile an ber 25 sterreichischenUniversitten, Fachhochschulen und Pdagogischen Akademien, sowie an derTechnischen Universitt Mnchen verwendet und kann als eines der erstenInformationssysteme zur vollstndigen Verwaltung an Universitten bezeichnet</p><p>werden. Mit Herbst 2006 wurde die Abteilung Vernetztes Lernen als zentraleServicestelle fr alle E-Learning Aktivitten der TU Graz, eingebunden imZentralen Informatikdienst, gegrndet, um technologiegesttztes Lehren undLernen an der TU Graz zentral gesteuert zu etablieren. Darber hinaus versteht sichdie Abteilung Vernetztes Lernen auch als Forschungseinrichtung im BereichTechnology Enhanced Learning. Zeitgleich entstand auch das Bro fr Life LongLearning an der TU Graz mit dem Schwerpunkt der Durchfhrung und Betreuungpostgradualer Lehrgnge. Diese Lehrgnge werden zu groen Teilen mittelsblended learning Anstzen durchgefhrt, um die Teilnahme fr Berufsttige soflexibel wie mglich zu gestalten. Da die blended learning Methode praktisch mit</p><p>E-Learning einhergeht arbeiten beide Serviceeinrichtungen in enger Kooperationzusammen. Beide Bereichsgrndungen sind also eine direkte Folge des Bologna-Prozesses unter Bercksichtigung der nationalen Leistungsvereinbarungenzwischen den Hochschulen und dem zustndigen Bundesministerium.</p><p>Nun tun sich aber von der Lehr- und Lernpraxis viele Fragen auf:</p><p> Wie werden diese Manahmen angenommen? Wie verndert sich die alltglich Bildungsarbeit? Was sind eigentlich heutige Ansprche einer modernen Lehre? Mit welchen digitalen Kompetenzen sind Lehrende und Lernende</p><p>ausgestattet, um diese Ziele besser zu erreichen?</p><p> Welche Vernderung wiederfhrt die Lehre durch die Zunahme anvirtuellen Lehr- und Lernanteilen?</p><p>Diese Fragen knnen beliebig erweitert werden, aber letztendlich geht es darum,die heutige Lehr- und Lernpraxis unter dem Einfluss von E-Learning systematischzu erforschen. In diesem Beitrag wollen wir anhand von Befragungen vonLehrenden und Studierenden herausarbeiten, wo die derzeitigen Problemfelderliegen. Zu aller erst wird gezeigt, ob die oftmals erwhnten, aber nie verifiziertenDigital Natives (Prensky, 2001) tatschlich an der Universitt angekommen sind</p><p>(Schulmeister, 2009; Schulmeister, 2010) und anschlieend, welche Ansprchediese an eine moderne Universitt von morgen stellen. Des Weiteren wirddiskutiert, ob sich der Anteil an Online-Elementen verschiebt bzw. verstrkt unddamit der Einfluss von Fernlehreelementen erheblich vergrert wird. DieserBeitrag umfasst einerseits Resultate, Interpretationen und Folgen von Befragungenan Erstsemestrigen, ExpertInnen, sowie ausgewhlten Studierenden und Lehrendenan der TU Graz als auch eine Analyse der vom Forum neue Medien Austriadurchgefhrten Zukunftswerksttten zu diesem Themenkreis.</p></li><li><p>8/4/2019 Studieren 2.0: Digital Natives in Zeiten von Bologna</p><p> 4/15</p><p>Arbeitsbericht Vernetztes Lernen September 2011</p><p>http://elearning.tugraz.at - Technische Universitt Graz 4</p><p>2 Beschreibung der Befragungen</p><p>2.1 Digitale Kompetenzen bei NeuanfngerInnen</p><p>Um das Potential fr die Umsetzung moderner Lehre besser einschtzen zuknnen, fhrt die Abteilung Vernetztes Lernen seit ihres Bestehens detaillierteUmfragen unter Erstsemestrigen durch (Ebner et al, 2008; Nagler &amp; Ebner, 2009;Ebner &amp; Nagler, 2010; Ebner et al, 2011). Der Umfang an einzelnen Datenstzenumfasst mittlerweile