10 things we hate about Bologna

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<ul><li> 1. Diese Broschre ist ein Lckenfller: zwischen Impressum: Forderungskatalogen von Studierenden und Ingrid Strobl Lehrenden, Demo-Parolen und Flugblttern auf Arbeitergasse 19/17 1050 Wien der einen Seite und dem mittlerweile rasant an- wachsenden Berg von kritischen Kommentaren Info- &amp; Kontaktmglichkeiten: und Analysen zum Komplex Bologna auf der www.bolognaburns.com anderen Seite. Akademie der bildenden Knste http://www.malen-nach-zahlen.at Dieses Heftchen kann weder das eine noch Technische Universitt Wien das andere ersetzen. Das Ziel der an seinem pr.tubrennt@gmail.com http://twitter.com/tubrennt Zustandekommen beteiligten lehrenden, stud- ierenden und forschenden AktivistInnen der Uni- Universitt fr Bodenkultur Wien http://bokubrennt.soup.io proteste 2009/2010 war es vielmehr, die inhaltli- http://www.facebook.com/bokubrennt che und personelle Basis der gegenwrtigen und Wirtschaftsuniversitt Wien bevorstehenden Kmpfe zu weiten. wu-widerstand@gmx.at http://www.unserewu.at Zweierlei kam dabei zu kurz: Die Revolution ist das grte, alles andere ist Quark, sagte schon Lehrende &amp; Forschende: info.squatting.teachers@gmail.com Rosa Luxemburg zu Recht, und wer von Bologna redet, darf vom Kapitalismus nicht schweigen, Allgemeines &amp; knstlerisches Lehramt: KunstLaLA@gmail.com wrden wir ergnzen. Beiden den Raum zu geben, den sie gerade auch im Kontext der Uniproteste email-Liste: https://lists.univie.ac.at/mailman/listinfo/zukunft-d-wissenschaften verdienen, htte in vielerlei Hinsicht den Rahmen dieses Heftchens gesprengt. Die Diskussion um </li> <li> 2. diese und andere wichtigen Fragen wie beispiels- Ziele dieses hochschulpolitischen Reformproz- weise welches Migrationsregime mit Bologna esses. Der zweite Teil versucht sich zunchst verbunden ist, welche Zeitlichkeiten damit ei- an einer sehr kurzen Geschichte der Unirefor- gentlich in die Wissenszirkulation treten, wie sich men. Im brigen werden hier das sterreichweit an dieser Stelle Geschlechtlichkeit einfgt aber geltende Universittsgesetz 2002 das fr die auch, inwiefern es sich auch bei Uni Wien und EU-BildungsministerInnen als best practice- BOKU angesichts tausender Tierversuche jhrlich Beispiel fr Bologna gilt! sowie das Lehramt, um Apparate handelt, die Wissensproduktion vdas als nchstes bolognisiert werden soll, ex- mit Herrschaft und Gewaltfrmigkeit verbinden emplarisch als Beispiele herausgestellt, um das wird an immer mehr Orten, mit immer mehr Elend dieser Reform anschaulich zu machen. Beteiligten gefhrt und hoffentlich weiter ge- fhrt werden. Den Blick auf die vielseitigen Ver- Der dritte Teil greift in Form von 10 reasons why wicklungen der Hochschulen mit dem Rest der to hate Bologna etwas pointierter Probleme auf, Welt zu werfen, ist keine Realittsferne, sondern die fr Lehrende, Studierende und Forschende Realittsnhe: wir sind nicht einmal annhernd mit Bologna entstehen. Der vierte und letzte Teil so radikal wie die Wirklichkeit. Und berhaupt: schlielich stellt die Frage nach Form und Cha- Welche RealistInnen htten sich die Ereignisse rakter von Wissen und soll die Debatte um mgli- seit dem Herbst 2009 trumen lassen? che Alternativen zu Bologna ffnen. Schlielich kann ein Ende von Bologna erst der Anfang sein! Zurck zur Realittswatsche, zu der dieses Heftchen ansetzt. Es ist in vier Abschnitte geglie- Wiederholungen sind durch diese Struktur un- dert: der erste stellt die Eckpunkte von Bologna vermeidbar, dafr gibt es wenigstens in dieser kurz heraus, umreit knapp den institutionellen Broschre keine Voraussetzungsketten. In die- und ideologischen Kontext von Bologna und sem Sinn: viel Spa beim lesen! Wir sehen uns kommentiert jeden