n=2858 (n2007=578, n2008=821, n2009=757 und n2010=702). DieUmfragen wurden im Zuge der jhrlich stattfindenden Informationsveranstaltungfr Erstsemestrige, den Welcome Days vor oder in den ersten Tagen des erstenSemesters mittels Papierfragebogen durchgefhrt. Schwerpunkte dieser Umfragensind einerseits, zu erfahren, welche Endgerte die neuen Studierenden mitbringenund andererseits, welche Kenntnisse, Fhigkeiten und Verhaltensweisen in Bezug</p><p>auf digitale Kommunikation und Verwendung von Web 2.0 Angeboten sie haben.Damit wird konsequent untersucht, mit welchen digitalen KompetenzenStudierende an die Universitt kommen (Ebner &amp; Schiefner, 2009), um darausresultierend eine entsprechende Lehr- und Lernumgebung zu etablieren.</p><p>2.2 Befragung von erfahrenen Studierenden</p><p>Mit Aspekten zur Fragestellung im Titel dieser Publikation wendete sich dieAbteilung Vernetztes Lernen im Sommersemester 2010 an Studierende mitErfahrung im Bereich Technologie gesttztem Lernen. Ziel der Befragung war es,die Vorstellungen, Wnsche und Tendenzen heutiger Studierender in Bezug auf die</p><p>Zukunft der universitren Lehre zu erfassen, soweit es inhaltlich zum SchwerpunktE-Learning gehrt. Die Befragung wurde online durchgefhrt.</p><p>2.3 Befragungen von erfahrenen Lehrenden</p><p>Derselbe Fragebogen der fr die Studierenden verwendet wurde, wurde mitgeringfgigen Adaptionen auch an Lehrende mit E-Learning Erfahrung an der TUGraz ausgesandt. Das Ziel blieb unverndert, nur sollte es diesmal aus derPerspektive der Lehrenden behandelt werden. Die Befragung wurde onlinedurchgefhrt.</p><p>2.4 Meinung von ExpertInnen</p><p>Ein Auslser der obigen Fragestellungen waren mehrere aktuelle Entwicklungennicht nur im universittsinternen Serviceangebot sondern auch der sterreichweiten E-Learning-Landschaft. So befasste sich auch der seit 2003 bestehendeVerein Forum neue Medien in der Lehre Austria (FNMA) 2010 in seinenZukunftswerksttten mit Themen zum Studieren und Lehren 2020. Im Rahmendieser Werksttten wurden gemeinschaftlich Ziele definiert, wie sich dieHochschullandschaft entwickeln sollte. Aufgrund aktiver Teilnahme der Autorenkonnte hier ein Eindruck gewonnen werden, wie ExpertInnen aus den Bereichen E-</p><p>Learning, Hochschuldidaktik sowie Lehrende und Lernende die Zukunft sehen.</p></li><li><p>8/4/2019 Studieren 2.0: Digital Natives in Zeiten von Bologna</p><p> 5/15</p><p>Arbeitsbericht Vernetztes Lernen September 2011</p><p>http://elearning.tugraz.at - Technische Universitt Graz 5</p><p>3 Auswertungen und Ergebnisse</p><p>3.1 Digitale Kompetenzen bei NeuanfngerInnen</p><p>Nach vierjhriger Befragung der jeweils Erstsemestrigen in den Jahren 2007 bis2010 kann festgestellt werden, dass die neu ankommenden Studierenden zwarimmer besser und umfangreicher mit technischen Endgerten ausgestattet sind, dieVerwendung von Web-2.0-Angeboten im Allgemeinen aber zurckhaltend ausflltund sich vor allem auf den privaten Gebrauch konzentriert. Internationale Trendswie der Boom der Social-Community-Plattform Facebook lassen sich an Hand derDaten ebenso gut nachvollziehen, wie der Umstand, dass eine leichte Verschiebungbezglich verwendeter Kommunikationskanle vom einfachen Telefonieren hin zuMicroblogging-Anwendungen stattfindet (siehe Abbildung 1). Auch der starkzunehmende Anteil an mobilen Endgerten (mit Internetzugang) geht einher mit</p><p>internationalen Entwicklungen. Zumindest