einzelnen der offiziellen bei den Protesten! </li> <li> 3. Gestatten, mein Name ist ... Bologna Wissensproduktion und Distribution werden du- rch die Bologna-Deklaration selbst unter eher kaufmnnischen Gesichtspunkten neu geor- dnet. Dabei werden Forschungsinstitute an ffentlichen Universitten aufgefordert, ihre Ar- beit allein durch Drittmittel zu finanzieren und Studierende in neue Zeit- und Effizienzlogiken ge- drngt. Neue brokratische Apparat- und Kon- trollstrukturen wie beispielsweise Qualittsman- agement werden bei der Umsetzung ausgebaut und gleichzeitig Erfolgsbilanzen in Hochglanzbro- schren gedruckt. Marion von Osten 2010, AudiMarx 2 </li> <li> 4. F: Who the f***? A: Bologna ist die Kurzform fr den Bologna- Prozess, der mit der Bologna-Deklaration 1999 gestartet wurde. 29 BildungsministerInnen erk- lrten, bis 2010 einen europischen Hochschul- raum (EHR) schaffen zu wollen. In weiteren Dokumenten (v.a. Prager Communiqu 2001, F: Bologna ist gltiges EU- Berliner Communiqu 2003) wurde Bologna spezifiziert. Die acht Hauptpunkte sind: 1. eine Recht. Ist der Zug also erst hhere Verstndlichkeit und Vergleichbarkeit einmal abgefahren? der Studienabschlsse 2. Einfhrung eines zwei bis dreistufigen Systems von Studiengngen 3. A: Nein! Bei Bologna handelt es sich um Ver- Einfhrung des Leistungspunktesystems (ECTS) einbarungen von nationalen BildungsministerIn- 4. Grenzberschreitende Mobilitt fr Lernende nen, ohne Beratung oder Beschlsse durch Par- und Lehrende 5. Europische Zusammenarbeit lamente. Erst letztere interpretieren Bologna bei Qualittssicherung und Akkreditierung von und machen es zu nationalem gltigen Recht. Ob Abschlssen 6. Lebenslanges Lernen als Grund- Bologna also heit, dass Hochschulabschlsse lage des Europischen Hochschulraums (EHR) 7. auch in anderen Lndern gelten oder unsere Studierende und Hochschulen sollen bei der Ge- Studien neoliberal umgemodelt, verschult, de- staltung des EHR mitmachen 8. Die europische qualifiziert und brokratisiert werden, liegt in Dimension in der Hochschulfrderung soll der politischen Verantwortung unserer Regier- gestrkt werden ungen und MinisterInnen. </li> <li> 5. Das Klein- gedruckte F: Warum sind die europischen BildungsministerInnen so und seine Ghostwriter versessen auf Bologna? A: Die Bologna-Deklaration ist uerst vage ge- halten, das lsst den nationalen Regierungen viel Spielraum. In den verschiedenen Lndern lassen sich nun viele alte Wnsche (Entdemokratisier- ung, Dequalifizierung, Einsparungen usw.) mit Verweis auf die EU leichter durchsetzen. Je sch- neller und selbstverstndlicher das getan wird, desto effektiver lsst sich Gegenwehr minimieren Es geht um die konomisierung der Verhaltensori- und Fakten schaffen. Was Bologna mit dem s- entierungen der Individuen von der Wiege bis zur terreichischen Universittsorganisationsgesetz Bahre, um die Erzeugung eines Bildungsverstnd- zu tun hat, warum Bologna nur im Zusammen- nisses, das sich ausschlielich am konomischen hang mit der Lissabon-Strategie zu verstehen ist und wie die Unis das wurden, was sie heute sind, an Unternehmens- und Arbeitsmarkterfordernis- erfhrst Du auf den folgenden Seiten. sen [...] ausrichtet. Ingrid Lohmann 2002 </li> <li> 6. Bologna + Lissabon = McCampus &amp; Hartz 4? : Die Lissabon-Strategie (auch -Prozess oder -Agenda) ist der grere Kontext, innerhalb dessen Bolo- gna ein wichtiger Zwischenschritt ist. Der Bolo- gna-Prozess ist also nicht ohne Lissabon-Strat- egie zu verstehen. Mit Lissabon ist ein im Mrz Zurufe von rechts oben: Obwohl von niemandem 2000 auf einem Sondergipfel der europischen dazu beauftragt, bringt die europische Kom- Staats- und Regierungschefs in Lissabon verab- mission durch Herausgabe von Empfehlungen, schiedetes Programm gemeint, das zum Ziel