ein Internetzugang am Studienort kannsomit jedenfalls vorausgesetzt werden. Der Einsatz von Web-2.0-Anwendungen zuLernzwecken bzw. Internet untersttztes Lernen findet nur selten statt. Bis auf dieVerwendung von Wikipedia wurde bisher faktisch nichts nennenswert in daseigene Lernverhalten bernommen. In gleichbleibendem Ma beliebt sindaudiovisuelle Inhalte, egal ber welche Quelle sie bezogen und auf welchemEndgert selbige konsumiert werden. Es kann also behauptet werden, dass dieDigital Naitives, oder New Millennium Learners wie sie auch genannt werden,infrastrukturell angekommen sind, jedoch nur einen Bruchteil der ihnen zurVerfgung stehenden Mglichkeiten nutzen (siehe Abbildung 2).</p><p>Abb. 1: Vergleich der Nutzung von Kommunikationswegen bei Erstsemestrigen ander TU Graz zwischen 2007 und 2010 (Ebner et al, 2011)</p><p>Der Einsatz von Technologie untersttztem Lehren und Lernen scheint somit in der</p><p>sekundren Bildungsebene noch nicht zum schulischen Alltag zu. Als</p></li><li><p>8/4/2019 Studieren 2.0: Digital Natives in Zeiten von Bologna</p><p> 6/15</p><p>Arbeitsbericht Vernetztes Lernen September 2011</p><p>http://elearning.tugraz.at - Technische Universitt Graz 6</p><p>Lernplattform in der Mittelschule wird entweder Moodle oder die eigeneSchulhomepage verwendet, wobei hier der Benutzungsgrad bei jeweils etwa 18%in der Kategorie oft und um die je 50% fr nie liegt. Andere schulischeLernplattformen auer Moodle existieren in der sekundren Bildungseben</p><p>praktisch nicht.</p><p>Abb. 2: Verwendung von Web 2.0 im berblick bei Erstsemestrigen an der TU</p><p>Graz 2010 in Absolutwerten. (Ebner et al, 2011)</p><p>Eine genauere Betrachtung der Ergebnisse liefert zudem interessante Details. Deranhaltend stetige Zuwachs bei Social Communities generell (studiVZ, MySpace,Xing ...) und der enorm hohe insbesondere bei Facebook ist bemerkenswert; derAnteil an Benutzern hat sich zwischen 2008 und 2010 von unter 60% auf ber 94%gesteigert. Dies hat auch bereits nachhaltig Auswirkungen auf dasKommunikationsverhalten der Studierenden. Die Werte fr bereits etablierteKommunikationswege sind fr Skype und Newsgroups seit dem enormen Anstiegvon Facebook rcklufig. Auf Grund der verschiedenen Mglichkeiten anInteraktionen und Kommunikationswegen die Facebook allein bietet, ist diese</p><p>Plattform auch fr Lehrzwecke grundstzlich interessant. Die Vernetzung bzw.Implementierung anderer Web-2.0-Anwendungen (zum Beispiel Twitter) kann hiernur von Vorteil sein und untersttzt sowohl die Akzeptanz wie auch dieHandhabung dieser. Die Studierenden sind zunehmend gewohnt, sichInformationen ber RSS-basierende Kanle zu holen, online zu editieren undMediendateien nicht nur ber E-Mail auszutauschen; auch social bookmarkingbzw. social tagging kann durchaus als bekannte Fhigkeit angenommen werden.Die aktive Verwendung von Medien-Communities wie YouTube oder Flickr ist frviele bereits fester Bestandteil ihres privaten Lebens geworden.</p><p>Wenngleich Facebook und andere vergleichbare Plattformen auch in sterreich</p><p>Gartners Hype Cycle (Gartner, 2009) durchmachen, so muss daneben betont</p></li><li><p>8/4/2019 Studieren 2.0: Digital Natives in Zeiten von Bologna</p><p> 7/15</p><p>Arbeitsbericht Vernetztes Lernen September 2011</p><p>http://elearning.tugraz.at - Technische Universitt Graz 7</p><p>werden, dass dies nicht fr alle international durchaus populr...</p></li></ul>