hat, Berichten und Mitteilungen den Bologna-Prozess die EU innerhalb von zehn Jahren, also bis 2010, in eine Richtung, von der im Wortlaut der Bolo- zum wettbewerbsfhigsten und dynamischsten gna-Deklaration nichts steht. Diese Zusatz-Do- wissensgesttzten Wirtschaftsraum der Welt kumente werfen ein klareres Bild auf die realpo- zu machen (das sind die sog. vier W von Lissa- litischen Ziele von Bologna. Als Stichwortgeber bon). Dieses Begehren findet sich auch in den dieser Bildungspolitik fungieren dabei u.a. ein- Manahmen und im Namen der Agenda 2010 flussreiche Unternehmenslobbygruppen wie der der Bundesregierung Schrder wieder, wohin ERT (European Round Table of Industrialists) oder das in Deutschland fhrte ist bekannt: massen- die UNICE (Union of Industrial and Employers hafte Hartz-4-Vereledung auf der einen Seite, der Confederations of Europe). In sterreich sind es Traum von elitren Exzellenz-Clustern auf der die Stellungnahmen und Diskussionspapiere der anderen Seite. Lissabon findet hinsichtlich der Industriellenvereinigung und Wirtschaftskam- Forderung nach hheren Bildungsausgaben klare mer, die jeden Schritt in Richtung wirtschaftli- Worte: Die Kommission schlgt hier drei Mglich- cher Verwertbarkeit und Entdemokratisierung keiten vor, nmlich privates Sponsoring, die kom- der Unis bejubeln und nicht genug davon kriegen merzielle Nutzung von Forschungsergebnissen knnen. und Beitrge der Studierenden. </li> <li> 7. Die 8 Sulen von Bolognas un.heiliger Geist: anpassen/lernen/ arbeiten: Bildung und Wissen sind in der Re- formagenda der EU Schlsselbegriffe fr die per- Bologna manente Anpassungsfhigkeit der Arbeitskraft. Zugleich sollen ArbeitskraftunternehmerInnen diejenigen Lernfhigkeiten entwickeln, die fr das aktive Managen ihrer Beschftigungsfhig- keit (employability) erforderlich ist. Diese drei Begriffe sind so etwas wie die heilige Dreifaltig- Hohl und angenagt. keit des Bildungs- und Wissensbegriffs von Bo- logna: Anpassungsfhigkeit-Lernfhigkeit-Bes- Hier ein paar feste chftigungsfhigkeit. Tritte, nachtreten erwnscht! Warum wir Bologna hassen?: Was mit der Aufklrung immerhin als Selbstermchtigung des brgerlichen Subjekts begann, soll nun in etwas verenden, das nach einer AMS-Broschre klingt, die von einem arbeitslos gewordenen Hedgefond-Manager verfasst wurde. Darum has- sen wir Bologna! </li> <li> 8. 2. Bologna will die Einfhrung eines zwei bis dreistugen Systems von Studiengngen 1. Bologna will eine hhere Verstndlichkeit Durchgefallen! und Vergleichbarkeit der Studienabschlsse Das wird vom Wissenschaftsministerium als Durchgefallen! willkommener Anlass gesehen, Bachelor und Nicht einmal in sterreich oder in Deutschland Master einzufhren. Von Bologna wird das gar gibt es eine einheitliche Anerkennung von Ab- nicht gefordert! Hier ist lediglich die Zweistufig- schlssen, durch die hohe Zahl an neuen Studi- keit des Studiums vorgesehen als Einfhrung engngen kennen sich noch weniger damit aus, eines Systems, das sich im Wesentlichen auf was ein bestimmter Abschluss eigentlich bedeu- zwei Hauptzyklen sttzt. Einfache Lsung: den tet. Durchgefallen: Verstndlichkeit und Verglei- ersten Abschnitt als ersten Hauptzyklus definie- chbarkeit sollen vor allem durch Module, eine Art ren, schwups Problem gelst. Aber das interessi- Lehrstoffbaustein, erreicht werden. Konsequenz: ert unsere MinisterInnen nicht, was sie inter- extremer Verwaltungsaufwand fr Unibedien- essiert, sind Einsparungen an der Uni (vielleicht stete, Verschulung und Vorrausetzungsketten brauchen Banken bald wieder paar Milliarden), fr Studierende statt selbst bestimmtem Lernen und eine neue akademische Unterschicht auf und Lehren. dem Arbeitsmarkt. </li> <li> 9. 4. Europische Zusammenarbeit bei Qualittssicherung und...</li></ul>